Strutz kündigt Erklärung in drei Wochen an

Jörg Schneider. Mainz.
Das Meinungsbild war relativ deutlich, obwohl nur rund 400 Mitglieder und Anhänger des FSV Mainz 05 zur zweiten Info-Veranstaltung zum Thema Strukturreform in den VIP-Bereich der Opel Arena gekommen waren. Das Publikum tendierte zu einer Reform ohne Ausgliederung des Profibereichs in eine Kapitalgesellschaft und zu einer Modell-Variante, in der die Mitglieder sowohl den künftigen Aufsichtsrat als auch den neuen Vorstandvorsitzenden wählen. 05-Chef Harald Strutz kündigte unterdessen an, dass er am 27. September, im Rahmen der Mitgliederversammlung, zu den Vorwürfen gegen ihn und zu seinen künftigen Ambitionen Stellung beziehen werde.

Das öffentliche Interesse an der fälligen Strukturreform des FSV Mainz 05 ist offenbar rückläufig. Nur noch gut 400 Mitglieder, Anhänger und sonstige Interessenten nahmen am Sonntag das Angebot des Bundesligisten wahr, sich im VIP-Bereich der Opel Arena über Modelle für die jeweiligen erforderlichen Satzungsänderungen zu informieren, mit denen das Ziel der Reform, im Verein mehr Transparenz und Kontrolle zu erreichen, gewährleistet werden soll. Rechtsanwalt Hans Zindel stellte im Namen der Strukturkommission, bestehend aus amtierenden Vorstandsmitgliedern und externen Experten, die beiden Modelle vor, die zur Diskussion stehen. Und zwar unter der Prämisse, dass die Reform ohne Ausgliederung des Profibereichs bewerkstelligt werden soll.

Nimmt man die Beifallskundgebungen im Publikum zu den nachfolgenden Diskussionsbeiträgen als Maßstab, dann tendieren die 05-Mitglieder ziemlich deutlich zu der Modell-Variante B, wobei sich vieles auf die Frage nach der Rolle des künftigen Vorstandsvorsitzenden konzentrierte. In Modell A, das Zindel präsentierte und das wie auch die zweite Variante auf der 05-Homepage nachgelesen werden kann, ist der Vorstandschef Teil eines vierköpfigen Vorstands, der vom Aufsichtsrat bestellt wird, der wiederum von der Mitgliederversammlung gewählt wird. Diese Möglichkeit nennt sich dualistisches Modell und wird in der Wirtschaft allgemein praktiziert. In Modell B soll der Vorstandsvorsitzende dagegen direkt von der Mitgliederversammlung gewählt werden. So, wie beispielsweise beim VfB Stuttgart oder beim SC Freiburg. Die übrigen drei Vorstandsmitglieder werden vom Aufsichtsrat bestellt. Die Befürworter dieser Variante plädierten allerdings zum großen Teil dafür, dass dem von den Mitgliedern gewählten Vorstandsvorsitzenden ein klares Aufgabengebiet zugewiesen werde. Wichtig sei es auch, die Kompetenzen zwischen Aufsichtsrat und Vorstand klar zu verteilen, damit gewährleistet sei, dass sich der Vorstand nicht mehr wechselseitig mit Mehrheiten Vorteile verschaffen könne.

05-Chef Harald Strutz kündigte an, dass er sich in der Mitgliederversammlung am 27. September zu den Vorwürfen gegen ihn und zu seinen Ambitionen erklären werde. In beiden Optionen wird der Aufsichtsrat, der wahlweise aus sieben, neun oder elf Personen besteht, von den Mitgliedern gewählt. In einem Falle komplett, in einer anderen Variante nur zum Teil. Die gewählten Aufsichtsräte würden dann zwei weitere Mitglieder dieses Gremiums selbst bestimmen (kooptieren). Dazu kann es ein Entsenderecht der Fanvertretung geben, die einen Vertreter in den Aufsichtsrat schickt. Die Versammlung tendierte in der Diskussion allerdings eher dahin, dass die Fanvertretung der Mitgliederversammlung einen Kandidaten vorschlägt, der dann gewählt werden könnte.

Zuvor hatte Rechtsanwalt Dr. Jörg Alvermann in einem Referat die Vor- und Nachteile einer möglichen Ausgliederung des Profibereichs in eine Kapitalgesellschaft beleuchtet. Das Gutachten, das der Klub in Auftrag gegeben hatte zu diesem Thema kam zu der Erkenntnis, dass es zum heutigen Zeitpunkt vorzugswürdig sei, wenn zunächst eine Anpassung der Vereinsstrukturen erfolge. Diese könne in der Praxis erprobt werden. Sollte sie sich als nicht ausreichend erweisen, könne die sehr teure Ausgliederung noch immer geplant und durchgeführt werden. „Um nicht den zweiten vor dem ersten Schritt zu machen“, wie Alvermann betonte. Eine solche Ausgliederung benötigt eine Dreiviertel-Mehrheit der Mitglieder. Die Vorbereitung alleine würde vor der Abstimmung bereits bis zu 300.000 Euro an Kosten verschlingen. „Jede Ausgliederung führt aber immer zu einem Machtverlust des Vereins und der Vereinsgremien", sagte Alvermann. Der Beifall im Publikum machte deutlich, dass so auch die Mehrheit der Anwesenden dachte.

Der Info-Tag im VIP-Bereich der Arena hatte mit der Begrüßung durch Harald Strutz begonnen. Der 05-Chef, der in den Medien zum Teil heftig kritisiert wird, erklärte erneut, Teile der Berichterstattung seien diffamierend und beleidigend. Ihm werde vorgeworfen, Wahlkampf zu betreiben. „Das ist aber kein Wahlkampf von mir, sondern ein Wahlkampf, den Printmedien in Mainz gegen mich führen“, sagte der 65-Jährige. Strutz kündigte an, dass er im Rahmen der ordentlichen Generalversammlung am 27. September zu den einzelnen Themen Stellung beziehen werde. „Sie werden dann entscheiden“, sagte Strutz dem Auditorium.

Jürgen Doetz, der 05-Vize, der wie bereits im Juni die Info-Veranstaltung moderierte, nahm Stellung zu dem Vorwurf, dass der Klub bisher keine Namen nennt hinsichtlich der künftigen Personalbesetzung in der Führung. „Wir wissen ja auch, was in der Stadt diskutiert wird. Wir sind ja nicht blauäugig“, sagte Doetz. „Es geht uns aber um eine zukunftsorientierte Satzungsänderung, unabhängig von Personen. Vielleicht ist das ja ein anspruchsvolles Unterfangen, aber wir sind überzeugt davon, dass wir zunächst diskutieren müssen, welches überhaupt der für Mainz 05 notwendige und richtige Weg ist. Das hat nichts mit Taschenspielertricks, Vertuschen oder Geheimniskrämerei zu tun.“

Allen, die es nicht mehr aushalten könnten, empfahl der Vize-Präsident den Besuch der Mitgliedersammlung am Dienstag in drei Wochen. „Das ist dann der Ort, wo auch Harald Strutz im Rahmen seines Rechenschaftsberichtes Stellung nehmen wird zu den Vorwürfen, die gegen ihn im Raum stehen“, sagte Doetz. „Das ist auch der Ort, wo Harald Strutz sagt, welche Ziele er sich gesetzt hat. Es mag altmodisch sein, aber wir finden, dass es der bessere Weg ist, damit in die Mitgliederversammlung zu gehen.“

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