Über Europa in die Zukunft

Christian Karn. Mainz.
In diesen Tagen wird der FSV Mainz 05 110 Jahre alt. Zu diesem Anlass fasst die nullfünfMixedZone in einer sechsteiligen Serie die Vereinsgeschichte chronologisch zusammen. Im letzten Teil geht es heute um die elf Jahre seit dem Aufstieg in die Bundesliga, um Europapokalspiele und ein Pokal-Halbfinale, um den Ab- und Wiederaufstieg, um verschiedene Bundesligarekorde, um das Problem, Nachfolger für Erfolgstrainer zu finden, und um acht Jahre ohne Abstiegsplatz.
Saison Liga Platz Pkt.
2004/05 Bundesliga 11/18 43
2005/06 Bundesliga 11/18 38
2006/07 Bundesliga 16/18 34
2007/08 2. Bundesliga 4/18 58
2008/09 2. Bundesliga 2/18 63
2009/10 Bundesliga 9/18 47
2010/11 Bundesliga 5/18 58
2011/12 Bundesliga 13/18 39
2012/13 Bundesliga 13/18 42
2013/14 Bundesliga 7/18 53
2014/15 Bundesliga    

Im vierten Anlauf binnen sieben Jahren, im fünften insgesamt, stieg der FSV Mainz 05 2004 in die Bundesliga auf. Zunächst wurde das allgemein als Kuriosität aufgenommen. Fußballdeutschland gönnte den 05ern nach dieser tragischen Vorgeschichte von Herzen den Erfolg, ging aber gleichwohl davon aus, den ersten Absteiger zu kennen. Das ist nicht ungewöhnlich. Immer, wenn in der Bundesliga ein neues Gesicht auftaucht, gibt es diesen Reflex, häufig gibt es ihn zu Recht.

Das langjährige Gesicht der 05er beim Bundesligadebüt: Nikolce Noveski gegen Werder Bremen. Foto: imagoAuch im Fall Mainz fühlten sich die Pessimisten schnell bestätigt. Zwar staunte der VfB Stuttgart über die tausenden 05-Fans, die ihre Mannschaft zum ersten Auswärtsspiel begleiteten, sportlich hatten die Schwaben keine große Mühe, 4:2 zu gewinnen. Im ersten 05-Heimspiel führte der Hamburger SV zur Halbzeit nicht unverdient 1:0. Aber mit 135 Minuten Verspätung fingen auch die 05er an, Bundesligafußball zu spielen. Toni da Silva traf zweimal zum 2:1-Sieg, dem sich am Bruchweg weitere Erfolge anschlossen: 2:0 gegen Leverkusen, 1:1 gegen Dortmund, 2:1 durch Benjamin Auers Tor in der Schlussminute gegen den Deutschen Meister Werder Bremen. 

Vier Neuzugänge hatten die 05er nur geholt für die Bundesliga. Die Stürmer Conor Casey - sein Siegtor für den Karlsruher SC gegen Alemannia Aachen am letzten Spieltag der vorherigen Saison hatte den Mainzern die Tür zur Bundesliga geöffnet - und Ranisav Jovanovic waren letztlich Fehlgriffe. Der junge Linksverteidiger Benjamin Weigelt setzte sich kurzzeitig durch, aber nicht langfristig; mit 21 spielte Weigelt in der Bundesliga, mit 25 schon nur noch drittklassig, mit 26 in der Regionalliga. Rechtzeitig zum Spiel gegen Bremen räumte sich der Vierte, der bis dahin keine Sekunde gespielt hatte, brachial den Weg in die Startelf frei: Bei einem Trainingszweikampf brach der mazedonische Innenverteidiger Nikolce Noveski seinem Kollegen Tamás Bódog den Schädel. Jovanovic, Casey und Weigelt sind längst verschwunden. Noveski war bis zum vergangenen Sommer Stammspieler bei den 05ern und ist heute noch de iure Mainzer Mannschaftskapitän.

Wer dabei war, hat wohl heute noch den Jubiläumsroar zu Fabian Gerbers Jubiläumstor im Ohr. Foto: imagoAm elften Spieltag führten die 05er sogar eine gute halbe Stunde lang die Bundesliga-Blitztabelle an. Diese Partie beim VfL Wolfsburg markiert den Wendepunkt der Saison: Mimoun Azaouagh und Mathias Abel verletzten sich schwer, Wolfsburgs Außenstürmer Martin Petrow drehte mit vier Toren den 0:2-Rückstand, die 05er gewannen nur noch eins der folgenden zwölf Spiele.

