Überhaupt nicht vergleichbar

Jörg Schneider. Mainz.
Das vorzeitige Ende der Zusammenarbeit von Jürgen Klopp und Borussia Dortmund war das beherrschende Sport-Thema in dieser Woche. Die 05-Legende hört mit Abschluss dieser Saison auf beim BVB. So, wie der andere ehemalige 05-Trainer, Thomas Tuchel, dies vor einem Jahr in Mainz tat. Trotz gewisser Parallelen haben diese beiden Trainerrücktritte für Christian Heidel aber keine Gemeinsamkeiten. „Bei uns, das war eine ganz andere Ausgangslage“, sagt der Manager des FSV Mainz 05. „Ich weiß, dass Jürgen Klopp mit keinem anderen Verein geredet hat. Seine Entscheidung ist nicht davon abhängig, was er in Zukunft macht."

Die vorzeitigen Rücktritte von Jürgen Klopp in Dortmund und Thomas Tuchel vor einem Jahr in Mainz sind für 05-Manager Christian Heidel nicht vergleichbar. Foto: Jörg Schneider Die Parallelen sind auffällig, doch für Christian Heidel haben die vorzeitigen Rücktritte von Jürgen Klopp bei Borussia Dortmund und Thomas Tuchel beim FSV Mainz 05 keine Gemeinsamkeiten. „Die Situation heute in Dortmund ist mit der bei uns vor einem Jahr überhaupt nicht vergleichbar“, sagt der 05-Manager. Klopp und der BVB hatten am Dienstag verkündet, dass die erfolgreiche Zusammenarbeit am Saisonende nach sieben Jahren vorzeitig endet. Der Trainer bat um Auflösung seines bis 2018 laufenden Vertrages. Der Klub stimmte zu. Tuchel hatte am letzten Spieltag der vergangenen Runde seinen vorzeitigen Rücktritt erklärt und um Vertragsauflösung gebeten. Die 05-Führung hatte diesem Wunsch nicht entsprochen. Seitdem ist Tuchel im temporären Ruhestand, aber noch bis zum Vertragsende am 30. Juni an den Verein gebunden.   

„Bei uns, das war eine ganz andere Ausgangslage“, sagt Heidel. „Ich weiß, dass Jürgen Klopp mit keinem anderen Verein geredet hat. Seine Entscheidung ist nicht davon abhängig, was er in Zukunft macht." Die Geschichte zwischen Mainz 05 und Tuchel sei eine ganz andere gewesen. Tuchel, das ist bekannt, hatte bereits im Winter am Bruchweg abspringen wollen, hatte mit dem FC Schalke 04 und später mit Bayer Leverkusen konkrete Verhandlungen geführt. Heidel hatte sich bis zum Saisonende bemüht, den Coach zur Erfüllung seines Vertrages zu bewegen und war dann am letzten Spieltag vom 41-Jährigen vor vollendete Tatsachen gestellt worden.

„Wir konnten nicht reagieren“, sagt Heidel. „Der BVB hat nun die Möglichkeit, auf diese Entscheidung zu reagieren.“ Die Geschichte sei schon alleine deshalb nicht vergleichbar, weil sich in Dortmund nun zwei Partner geeinigt und eine Trennung beschlossen hätten. Das hätte sicher anders ausgesehen, wenn Klopp zuvor mit Schalke 04 verhandelt hätte, sagte der 05-Manager. Die Lage wäre nur dann vergleichbar mit der vor einem Jahr gewesen, wenn der BVB Klopps Rücktritt abgelehnt, weil das den Klub in Gefahr gebracht hätte, der BVB-Trainer aber trotzdem gegangen wäre.

Für den 05-Manager, den bekanntermaßen eine tiefe Freundschaft mit Jürgen Klopp verbindet, kam dessen Entscheidung dennoch nicht so ganz überraschend, wie er sagt. Heidel legt jedoch Wert auf die Feststellung, er habe nie mit seinem Freund über dessen Entscheidung gesprochen. „Aber ich konnte mir gut vorstellen, dass er so denkt, wie er es gesagt hat. Kloppo ist einer, der sich sehr, sehr hinterfragt. Er sieht seine Mannschaft und die Ergebnisse. Und überlegt immer, ob es an ihm selbst liegen könnte.“

Heidel hat dies erlebt in der langen Zusammenarbeit mit der 05-Legende. Im November 2006, nach einer 0:4-Niederlage auf Schalke und etlichen schlechten Spielen zuvor. „Kloppo sagte zu mir, ich müsse einen anderen Trainer nehmen. Wir würden mit ihm nicht mehr gewinnen.“ Damals sei es ihm gelungen, Klopp umzustimmen. „Ich habe ihm gesagt: Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass du der Richtige bist für die laufende Saison und für die neue Saison", erinnert sich der 05-Manager. Die Mannschaft stieg am Ende dennoch ab und verpasste in der folgenden Runde mit Klopp hauchdünn den Wiederaufstieg. Der Trainer ging nach Dortmund und schrieb eine Erfolgsgeschichte. Die 05er holten Jörn Andersen, stiegen in die Bundesliga auf und feuerten den Coach. Thomas Tuchel übernahm und verfasste fünf Jahre lang die Mainzer Erfolgsstory.

An den permanenten Spekulationen, wo der Ex-05-Trainer nach dem 30. Juni einen Arbeitsplatz besetzt, beteiligt sich Heidel nicht. „Ich und wir als Verein haben uns da bisher komplett rausgehalten. Ich mache mir meinen Reim darauf, aber es steht mir nicht zu, das Ganze zu kommentieren“, sagt der 05-Manager.

Nur eine Aussage von Tuchels Berater habe ihn irritiert. Olaf Meinking, so Heidel, habe erklärt, Thomas Tuchel fange nicht beim Hamburger SV an, weil der 41-Jährige definitiv ein Jahr Auszeit nehme. „Thomas hat nie gesagt, dass er ein Jahr Auszeit nimmt. Er hat damals im Mai gesagt, er werde jetzt kein Engagement annehmen. Aber wenn er sich doch für etwas entscheide, dann werde der betreffende Klub zuerst an uns herantreten und fragen, ob eine Freigabe möglich ist. Bisher ist niemand gekommen.“

Und auch Jürgen Klopp werde nicht kommen, verkündete Heidel höchst amüsiert. Er habe laut lachen müssen, als ihm dieser Tage von einem TV-Sender die Frage gestellt worden sei, ob Klopp nun zu Mainz 05 zurückkehre.

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