Torwart- und Schirifehler entscheiden das Spiel

Christian Karn. San Pedro Alcántara
Der FSV Mainz 05 wird ohne einen Testspielsieg aus dem Trainingslager in Marbella zurückkommen. Einen Tag nach dem 1:1 gegen ADO Den Haag spielten die 05er gegen Feyenoord Rotterdam zumindest in der ersten Hälfte zwar besser, kassierten aber in der zerfahrenen zweiten Hälfte durch einen Schiedsrichter- und einen Torwartfehler zwei Gegentore und nutzten vorne ihre Chancen nicht. Giulio Donati sah außerdem eine rätselhafte Rote Karte. Der niederländische Tabellenführer gewann so 2:0.

FSV Mainz 05 - Feyenoord Rotterdam 0:2 (0:0)

Samstag, 7. Januar 2017.

FSV Mainz 05: Huth (80. Watkowiak) - Donati (29. Balogun), Bell, Ramalho (46. Hack, 62. Bungert), Bussmann (69. Kölle) - Latza (69. Häusl), Gbamin (74. Rodríguez) - de Blasis (46. Brosinski), Frei (46. Muto), Holtmann (46. Öztunali) - Córdoba (46. Seydel).

Feyenoord Rotterdam: Jones - Karsdorp (82. Nieuwkoop), Botteghin, van der Heijden (63. Nelom), Kongolo (69. Dammers) - Toornstra, Kuijt (78. Gustafson), Vilhena - Berghuis, Jörgensen (82. Vente), Elia (63. Basacikoglu).

Tore: 0:1 Berghuis (56., indirekter Freistoß, Kuijt), 0:2 Toornstra (77., nach Torwartfehler).

Gelbe Karten: Ramalho, Karsdorp.

Rote Karte: Donati (23.).

Um in einem Testspiel die Rote Karte zu sehen, muss man sich richtig etwas leisten. Die Schiedsrichter sind, wenn es nicht ums Ergebnis geht, viel zurückhaltender mit persönlichen Strafen als in Wettbewerbsspielen. Umso rätselhafter ist es, warum der FSV Mainz 05 beim 0:2 (0:0) gegen Feyenoord Rotterdam im Trainingslager in Andalusien fünf Minuten lang zu zehnt spielen musste. Nicht einmal im Ansatz war ein Grund für den Platzverweis gegen Giulio Donati in der 23. Minute auszumachen. Immerhin durften die 05er zur Vervollständigung ihrer Formation einen neuen Verteidiger nachrücken lassen.

Der 05-Rechtsverteidiger war ein paar Meter vor dem gegnerischen Strafraum gefoult worden, hatte sich im Fallen den Ball geschnappt. Der junge Viertligaschiedsrichter Sergio Gutiérrez hatte die Fußangel des Gegners nicht gesehen, auf Handspiel entschieden, Donati den Ball mit überschaubarem Gemaule wieder hergegeben. Er habe nur gesagt, es sei für ihn ein Foul gewesen, beteuerte Donati, sein Gegenspieler Jan van der Heijden bestätigte das. Es müsse ein Missverständnis gewesen sein. Die 05er waren entsetzt über die Entscheidung, die trotz der baldigen Einwechslung von Leon Balogun, der Rechtsverteidiger blieb, auch als zur Halbzeit Daniel Brosinski ins Spiel kam, einen Bruch in einer bis dahin ordentlichen Partie bedeutete.

Die Mainzer hatten mit Jannik Huth (der bei beiden Gegentoren eine Rolle spielte), mit André Ramalho in der Innenverteidigung, mit Fabian Frei als Zehner zwischen Pablo de Blasis und Gerrit Holtmann begonnen, auf den übrigen Positionen mit den Stammspielern. Sie traten aggressiver auf, zielstrebiger gegen den Ball, waren freilich auch nicht so belastet wie am Vortag gegen ADO Den Haag, hatten vormittags nur leicht trainiert. In der zehnten Minute spielten sie die erste schnelle direkte Kombination, Holtmanns Ablage auf Frei ging jedoch verloren.

Viel Umschaltspiel war nicht möglich. Der niederländische Tabellenführer hatte den gleichen Plan, zwang die 05er zu einem Ballbesitzspiel. Das machten die Mainzer ordentlich, allerdings gab es kaum Torszenen. Lediglich Holtmann machte auf seiner linken Seite viel Betrieb, aber gefährlich wurde auch das nicht. Die einzige echte Torchance in der ersten Phase des Spiels hatte Ramalho nach einer abgewehrten Ecke; der Brasilianer schoss allerdings den auch noch abseits stehenden Stefan Bell an (14.).