Auf einem Abstiegsplatz landeten sie allerdings nie. Ein 5:0 gegen den SC Freiburg beendete die Serie; sein erstes Bundesligator schoss Michael Thurk, der in Cottbus nach einer schweren Verletzung kreuzunglücklich war, im Winter heimkommen durfte und seine Ablöse teils selbst zahlte. Pünktlich zum 100. Jubiläum schlugen die 05er den Tabellenführer Schalke 04 2:1, mitten in die große Jubiläumschoreo hinein fiel nach zwanzig Sekunden Fabian Gerbers Führungstor. Das überragende 6:2 beim VfL Bochum, der in seinem Stadionheft in einem Cartoon seinen eigenen 6:2-Sieg angekündigt hatte, stellte den Mainzer Klassenverbleib schon am 31. Spieltag so gut wie sicher. Am Ende gab es eine besondere Belohnung für Mainz 05: Der Bundesliga wurde über die Fair-Play-Wertung ein Startplatz im Europapokal zugelost und die 05er durch einen komplizierten Punkteschlüssel, der auch solche Dinge wie das Verhalten des Publikums berücksichtigte, als fairster, angenehmster und lustigster Bundesligist ehrenhalber in die weite Welt geschickt.

So lernten die Mainzer die Hitze Armeniens kennen (4:0 in Frankfurt - der Bruchweg erfüllte die UEFA-Bedingungen nicht -, 0:0 in Eriwan gegen MIKA Aschtarak), so lernten sie die Sommerfrische Islands kennen (2:0 in Frankfurt und in Reykjavík gegen ÍB Keflavík), so lernten sie die Metropole Andalusiens kennen (0:0 beim späteren UEFA-Pokalsieger FC Sevilla, 0:2 in Frankfurt). Ihre zweite Bundesligasaison litt unter den Ausflügen an die entferntesten Enden des Kontinents: Erst am sechsten Spieltag gab es die ersten Punkte: Ein 2:0 beim 1. FC Kaiserslautern, den ersten Mainzer Sieg auf dem Betzenberg.

Vier wichtige 05er: Von links Petr Ruman, Leon Andreasen, Mohamed Zidan und Elkin Soto.Diesmal verstärkt mit dem Fürther Offensivarbeiter Petr Ruman, dem ehrlichen Treter Milorad Pekovic im Mittelfeld und dem verrückten Ägypter Mohamed Zidan vor dem gegnerischen Tor stiegen die 05er auch in diesem Jahr nicht ab. Zwar verfrachteten sie zum Endspiel beim MSV Duisburg die halbe Stadt ins Ruhrgebiet, aber dank des Spielplans war das gar nicht mehr nötig: Der Vorsprung auf den FCK und den VfL Wolfsburg war zwar gering, aber beide hätten an den 05ern vorbeiziehen müssen, um diese in die 2. Liga zu stoßen, und da sie gegeneinander spielten, hätte das höchstens einer schaffen können. Dank ihres eigenen 0:0 wurden die 05er wie im Vorjahr Elfter.

Vor dem dritten Bundesligajahr fiel jedoch die Mannschaft auseinander. Zidan war nur ausgeliehen und musste zurück zu Werder Bremen, Mathias Abel und Toni da Silva wurden von größeren Klubs weggekauft, Michael Thurk überwarf sich mit Jürgen Klopp und mobbte sich aus seinem Vertrag. Im festen Glauben, Andrey Voronin zurückzuholen, schickten die 05er außerdem Benjamin Auer weg, aber der Transfer des ehemaligen Zweitligahelden platzte. Auf einmal standen die 05er ohne Angriff da. Unter den vielen Neuzugängen waren Chadli Amri und Markus Feulner noch am ehesten Lichtblicke, dass aber nach dem 5:0 gegen den FC Liverpool in der Generalprobe und dem 2:1-Auftaktsieg gegen den VfL Bochum erst im Rückspiel gegen den VfL der zweite Saisonsieg gelang, war kein Zufall. Mainz 05 hatte als Tabellenletzter überwintert, mit sechs Punkten Rückstand.

