Trauer um den Heinz aus Mainz

Jörg Schneider. Mainz.
Die Nachricht hat viele Menschen traurig und betroffen gemacht: Heinz Bender ist tot. Eines der letzten großen Originale des Mainzer Fußballs, ein 05-Urgestein mit Kultstatus hat die Bühne verlassen. Der Mann, der sich selbst gerne als „Heinz aus Mainz“ vorstellte, der seit Jahrzehnten ehrenamtlich für den FSV Mainz 05 aktiv war, der Menschenfreund und Geschichtenerzähler, der Humorist mit der ansteckenden Lebensfreude, der Mann, der alle kannte und den alle kannten, starb wenige Wochen vor seinem 75. Geburtstag.

Ein besonderer Mensch ist gegangen: Wir trauern um Heinz Bender. Foto: ImagoAm Donnerstagabend, nachdem die Nachricht vom Tod Heinz Benders die Runde gemacht hatte, trafen sich Freunde und 05er spontan im Haasekessel am Bruchweg. „Wir waren alle sehr betroffen und geschockt“, sagt Christian Heidel, den eine besondere, langjährige Freundschaft mit dem Heinz aus Mainz verband. „Viele, die ihn näher kannten, sind gekommen. Wir haben um ihn getrauert, und dann haben wir bis tief in die Nacht über Heinz Bender gesprochen. Die vielen Anekdoten wiederaufleben lassen. Uns an ihn erinnert. So, wie er halt war.“

Der „Benderheinz“, der „Heinz aus Mainz“, der Menschenfreund und Geschichtenerzähler, der Humorist mit der ansteckenden Lebensfreude, der Mann, der alle kannte und den alle kannten. „Heinz war ein besonderer Mensch, ein ganz besonderer Typ. Er war immer positiv. Ich kann mich nicht erinnern, dass er mal schlecht gelaunt gewesen wäre“, sagt Heidel. Der Manager des FSV Mainz 05 war nicht nur über 30 Jahre lang mit Heinz Bender befreundet. „Ich habe ihn auch als Fußballfachmann und als wichtigen Ratgeber in vielen Fragen schätzen gelernt.“ Einer, der vom Fußball und dem Geschäft viel verstand. Der Erfahrung hatte und Kontakte, die so manchen verblüfften. Denn der „Benderheinz“ war ein offener Mensch, einer der Grenzen überwand, der mit den Leuten sprach. Immer und überall. Und der mit jedem Gesprächspartner schnell gemeinsame Bekannte auskramte. „Man kann sich gar nicht vorstellen, dass Heinz irgendwo hinkam und lange alleine blieb. Er hatte dieses Verbindende“, sagt Heidel.

Und Mainz 05 war sein Leben. Heinz Bender war der größte 05-Fan. Er war in den verschiedensten Funktionen ehrenamtlich für seinen Verein aktiv. Er war Mitarbeiter des Vereins, ein Freund der Verantwortlichen. Einer, den man als die gute Seele des Vereins bezeichnen würde. „Er war einfach da“, sagt Christian Heidel. „Und es war gut und wichtig, dass er da war. Wir verlieren einen großartigen Menschen. Das ist für uns alle ein großer Verlust.“

Bekannt mit Gott und der Welt

Heinz Bender half, wo er helfen konnte. Sein Herz hing an den Amateuren. An der U23. Bis zum Aufstieg in die Dritte Liga leitete Bender die Pressekonferenzen der zweiten Mannschaft. Er half als Mitarbeiter der Tageszeitungen aus, schrieb für „Kicker“ und „Bild“. Und war auch nach seinem Ausscheiden aus der Öffentlichkeitsstelle des rheinland-pfälzischen Wirtschaftsministeriums immer im Bilde und an allen Themen interessiert.

Heinz Bender kannte Gott und die Welt. Und alle kannten ihn. Nicht nur in Mainz. In ganz Fußballdeutschland hatte Bender seine Kontakte, genauso wie im Ausland. Die neuen Bundesländer hingen ihm besonders am Herzen. Heinz Bender war nach der Wende regelmäßig zu Besuch in Erfurt oder Zwickau, Leipzig oder Halle und hatte vor allem in der Fußballszene des Ostens viele Freunde. Der ehemalige Schiedsrichter und Spielervermittler, der so viel Interesse an allem zeigte und mit jedem gut konnte. Christian Heidel, Manfred Lorenz, Peter Arens, der frühere 05-Verteidiger und heutige FSV-Frankfurt-Manager Uwe Stöver zählten zu seinen engsten Vertrauten. Eintracht-Sportdirektor Bruno Hübner, Jürgen Klopp, Bruno Labbadia, Rudi Bommer. Die Liste der Bekannten und Freunde vom Heinz aus Mainz lässt sich beliebig fortsetzen. Lange Jahre lang endete jedes Interview mit dem früheren Präsidenten des SC Freiburg, Achim Stocker, mit den Worten: „Richten Sie meinem Freund Heinz Bender einen schönen Gruß aus.“

Heinz Bender hat Beziehungen aufgebaut und diese gepflegt. Die Damenwelt liebte den charmanten Plauderer mit den stets tadellosen Umgangsformen und dem Old-School-Benehmen. Der „Benderheinz“ war gerne mittendrin und erzählte gerne. Wenn‘s nötig war reichte sein Repertoire an Witzen und Anekdoten für eine Autofahrt von Mainz nach Leipzig und zurück. Und er konnte herzerfrischend selbst über seine Geschichten lachen, auch in der dritten und vierten Auflage. Seine Freude, seine Lebensfreude war ansteckend.

Heinz Bender sprach gerne mit Menschen und fand immer Anknüpfungspunkte. In allen Bereichen. Sportartenübergreifend. Themenübergreifend. „Wir waren mal auf Mallorca zusammen und haben uns ein Spiel angeschaut. Real Mallorca gegen Barcelona. Aus Reihe 50“, erinnert sich Christian Heidel. „Plötzlich hat Heinz jemandem im Innenraum gesehen, den er irgendwie kannte. Und eine Viertelstunde später, das Spiel war zu Ende, stand er da schon im Mittelkreis des Stadions und unterhielt sich angeregt. Das war Heinz Bender.“

Heinz Bender ist gegangen. Leise und mit sich im Reinen. Auch wir von der nullfünfMixedZone trauern um einen guten Freund und langjährigen Wegbegleiter. Für uns alle ist es kaum vorstellbar, dass Heinz Bender nicht mehr soeben mal um die Ecke kommt, die neusten Ereignisse kommentiert und erzählt. Wir haben uns schon gefreut, den Heinz aus Mainz im Trainingslager in Spanien zu erleben, wenn er uns die komplette Geschichte des nächsten Testspielgegners der 05er erklären würde und wen er in diesem Klub wann, wo und unter welchen Umständen kennengelernt hat. Und auf seinen Standardreim, der unweigerlich gekommen wäre: „Hier steh‘ ich nun am Mittelmeer und habe keine Mittel mehr.“

Heinz Bender ist wenige Wochen vor seinem 75. Geburtstag von uns gegangen. Wir sind sehr traurig. Lieber Heinz, wir vermissen dich jetzt schon und denken an dich. Wir werden dich nicht vergessen.

 

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