Erst in den letzten zehn Minuten der ersten Hälfte wurde das Spiel auch vor den Toren interessanter. Nicolai Jörgensen, einst Bundesligaprofi in Leverkusen und Kaiserslautern, jetzt als Neuzugang vom FC Kopenhagen mit 12 Treffern Erster der Torjägerliste in der Eredivisie, bekam im 05-Strafraum einen Querschläger vor den Fuß, traf den Pfosten (36.). Jhon Córdoba hatte binnen weniger Sekunden zwei Abschlüsse im Feyenoord-Strafraum - beide abgeblockt (42.). Jörgensen wiederum kam nach Flanke von Rechtsaußen Steve Berghuis frei am Fünfer an den Ball, schoss volley über das Tor (44.). Kurz davor wollte der holländische Rechtsverteidiger Rick Karsdorp nach einem Allerweltsfoul Holtmann an den Kragen, sah in der kurzen Schubserei ebenso wie Ramalho Gelb, wurde vom Mitspieler rüde eingefangen - von der Keilerei vor einem Jahr gegen Standard Lüttich war's weit weg, aber freundschaftlich war's nicht immer, Feuer war ab und zu drin im Spiel.

Das 1:0 für Feyenoord: Steve Berghuis (rechts, verdeckt) schießt an der Mauer vorbei ins lange Eck. Foto: imagoAnders als gegen Den Haag wechselten die 05er zur Halbzeit nicht komplett durch. Fünf Neue kamen, fünf aus der Startelf sowie Balogun blieben. Sieben Auswechsel-Unterbrechungen während der zweiten Hälfte taten dem Spiel nicht unbedingt gut. Als erstes erwischte es in der 62. Minute Alex Hack, der zur Halbzeit erst für Ramalho gekommen war. Es war wohl eine Straf-Auswechslung; 05-Trainer Martin Schmidt warf dem Innenverteidiger neben weiteren Nachlässigkeiten und Undiszipliniertheiten das 0:1 vor. Das - ein indirekter Freistoß, den Berghuis knapp innerhalb des Strafraums flach ins lange Eck schoss - war jedoch nicht nur Hacks Verantwortung: Sicherlich nicht zu Unrecht davon ausgehend, dass die Kerze, mit der Stefan Bell Jörgensen den Ball wegschlug, kein absichtlicher Rückpass im Sinne der Regel 12 sei, hatte Huth seinen Verteidiger weggeschickt und den Ball aufgefangen; Schiedsrichter Gutiérrez bewertete auch diese Situation völlig falsch und ermöglichte Feyenoord das Führungstor (56.). Zwei Minuten zuvor hatte Danny Latza die letzte Möglichkeit zur 05-Führung vergeben: Nach einer Vorlage von Levin Öztunali hatte der Sechser die Orientierung verloren, er hatte den Ball besser am Verteidiger vorbei mitgenommen, als er offenbar dachte, hatte eine perfekte Schussposition knapp zehn Meter vor dem Tor, fand aber den Ball nicht rechtzeitig wieder.

Die 05er wehrten sich gegen die Niederlage, hatten vor allem auf der linken Seite inzwischen Räume, die ihnen Feyenoord vorher nicht zugestanden hatte. Muto wurde in der 64. Minute wegen vermeintlichen Abseits zurückgepfiffen - dritte dicke Fehlentscheidung. Aaron Seydel scheiterte keine Minute später nach einem perfekten Anspiel von Jean-Philippe Gbamin am australischen Torwart Brad Jones. Muto hatte nach einem langen Pass von José Rodríguez die vielleicht größte Chance zum Ausgleich, Jones fälschte den Schuss des Japaners entscheidend ab (75.). Und ein dicker Fehler von Jannik Huth, der eine harmlose Flanke abfing, aber nicht festhielt, erlaubte Jens Toornstra das entscheidende 2:0 (77.). Der Mittelfeldspieler reagierte schnell, als der Ball auf einmal wieder frei war, und stocherte ihn von Bell bedrängt über die Linie. Huth war nach seiner Auswechslung ein paar Minuten später schwer genervt, feuerte seine Handschuhe auf den Boden - die Chance, im zum Rückrundenende ausgerufenen Rennen um den Stammplatz Jonas Lössl unter Druck zu setzen, hat der Olympiateilnehmer in diesem Spiel nicht genutzt.

Viel ging nach dem 0:2 nicht mehr. Feyenoord spielte die Partie vor etlichen hundert Zuschauern, darunter mehreren kompletten niederländischen Fußballteams, routiniert herunter. Bell zeigte kurz vor Schluss noch dem jungen Dylan Vente, dass sich ein Bundesligaprofi nicht jeden Quatsch gefallen lässt, und hob den klammernden Nachwuchsstürmer einmal quer über die Schulter, Muto vergab eine letzte Torchance. Dann war Schluss. Die Leistung war über weite Phasen besser als gegen Den Haag, das Ergebnis schlechter. Am Dienstag kommen die 05er aus dem Trainingslager zurück, am Samstag geht die Testspielserie mit dem Telekom-Cup in Düsseldorf weiter.

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