Mit einem finanziellen Kraftakt, der sich über mehrere Wochen zog, holte Christian Heidel im Winter Mohamed Zidan zurück, außerdem kamen dessen Bremer Kollege Leon Andreasen und der in Europa völlig unbekannte kolumbianische Mittelfeldspieler Elkin Soto. Drei Volltreffer: Zidan schoss 13 Rückrundentore, Andreasen brachte Ordnung ins Mittelfeldzentrum. Und hätte Soto nicht nach einem Innenbandriss den kompletten März und den halben April verpasst, hätten die Mainzer wohl auch diesen Abstiegskampf bestehen können. Die ersten drei Spiele des damals noch offensiv eingesetzten Technikers hatten die 05er auf beeindruckende Weise gewonnen. Von den sechs Spielen ohne Soto verloren sie fünf, die sie vom zehnten Platz wieder in die Abstiegszone fallen ließen.

Drei Volltreffer für die 2. Bundesliga: Am Ball Félix Borja, mit ihm in der Luft Tim Hoogland, im Hintergrund Miroslav Karhan. Foto; imago

Nach dem Abstieg gelang es den 05ern, die Mannschaft weitgehend zusammenzuhalten. Nur drei Stammspieler gingen: Andreasen, der nur ausgeliehen war, sowie Friedrich und Zidan, die sehr viel Geld brachten. Der Trainer wurde nicht in Frage gestellt und die Neuzugänge waren allesamt Volltreffer: Freistoßspezialist Daniel Gunkel und der slowakische Rekordnationalspieler Miroslav Karhan fürs zentrale Mittelfeld, der Offensivverteidiger Tim Hoogland und das überragende Innenverteidigertalent Neven Subotic sowie der Torjäger Félix Borja setzten sich sofort durch, der erfahrene Innenverteidiger Bo Svensson und der serbische Torschützenkönig Srdjan Baljak nach einiger Zeit auch. Trotz erheblicher Verletzungsprobleme - zeitweise fehlten sieben Stammspieler gleichzeitig - standen die 05er immer in der Spitzengruppe der 2. Bundesliga. Die mysteriöse Niederlage beim 1. FC Köln am vorletzten Spieltag gab schließlich den Ausschlag gegen den Wiederaufstieg. Jürgen Klopp verabschiedete sich nach im Sommer nach 18 Jahren beim FSV Mainz 05 und wurde Erfolgstrainer bei Borussia Dortmund.

Klopps Nachfolger spielte eine nicht minder mysteriöse Rolle. Jörn Andersen, der gerade mit den Offenbacher Kickers aus der 2. Bundesliga abgestiegen war, führte die 05er zunächst einmal zur erfolgreichsten Saison ihrer Geschichte. Mit nur 27 Heimpunkten, aber einer Auswärtsbilanz von elf Siegen und drei Unentschieden, der zweitbesten Auswärts-Ausbeute, die es je im deutschen Profifußball gegeben hatte, führte der Norweger die 05er in die Bundesliga zurück. Das entscheidende Spiel war der erste Mainzer Auswärtssieg in Fürth am vorletzten Spieltag. Gleichzeitig warf Andersens Mannschaft den SV Babelsberg 03, den 1. FC Köln, den SC Freiburg und Schalke 04 aus dem DFB-Pokal - erstmals spielten die Mainzer im Halbfinale. Und Bayer Leverkusen brauchte die Verlängerung, um den Zweitligisten mit 4:1 etwas zu deutlich zu schlagen. Der junge Innenverteidiger Niko Bungert und der riesige afrikanische Mittelstürmer Aristide Bancé, die Andersen aus Offenbach mitgebracht hatte, waren große Verstärkungen für die Mannschaft, die als einzigen Stammspieler ihr Toptalent Subotic verloren hatte; sie hatten den Serben Borussia Dortmund förmlich aufgedrängt, weil sie ihn der neureichen TSG Hoffenheim nicht gönnen wollten.

Kalle Rummenigge und Uli Hoeneß inmitten jubelnder Mainzer - nach drei Jahren hatte Thomas Tuchel mit drei Siegen, einem Remis und zwei Niederlagen als einziger Bundesligatrainer eine positive Bilanz gegen die Bayern. Foto: imago

Und trotzdem musste Andersen im Sommer gehen - nicht in der Urlaubszeit, sondern in den wenigen Tagen zwischen dem missglückten Pokal-Erstrundenspiel in Lübeck und dem Bundesligastart. Die Begründungen waren immer etwas schwammig, aber es ist anzunehmen, dass Andersen nicht gelungen wäre, was seinem Nachfolger Thomas Tuchel gelang. Der hatte gerade erst mit den Mainzer A-Junioren das Endspiel um die Deutsche Meisterschaft gewonnen; in seinem Team spielten Jan Kirchhoff und André Schürrle, beim Finalgegner Borussia Dortmund unter anderem Mario Götze, Daniel Ginczek, Tolgay Arslan und Lasse Sobiech. Die Bundesligakarriere des großen Taktikers begann mit einem 2:2 gegen Bayer Leverkusen. Am vierten Spieltag verloren die 05er 0:2 in Mönchengladbach und waren nur Elfter - ihre schlechteste Platzierung in den ersten beiden Jahren nach dem Aufstieg. Ein entscheidender Mann in der ersten Saisonphase war der prominente Neuzugang Andreas Ivanschitz, der lange die Scorertabelle der Bundesliga anführte.

