Stürmerfrage noch nicht entschieden

Jörg Schneider. Marbella.
Christian Heidel hatte im Trainingslager des FSV Mainz 05 viel zu tun. Der Manager schaute auf dem Platz genau hin, achtete auf Signale und Körpersprache seiner Profis vor dieser schweren Rückrunde, die dem Bundesligisten bevorsteht. Heidel führte Gespräche mit den Sorgenkindern im Offensivbereich. Und der 51-Jährige prüfte die Möglichkeiten, eine weitere Verstärkung für den Angriff zu holen. Die zu finden ist nicht ganz einfach. Das Thema ist auch noch nicht endgültig entschieden, und Heidel hat sich bisher auch noch nicht auf einen Kandidaten festlegen können.

Viel Arbeit im Trainingslager in Marbella: 05-Manager Christian Heidel. Foto: Jörg SchneiderChristian Heidel hat in den Tagen von Marbella genau hingeschaut. Beim Training, bei den Testspielen. Und der Manager des FSV Mainz 05 hat Gespräche geführt. Mit Spielern, die bisher hinter den Erwartungen zurück geblieben sind. „Ich habe einen guten Eindruck, wie trainiert wurde“, sagte Heidel. „Die Testspiele kann ich nicht richtig greifen. Da war vieles gut, nach hinten sah das anständig aus, aber vorne ließ die Torgefahr noch immer zu wünschen übrig.“

Noch ist gut eine Woche Zeit bis zum Rückrundenstart. „Ich sehe, dass die Mannschaft gut harmonisiert. Sie versteht sich untereinander. Das ist wichtig, wenn man vor einer nicht ganz einfachen Rückrunde steht“, sagt der 51-Jährige. „Ich sehe auch, dass die Mannschaft topfit ist. Daran gibt es nichts auszusetzen. Da ist alles im grünen Bereich. Nur, wenn du gegen Paderborn verlierst, bringt das alles nichts.“

Die Partie gegen den SC Paderborn am Samstag in acht Tagen und die nachfolgenden zwei Begegnungen in der Englischen Woche (in Hannover und gegen Hertha BSC) haben am Bruchweg eine große Bedeutung. „Darauf liegt unser Hauptaugenmerk“, sagt Heidel. „Diese drei Spiele geben uns einen Fingerzeig, wohin es geht.“

Heidel ist schon ein wenig nervös ob der Situation. Das ist zu spüren. Die Abstände nach unten sind minimal. Ein schlechter Bundesligastart jetzt, und es wird beinhart für diese immer noch im Umbau und Aufbau befindliche Mannschaft. Darüber hat der Manager offenbar auch lange mit seinem Trainer gesprochen. Bei allen hehren, langfristigen Entwicklungsplänen von Kasper Hjulmand, der 05-Trainer muss jetzt Ergebnisse liefern. Denn im Abstiegskampf ist für ein Team wie das der 05er keine Entwicklung möglich. Da geht es erst einmal nur darum, sich der Situation zu stellen. Da steht das Ergebnis über allem.

Und diese Thematik war auch Gegenstand seiner Gespräche mit einigen Spielern, speziell mit den Stürmern, die bisher zu wenig anbieten. Wie beispielsweise Sami Allagui. "Wir haben uns lange unterhalten“, sagt Heidel. „Sami ist willig ohne Ende, er will unbedingt mehr zeigen, denn er möchte nach dieser Saison bei uns bleiben.“ Der aus Berlin zurückgekommene Angreifer setze sich selbst massiv unter Druck und verzettele sich dabei. „Sami war ja eigentlich ein Knipser mit einer Wahnsinnsquote, der überall wo er gespielt hat, funktioniert hat. Er strengt sich an, aber da ist viel Luft nach oben. Sein eigentliches Können fehlt uns.“ Heidel erwartet von Allagui einfach mehr in dieser Rückrunde, als der Stürmer bisher gezeigt hat.

