Traumtor reicht nur für den zweiten Platz

Christian Karn. Düsseldorf.
Der Höhepunkt des Telekom-Cups gehört wahrscheinlich auch objektiv einem 05er. Den Pokal selbst darf der FSV Mainz 05 aber nicht den Rhein hinauf aus Düsseldorf an den Bruchweg mitbringen. Durch ein Eigentor hatten sich die 05er zwar mit 1:0 gegen Borussia Mönchengladbach fürs Finale qualifiziert, das aber gewann Bayern München 2:1. Große Erkenntnisse lassen sich aus den 90 Minuten nicht ableiten.

2:2 in 90 Minuten gegen zwei Champions-League-Teilnehmer - gegen einen, der sich wie jedes Jahr anschickt, im Turnier weit zu kommen und sich über die Liga auch für die nächste Saison zu qualifizieren, und einen, der sich schon in die Europa League verabschiedet hat und in der Bundesliga noch seine Probleme hat. Vom Ergebnis her hat sich der FSV Mainz 05 beim Telekom-Cup in Düsseldorf gut präsentiert. Auffällig war aber, dass die Mainzer die Schwächen, die sie in den Auswärtsspielen der Hinrunde regelmäßig zeigten, so kurz vor dem Ende der Vorbereitung immer noch haben: Sie kamen kaum in den gegnerischen Strafraum, sie verteidigten vor dem Tor gut, aber in vielen Zonen passiv, und sie hatten in beiden Kurzspielen, gegen Borussia Mönchengladbach ebenso wie gegen Bayern München, jeweils ihre längere Phase, in der sie am Spiel kaum teilnahmen.

Am letzten Wochenende vor der Bundesliga-Fortsetzung hatte Martin Schmidt fünf Profis nicht dabei: Suat Serdar und Karim Onisiwo sind bekanntlich verletzt, Emil Berggreen nach seinem Kreuzbandriss noch lange nicht im Mannschaftstraining. Wegen Kleinigkeiten fehlten auch Jonas Lössl und Danny Latza. Dafür war Jairo Samperio wieder dabei. Mit Ausnahme von Gaetan Bussmann spielten die 05er mit zwei komplett unterschiedlichen Mannschaften; der Franzose ist hinten links ohne ernsthafte Konkurrenz, wenn Daniel Brosinski und Giulio Donati rechts gebraucht werden.

Borussia Mönchengladbach - FSV Mainz 05 0:1

Borussia Mönchengladbach: Sommer - Jantschke, Christensen, Vestergaard, Kolodziejczak - Benes, Kramer - Hahn, Raffael, Stindl - Hazard.

FSV Mainz 05: Fl. Müller - Donati, Bungert, Hack, Bussmann - Rodríguez, Frei - Öztunali, Muto, Jairo - Seydel (36. Bouziane).

Tor: 0:1 Vestergaard (7., Eigentor, Öztunali).

Gelbe Karte: Rodríguez.

In den 45 Minuten gegen Gladbach waren die 05er schnell im Spiel. Yoshinori Muto, der erneut als Zehner spielte, hatte eine erste Torannäherung, Mittelstürmer Aaron Seydel die zweite, und nach sieben Minuten führten die 05er schon. Bussmann hatte von links geflankt, Levin Öztunali am langen Pfosten aus einigermaßen spitzem Winkel volley geschossen. Der Gladbacher Innenverteidiger Jannik Vestergaard spürte den nächsten 05er in seinem Rücken, wollte ihm die Möglichkeit zum Abstaubertor nicht geben, hielt den Fuß rein und stoppte den Ball damit wie ein Spitzenstürmer ins eigene Tor - das konnte überhaupt nicht gut gehen.

Nach dem 1:0 überließen die 05er den Gladbachern etwas zu sehr das Spielfeld. Die Borussia hatte viele Freistöße, hatte auch viel Platz auf den Flügeln, kam aber nicht entscheidend nach innen. Erst in der 28. Minute hatte Lars Stindl die erste Torchance; der Gladbacher schoss aus 20 Metern knapp am linken Pfosten vorbei.

Und in der letzten Viertelstunde kamen auch die 05er wieder nach vorne. Tony Jantschke hätte Jairo keine zehn Zentimeter später foulen dürfen, statt Freistoß (den der Spanier zu zentral unter die Latte schoss, für Torwart Yann Sommer war das kein Problem) hätte es sonst Elfmeter gegeben (33.). Nach dem fälligen Eckball köpfte Niko Bungert knapp neben das Tor. U23-Stürmer Mounir Bouziane, gerade erst für Seydel eingewechselt, hatte in der 37. Minute seine Chance aufs 2:0, war etwas neben dem Elfmeterpunkt schön freigespielt worden, schoss, Sommer hielt gut. Der 05-Torwart Florian Müller wurde ebenso wie seine Abwehr kaum ernsthaft gefordert, auch André Hahns Kopfball in der 38. Minute, die letzte Torszene, war leicht zu parieren. Das provozierte Eigentor reichte schließlich für die Finalteilnahme. Gladbach verlor das Spiel um Platz 3 0:2 gegen Fortuna Düsseldorf, war wieder ungefährlich, da dürfte der neue Trainer Dieter Hecking noch einige Arbeit hatten.

FC Bayern München - FSV Mainz 05 2:1

FC Bayern München: Neuer - Lahm, Martínez, Hummels, Alaba - Vidal (36. Benko), Sanches - Kimmich, Costa, Ribéry (42. Friedl) - T. Müller.