Tuchels zweite Saison ragt bis heute aus der Mainzer Vereinshistorie heraus. Mit dem wuchtigen linken Offensivverteidiger Christian Fuchs, den Stürmern Ádám Szalai, Sami Allagui und André Schürrle und dem exzentrischen Spielmachertalent Lewis Holtby stellten die 05er den Bundesliga-Startrekord ein.

Eins der größten Spiele der Tuchel-Jahre ist fast vorbei: Mainz 05 hat in Wolfsburg einen 0:3-Rückstand zu einer 4:3-Führung gedreht und muss nur noch wenige Minuten überstehen. Foto: imago

Los ging es mit einem 2:0 gegen den VfB Stuttgart, nichts Besonderes eigentlich, immerhin der erste Mainzer Bundesligasieg gegen die Schwaben. Das 4:3 in Wolfsburg sieht nur vordergründig normal aus; dass die 05er beim VfL viele Tore schossen, war nichts Neues, aber erstmals seit 19 Jahren gewann eine Bundesligamannschaft ein Auswärtsspiel nach 0:3-Rückstand. Der heute fast vergessene Däne Morten Rasmussen hatte noch vor der Halbzeit das 1:3 geschossen, Soto bald das 2:3. Schürrle glich nach einer knappen Stunde aus, aber das reichte Tuchel nicht. Der Trainer wollte gewinnen, machte die Mannschaft mit einem taktischen Kunstgriff noch offensiver und bekam Szalais Siegtor. Den FCK schlugen die 05er 2:1, Werder Bremen zu Beginn einer Englischen Woche mit einer völlig neuen Aufstellung 2:0, den 1. FC Köln drei Tage später mit der gewohnten Elf ebenfalls. Sami Allaguis Tor des Monats und Szalais kaum weniger spektakuläres Tor veredelten eine taktische Meisterleistung bei den Bayern zum 2:1-Auswärtssieg. Das 4:2 gegen die TSG Hoffenheim war der siebte Sieg im siebten Saisonspiel. Das hatten vorher nur Bayern München und der FCK geschafft - beide mit besserer Tordifferenz. Die erste Niederlage - 0:1 gegen den HSV - beantworteten die 05er kurzerhand mit einem 1:0 in Leverkusen. Zwar ging nun der Schwung verloren, zwar holten die 05er aus den folgenden neun Heimspielen nur noch fünf Punkte, zwar vermissten sie bald Szalai, der nach einem brutalen Foul in Kaiserslautern fast ein Jahr fehlte, aber dank der Startserie und dank ihrer Auswärtsstärke waren sie der einzige Bundesligist jener Saison, der an jedem Spieltag auf einem Europapokalplatz stand. Mit einem 3:1 auf Schalke qualifizierten sich die Mainzer schon am vorletzten Spieltag zum ersten Mal sportlich für die internationalen Spiele. Eine Woche später konnten sie sich mit einem allerdings recht mühsamen 2:1 gegen den FC St. Pauli vom altehrwürdigen Stadion am Bruchweg verabschieden, in dem seither nur noch die Nachwuchsmannschaften ihre Ligaspiele austrugen: Die Profis zogen in der Sommerpause in die neue Coface Arena um.

Eine der größten Zäsuren der jüngeren Vereinsgeschichte war der Neubau der Coface Arena, die 2011 eröffnet wurde. Foto: imagoEiner der düstersten Momente der jüngeren 05-Geschichte: Das Auswärtsspiel in Köln musste 2011 nach dem Selbstmordversuch des Schiedsrichters Babak Rafati kurzfristig abgesagt werden. Foto: imago