DSami Allagui (links, im Duell mit Stefan Bell) möchte gerne in Mainz bleiben. Dafür muss der Stürmer in der Rückrunde jedoch mehr anbieten als bisher. Foto: Jörg Schneider as gilt auch für Jairo. Der Spanier ist nach wie vor zu verspielt, erfüllt nach Ballverlusten und im Zweikampf nicht das, was von ihm gefordert wird. Und genau das müsse im nächsten halben Jahr besser werden, sagt Heidel. „Er hat jetzt richtig Konkurrenz. Ich glaube, dass war dringend notwendig. Ganz klar, Jairo muss auch ein Schippe drauf legen.“

Der größte Problemfall im Bundesligakader ist noch immer Filip Djuricic. Im Dialog mit dem Serben, sagt der Manager, habe er ihm klar gemacht, dass es so nicht gehe. „Ich habe ihm gesagt, das ist keine Bundesliga, was er anbietet. Wenn du so spielst, musst du gehen.“ Jetzt gehe es um die Karriere des 23-Jährigen. „Wenn er hier nicht klarkommt, wohin schickt ihn Benfica Lissabon dann?“ Er habe den Eindruck, dass Djuricic die Ansage verstanden habe. „Er wird jetzt mehr fighten. Ob ihm mehr gelingt, weiß ich allerdings auch nicht.“

Unbestritten sei, dass Djuricic ein Klasse-Spieler sei, wenn er mit Tempo aus dem Mittelfeld komme. Doch offenbar musste dem Profi erst erklärt werden, dass er nicht nur mit Törtchen und Hackentrick ankommen kann, nicht nur nach vorne orientiert spielen könne, sondern auch daran denken müsse, was nach hinten passiere. „Klar ist, Filip muss kämpfen. Ich habe gute Antworten von ihm erhalten“, sagt Heidel, „was es bewirkt hat, gucken wir uns an.“

Weniger Sorgen macht sich der 05-Manager um Pablo De Blasis. „Es war uns klar, dass er Zeit braucht. Er rennt ja immer und wird nie müde. Das müssen wir in Bahnen lenken. Aber der Junge ist klar in der Birne. Er merkt selbst, dass andere taktisch noch vor ihm sind. Er lernt, er will lernen und hat eine Top-Einstellung.“

Die große Frage, die sich der Manager im Moment jedoch stellen muss, und über die Heidel ständig nachdenkt, ist die, ob er bis zum Ende der Transferperiode noch einen Stürmer dazu verpflichten muss. „Das ist eine Frage, die im Moment keiner schlüssig beantworten kann“, sagt der 51-Jährige.

Ein Neuzugang müsse mindestens die Qualität des vorhandenen Personals haben oder besser sein, „sonst kannst du ja die einsetzen, die da sind. Ein Stürmer kommt im Moment sowieso nur, wenn er die Chance sieht, auf Anhieb zu spielen.“ Das mache die Sache nicht einfach. „Jeder weiß, dass wir überwiegend mit einer Spitze spielen. Shinji Okazaki hat alle Spiele über 90 Minuten auf dem Platz gestanden. Da ist es absolut schwierig jemanden zu kriegen.“ Denn, um auf der Bank zu sitzen kommt keiner und an Okazaki geht kein Weg vorbei.

Dazu kommt die ungewisse Ausgangslage. Er könne einen Stürmer holen für drei Millionen Ablöse plus Gehalt. „Und dann geht das schief in der Rückrunde, wir steigen ab. Dann kann der Mann ablösefrei wechseln.“ Da geht es um Risikoabwägung. „Im Prinzip könnten wir nur jemanden ausleihen mit Kaufoption, sonst ergibt das keinen Sinn“, sagt der Manager. „So jemanden muss ich finden. Das ist die Realität.“

Er führe viele Gespräche. „Das Thema ist nicht durch. Wir werden es so schnell wie möglich entscheiden. Wir haben Ideen, die wir prüfen, aber wir haben uns bis jetzt noch nicht auf einen Spieler festgelegt.“

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