Tuchel schweigt, Heidel sagt nix

Jörg Schneider. Mainz.
Das Tempo ist atemberaubend. Noch am Dienstagmorgen war Thomas Tuchel, der Ex-Erfolgstrainer des FSV Mainz 05, d e r Kandidat für die Nachfolge des am Vorabend beim Bundesligisten Hamburger SV gefeuerten Mirko Slomka. Am frühen Nachmittag behauptet ein Radiosender, Tuchel habe kein Interesse an diesem Job. Gesicherte Fakten dazu gibt es nach wie vor nicht. Diejenigen, auf die es in erster Linie ankommt, halten sich bedeckt. Sowohl der Fußballlehrer selbst als auch der FSV Mainz 05 wollen das Thema nicht kommentieren. Im Gespräch mit den Beteiligten ist allerdings herauszuhören, dass man die allgemeine Aufregung vielleicht doch nicht so ernst nehmen sollte.

Ex-05-Trainer Thomas Tuchel im Fokus der medialen Aufmerksamkeit. Foto: Eva Willwacher

Sven Christ: "Sehr amüsant"

Irgendjemand hatte auch den früheren Zweitligaprofi des FSV Mainz 05, Sven Christ, als Slomka-Nachfolger bei HSV ins Gespräch gebracht. Christ ist derzeit Trainer des FC Aarau. "Ich finde das sehr amüsant", sagte Christ der nullfünfMixedZone. "ich bin gerade mal seit drei Monaten in der Schweiz in der Superleague Trainer und werde schon mit dem HSV in Verbindung gebracht.Toll."

Beim Hamburger SV geht traditionell vieles aus der Vereins- und Personalpolitik gleich durch die Medien. Der Klub, in der vergangenen Saison um Haaresbreite am Bundesligaabstieg vorbeigeschlittert und nach drei Spielen nun schon wieder am Tabellenende angekommen, hat sich bekanntlich am Montagabend von seinem bisherigen Trainer Mirko Slomka getrennt. Parallel dazu drehte sofort der Name des vermeintlichen Nachfolgers die Medienrunde: Thomas Tuchel sei der Wunschkandidat hieß es allenthalben. Dietmar Beiersdorfer, der Vorstandsvorsitzende des Traditionsklubs, sollte sich bereits mit dem Ex-05-Coach getroffen haben, vermeldete beispielsweise  „SpiegelOnline“.

Kein Kommentar von Tuchels Sprecher

Am frühen Nachmittag gab’s dann das Kommando zurück. Der Radiosender „NDR 90,3“ behauptete Tuchel habe kein Interesse an einer Anstellung beim HSV, habe dem Verein bereits abgesagt. Der 41-Jährige plane anders. Eine gesicherte Äußerung des früheren Mainzer Erfolgstrainers dazu gibt es nicht. Tuchels Sprecher Felix Arns erklärte im Gespräch mit der nullfünfMixedZone, die ganze Geschichte habe eine dermaßen große Aufgeregtheit der Medien verursacht, die er nicht noch zusätzlich anheizen wolle. „Deshalb möchte und kann ich gar nichts zu diesem Thema sagen“, betonte Arns.

Tuchels Mediensprecher wollte allerdings ein paar Dinge gerade rücken, die in der Berichterstattung nicht immer korrekt wiedergeben worden seien. „Die rechtliche Situation von Thomas Tuchel ist doch klar“, sagt Arns. Der 41-Jährige hat einen gültigen Vertrag beim FSV Mainz 05 bis nächsten Sommer. „Wenn sich Thomas also mit irgendeinem Klub einigen sollte, dann ist das ja gut und schön. Doch der betreffende Verein hat dann zunächst Mainz 05 als Ansprechpartner und müsste mit den 05ern erst einmal eine Einigung erzielen.“ Und der 05-Manager, das ist ebenfalls bekannt, würde den Ex-Trainer nur gegen eine nicht gerade geringe Ablösesumme zu einem Konkurrenten wechseln lassen. Da sind die Rollen und die Reihenfolgen klar verteilt. Christian Heidel reagiert übrigens wie immer in solchen Situationen: Heidel lehnt es ebenfalls ab, sich dazu zu äußern.

Auch die vielerorts kolportierte Aussage, Tuchel stehe nicht zur Verfügung, weil der Trainer ein Jahr Pause einlege, sei nicht richtig, betont Felix Arns. „Das hat Thomas so nie gesagt.“ Tuchel ist nach seinem Rückzug am Bruchweg zwar bereit und darauf eigestellt, ein Jahr lang kein neues Engagement anzunehmen. Der 41-Jährige hat jedoch stets über seinen Sprecher erklären lassen, sollte ihm eine neue, wahnsinnig interessante Aufgabe angetragen werden, müsse er sich damit beschäftigen. Die Frage ist, ob der Schleudersitz in Hamburg eine solche interessante Geschichte wäre für Tuchel.

Manager Christian Heidel und Teammanager Axel Schuster beim Dienstag-Training der 05er: SMS-Verkehr mit Hamburg? Foto: Jörg SchneiderWer ihn kennt, weiß, dass der Trainer solche Dinge, die zuletzt beim HSV passierten, nie akzeptieren würde. Dass sich Vereinsverantwortliche oder Investoren ins operative Geschäft einmischen und Aufstellungsvarianten öffentlich diskutieren, wäre für diesen Trainer das Ausschlusskriterium schlechthin. Ein Engagement von Tuchel in Hamburg erscheint nicht nur deshalb unwahrscheinlich. Es war auch herauszuhören, dass man die allgemeine Aufregung vielleicht doch nicht ganz so ernst nehmen sollte.

U23-Coach mit 05-Vergangenheit

Klar ist jedoch, dass der Name Thomas Tuchel künftig in schöner Regelmäßigkeit in der Bundesliga ins Spiel kommen wird, sobald irgendwo ein Trainerstuhl wackelt. Beim FC Schalke 04, wo Jens Keller seit Jahr und Tag permanent medial als Auslaufmodell gehandelt wird, hört man den Namen des Ex-05-Trainers häufig. Dass Tuchel Anfang des Jahres dort mit den Verantwortlichen über einen Wechsel gesprochen hat, ist ja auch verbrieft. Die Wahrscheinlichkeit, dass der 41-Jähige im Falle eines Falles eher dort anheuern würde, ist sicherlich höher, als dass Tuchel sich dem HSV anschießen könnte. Aber auch darüber gibt es keine gesicherten Erkenntnisse.

Interessant an der HSV-Thematik ist übrigens auch, dass der U23-Coach, der als Interimstrainer gehandelt wird, ebenfalls eine Mainzer Vergangenheit hat. Josef Zinnbauer hat in der Saison 1995/96 insgesamt 17 Zweitligaeinsätze für die 05er bestritten. Zinnbauer, der mit dem HSV-Nachwuchsteam mit acht Siegen in acht Spielen die Tabelle der Regionalliga Nord anführt, sei am Dienstagmorgen zu einem Gespräch in Beiersdorfers Büro einbestellt worden, heißt es in Hamburg.

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