Zuvor wurde ihnen wieder die Erfolgsmannschaft weggekauft: Ohne Schürrle, Holtby, Fuchs und den weiterhin verletzten Szalai brauchten sie lange, um im neuen Stadion aus dem restlichen Kader und aus den Neuzugänge Anthony Ujah, Julian Baumgartlinger, Maxim Choupo-Moting, Yunus Malli, Nicolai Müller, Zdenek Pospech, Fabian Schönheim und Zoltán Stieber eine neue eingespielte Mannschaft zu formen. Gegen den rumänischen Pokalsieger Gaz Metan Medias waren die 05er hoch überlegen, aber 44:4 Torschüsse in der Addition beider Spiele brachten nur zwei 1:1 und das Aus im Elfmeterschießen. Die Bundesligasaison lief ähnlich: Die 05er gewannen zwar die ersten beiden Spiele gegen Leverkusen und in Freiburg und waren schon wieder Tabellenführer, mussten dann aber bis zum zwölften, 14. und 19. Spieltag auf den dritten, vierten und fünften Sieg warten. Die Abstiegsplätze kamen bedenklich nahe, aber wieder dank Zidan, der im Winter zum dritten Mal nach Mainz kam, verabschiedeten sich die 05er recht souverän aus dem Abstiegskampf. Der Ägypter stellte nebenbei noch einen Rekord auf: Zidan schoss in seinen ersten sechs Spielen jeweils ein Tor, was in der ganzen Bundesliga noch nie ein Winter-Neuzugang geschafft hatte.

Fast nicht verstärkt, aber (bis auf Zidan, mit dessen Kindereien Tuchel schon gegen Ende der Rückrunde nicht viel anfangen konnte) auch ohne große Verluste im Kader, gingen die 05er die Saison 2012/13 an: Hertha BSC zog Minuten vor Transferschluss die Freigabe für den kolumbianischen Stürmer Adrian Ramos zurück, so dass der Costaricaner Junior Diaz der einzige Neuzugang war der auch regelmäßig spielte. Es wurde eine der Saisons, die schnell vergessen werden. Aufsehenerregend waren eigentlich nur das Startelfdebüt des Nachwuchsspielers Shawn Parker, der beim ersten 05-Sieg bei Eintracht Frankfurt das 1:0 vorbereitete und das 2:0 schoss, das 3:0 gegen Hoffenheim, bei dem Szalai als zweiter 05er neben Zidan sechs Jahre zuvor (und als erster Ungar) drei Tore in einem einzigen Bundesligaspiel schoss, und das 1:1 gegen Werder Bremen mit einem kuriosen Rekord: Szalais Führungstor nach zwölf Sekunden ist das schnellste Bundesligator nach gegnerischem Anstoß.

...und den Südkoreanern Joo-Ho Park und Ja-Cheol Koo. Fotos: imago

2013 wurde Mainz 05 asiatisch mit dem Japaner Shinji Okazaki...Wir nähern uns nun der Gegenwart. Die Saison 2013/14 mit der schwachen Hin- und der starken Rückrunde ist den meisten 05ern noch gut im Gedächtnis. Stefan Bell und Loris Karius setzten sich im Laufe des Jahres als Stammspieler durch, Zdenek Pospech spielte im hohen Fußballeralter von 34 Jahren mit neun Torvorlagen die Saison seines Lebens. Shinji Okazaki, Johannes Geis, Joo-Ho Park und Christoph Moritz waren klare Verstärkungen, der Mainzer Rekordtransfer Ja-Cheol Koo noch nicht ganz, Sebastian Polter und Daniel Schahin überhaupt nicht. Julian Baumgartlinger und Niko Bungert waren lange verletzt, Elkin Soto verlor seinen Stammplatz. Zuhause spielten die 05er neunmal zu Null, was in Kombination mit sechs Auswärtssiegen reichte, um als Siebter schon wieder in den Europapokal zu kommen. Und kaum einer wusste, dass schon seit Winter mehr oder weniger feststand, dass Thomas Tuchel im Sommer ausscheiden würde.

Tuchels Nachfolger Kasper Hjulmand scheiterte wohl letztlich an sich selbst, aber auf einem Abstiegsplatz standen die 05er weiterhin seit Sommer 2007 kein einziges Mal. Und mindestens kurzfristig wird sich das auch unter dem aktuellen Trainer Martin Schmidt nicht ändern. Der bereitet seine Mannschaft in diesen Tagen auf das Spiel zum 110. Jubiläum der 05er vor: Am Sonntag wird gegen den VfL Wolfsburg die lange Vereinsgeschichte weitergeschrieben.

Vor einer Woche feierten die 05er in Augsburg Martin Schmidts ersten großen Beitrag zur 05-Historie: ihren 100. Bundesligasieg. Foto: imago