FSV Mainz 05: Huth - Brosinski, Balogun, Bell, Bussmann (38. Kölle) - de Blasis, Ramalho, Gbamin, Holtmann - Córdoba, Bouziane (30. Klement).

Tore: 1:0 Ribéry (4., T. Müller), 1:1 Ramalho (8., nach ungenauer Abwehr), 2:1 Martínez (11., Kimmich).

Gelbe Karte: Bell.

Im Finale spielten die 05er gegen Bayern München, das Fortuna Düsseldorf nach 45 Minuten ohne Tore erst im Elfmeterschießen geschlagen hatte; Manuel Neuer hatte zwei der drei Düsseldorfer Schüsse gehalten. Die 05er begannen aggressiv, offensiv. In der dritten Minute schnappte Neuer bereits Gerrit Holtmann gerade so den Ball weg - und in der vierten führten die Bayern. Es war ein hochklassiger, schnell und steil gespielter Angriff, wobei Thomas Müller beim Doppelpass mit dem Torschützen Franck Ribéry wohl wenige Zentimeter abseits stand.

Sei's aber drum, denn erstens war es nur ein Testspiel und zweitens reagierten die 05er mit dem Höhepunkt des Turniers. Lahm hatte einen Querpass von Bouziane ungenau abgewehrt, Renato Sanches die Lücke vor dem Strafraum nicht zu schließen verstanden, so dass André Ramalho den Raum hatte, um nach einem kurzen Lauf aus dem vorderen Mittelfeld ein gewaltiges 20-Meter-Geschoss unter die Latte zu donnern (8.). Der Ball drehte sich von Neuer noch ein kleines Stück weg, diese Erkenntnis lässt sich aus dem Turnier ziehen: Ramalho hat den Schuss, den er in der Hinrunde hin und wieder angedeutet hatte, wirklich. Wenn jetzt noch Jean-Philippe Gbamin etwas mehr Glück hat als bei seinen beiden Chancen gegen die Eintracht im letzten Spiel vor Weihnachten und seiner Möglichkeit später im Bayern-Spiel, dann dürften die 05er aus dem zentralen Mittelfeld heraus einige Torgefahr haben.

André Ramalho überschlägt sich fast, Douglas Costa kommt zu spät und Philipp Lahm steht da mit offenem Mund und großen Augen. Das Ausgleichstor des 05ers dürfte der Höhepunkt des Telekom-Cups gewesen sein. Foto: imagoIn Düsseldorf aber schlugen die Bayern sofort zurück. Müller hatte in der 10. Minute noch eine Flanke von Alaba knapp verpasst, von Leon Baloguns Bein war der Ball haarscharf am langen Pfosten vorbeigerutscht. Den Eckball von Joshua Kimmich köpfte Javi Martínez ins kurze Eck. Der Spanier hatte keinen Gegenspieler; Balogun war der Flanke entgegengelaufen, Jhon Córdoba hatte den Torschützen nicht übernommen.

Es ging schnell und spektakulär weiter. 05-Torwart Jannik Huth unterschätzte nun einen langen Pass, Müller kam vorbei und spielte von der Grundlinie vors leere Tor, aber da war kein Stürmer (14.). Im Gegenangriff dribbelte Córdoba wunderbar an Arturo Vidal vorbei, schoss aber ungenau auf Neuer (15.). Wenn die Bayern Ernst machten, hatten die 05er Probleme, aber ein bisschen bot der Gegner ihnen durchaus den offenen Schlagabtausch an. Weil die Bayern auch zwar dominant weiterspielten, aber dabei etwas vom Gas gingen, hatten die 05er auch die nächsten beiden kleinen Chancen. Pablo de Blasis' Kopfball (18.) und Gbamins Weitschuss (24.) gingen aber am Tor vorbei.

Und Neuer an Córdoba - da dürfte mancher 05er schon Schlimmstes geahnt haben. Der Kolumbianer war nicht abseits bei Gbamins Solo und Steilpass, der Nationaltorwart stürmte mit größter Konsequenz aus seinem Tor, riskierte die Notbremse, die eigene, die gegnerische Gesundheit, war Zentimeter vor Córdoba am Ball - und obwohl auch der Angreifer überhaupt nicht zurückzog im Rennen um die Kugel, schaffte Neuer es, Córdoba nicht mal zu streifen (26.). Dieser wurde von Mats Hummels eine Minute darauf sicherlich unabsichtlich auf den ersten Blick schwer getroffen, schien sich dabei das Knie zu überdehnen, spielte aber weiter.

Die verbleibende Spielzeit wurde durch einige Wechsel zerrissen. Zweimal verhinderte Huth noch das dritte Gegentor: in der 33. Minute mit einem schnellen Reflex gegen einen von Martínez, der nicht rechtzeitig ausweichen konnte, abgefälschten Schuss von Sanches. Und in der 34. Minute am kurzen Pfosten gegen Kimmich. In den letzten Minuten drängten die 05er nochmal auf den Ausgleich, kamen ihm aber nicht mehr nahe.

Am Sonntag, 14 Uhr, spielen die Mainzer am Bruchweg zur Generalprobe gegen den FC Thun. Eine Woche später empfangen sie zum verspäteten Hinrundenabschluss in der Arena den 1. FC Köln.

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