Südkorea steht im Halbfinale

Christian Karn. Mainz.
Die südkoreanische Nationalmannschaft hat mit einem 2:0 gegen Usbekistan das Halbfinale der Asienmeisterschaft erreicht. Leverkusens Heung-Min Son traf in der Verlängerung eines munteren Spiels zweimal. Ob die Koreaner am Montag in Sydney gegen Iran oder Irak spielen, entscheidet sich am morgigen Freitag.

Wie ein Turnierfavorit spielt Südkorea immer noch nicht. Aber die Ostasiaten mit Joo-Ho Park vom FSV Mainz 05 stehen als erste Mannschaft im Viertelfinale der Asienmeisterschaft. Und sie sind nach vier Spielen immer noch eine der drei Mannschaften, die noch kein Gegentor kassiert hat. Gegen Usbekistan brauchten die Koreaner in der einen oder anderen Situation wieder etwas Glück, setzten sich aber in der Verlängerung nicht unverdient mit 2:0 durch. 

Nur in der ersten Phase der Partie war Usbekistan überlegen. Die einzige der vier asiatischen Ex-Sowjetrepubliken, die an der Qualifikation teilgenommen hat, hatte in der sechsten Minute durch Lutfulla Toraev erstmals so etwas wie eine Torchance; der Mittelfeldspieler des usbekischen Pokalsiegers Lokomotiv Toshkent zögerte allerdings kurz und kam mit seinem Versuch eines Flugkopfballs nicht mehr an die Flanke von Odil Ahmedov vom russischen Erstligisten FC Krasnodar. Die Koreaner bemühten sich in dieser Phase um Kontrolle, hatten auch viel Ballbesitz, aber der fand erst einmal nur in der eigenen Hälfte statt. Die Usbeken öffneten keine Räume, ließen den Gegner nicht zum Tor und hatten weitere Tormöglichkeiten: Koreas Torwart Jin-Hyeon Kim machte sich in der 17. Minute groß, um einen Schuss des von der Abwehr völlig übersehenen Ahmedov zu blocken, der den Ball allerdings auch nicht sofort unter Kontrolle hatte. Der Angriff war damit noch nicht tot, von linksaußen kam der Ball zu Ahmedov zurück, der im Fallen über das Tor schoss.

Wenige Tage nachdem ihm die Nase blutig geschlagen wurde, stand Joo-Ho Park wieder in der Startelf Südkoreas. Foto: imago

Erst in der 20. Minute gaben auch die Koreaner den ersten Torschuss ab. Mittelstürmer Jung-Hyup Lee, einer der wenigen Spieler aus der eigenen Liga, versuchte es allerdings aus eher aussichtsloser Position. Wäre der Ball nicht sowieso nur ins Außennetz geflogen, wäre es eine klare Sache für den Torhüter Ignatiy Nesterov gewesen.

Der Keeper des Pokalsiegers zeigte in der 25. Minute dreimal, warum er im Tor seiner Nationalmannschaft steht. Nach einem feinen kleinen Pass durchs Zentrum musste Nesterov Kopf und Kragen riskieren, um dem frontal auf ihn zulaufenden Keun-Ho Lee den Ball abzunehmen, sofort aufzuspringen und an der Strafraumlinie auch Tae-Hee Nams Nachschussversuch zu blocken. Über Umwege kam der Angriff wieder zurück an den Strafraum, Leverkusens Heung-Min Son zog aus 19 Metern aufs lange Eck ab, Nesterov flog und hielt auch diesen Ball.

Das Spiel war flott in der ersten Hälfte. Beide Teams waren im Mittelfeld etwas zu durchlässig, wobei der Mainzer Joo-Ho Park immerhin den einen oder anderen schönen öffnenden Pass spielte, gern auf den Hoffenheimer Linksverteidiger Jin-Su Kim. Die Koreaner hatten inzwischen herausgefunden, wie man in die Offensive kommt, aber sie hatten auch Glück, dass der usbekische Mittelstürmer Bahodir Nasimov vom iranischen Aufsteiger Padideh FC nach ihrer Dreifachchance übers Tor schoss. 

Vielleicht spielentscheidend war die Muskelverletzung von Ahmedov, der in der 30. Minute aufgeben musste. Ohne ihren besten Offensivmann verloren die Usbeken einiges an Offensivkontrolle. Die Koreaner konnten es sich leisten, bis zur Halbzeit etwas zurückzuschalten, großen Druck auf die Abwehr verspürten sie nicht mehr.

Wild wurde es in der 50. Minute. Nesterov zeigte eine große Reaktion auf einen Kopfball von Jung-Hyup Lee, den die Usbeken bei einem langen Freistoß aus dem Mittelfeld in perfekter Position offenbar gar nicht auf der Rechnung hatten. Der Konter lief, der koreanische Torhüter kam weit heraus aus seinem Tor, um einen langen Pass zu klären, und schoss seinen Rechtsverteidiger an, Chang-Soo Kim vom japanischen Erstligisten Kashiwa Reysol. Von Kim rollte der Ball nicht allzu weit am leeren Tor vorbei. In der 63. Minute hatte der koreanische Keeper Jin-Hyeon Kim wiederum Glück, als er erst den Ball und dann den Usbeken Sardor Rashidov abräumte. Kim verletzte sich leicht in dieser Szene, konnte aber weiterspielen.

Torchancen wurden bis zum Spielende seltener. Die Usbeken vermissten ihren Spielmacher, die Koreaner verloren den Faden. Das 0:0 nach 90 Minuten war keine Überraschung, wäre auch nach 105 Minuten keine gewesen. Das Führungstor der Ostasiaten war in gewisser Weise ein Geschenk: Der usbekische Rechtsverteidiger Shuhrat Muhammadiyev hatte einen harmlosen Angriff abgefangen, ließ sich aber vom Hoffenheimer Kim den Ball wegpressen. Die Verteidiger erkannten die Gefahr nicht rechtzeitig, Kim flankte flach in die Mitte, Son ließ sich fallen und bugsierte die Kugel mit dem Kopf ins Tor. Nesterov sah nicht gut aus in dieser Szene, aber dem Torhüter Vorwürfe zu machen, könnte ungerecht sein: Er stand nicht gut, mit dem Ballverlust war nicht unbedingt zu rechnen. Vielleicht hätte Nesterov Glück gebraucht. Usbekistan antwortete noch vor der Halbzeit der Verlängerung mit Gegenangriffen und Abschlüssen, die aber nicht aufs Tor kamen. 

Eine bemerkenswerte Einzelleistung des ehemaligen 05ers Du-Ri Cha, der mittlerweile für den Rechtsverteidiger Kim eingewechselt worden war, entschied die Partie in der 119. Minute endgültig. Ähnlich wie beim Siegtor gegen Kuwait überlief Cha auf dem Flügel zwei Gegenspieler kurzerhand, flankte aber diesmal nicht, sondern legte den Ball von der Grundlinie zurück. Son nahm ihn an der Strafraumgrenze mit, lief noch ein paar Schritte und traf hart zum 2:0. Dabei verletzte sich der Leverkusener, musste herausgetragen werden, kam aber wieder zurück, rechtzeitig, um den letzten Versuch Usbekistans zu sehen, zumindest den Koreanern das erste Gegentor zu besorgen. Der Schuss wurde auf der Linie geklärt, an der Qualifikation zum Halbfinale hätte er ohnehin nichts mehr geändert.