Überraschender Neuzugang: Todor Nedelew

Jörg Schneider. Albertville.
Der FSV Mainz 05 hat seine erste schwere Prüfung im Trainingslager in Frankreich bestanden. Beim 1:1 vor rund 4000 Zuschauern im Stade Olympique von Albertville zeigte die Mannschaft von Martin Schmidt eine ordentliche bis gute Leistung trotz müder Beine. Da beginnen Strukturen und Stärken erkennbar zu werden und auch personell gibt es überraschende Entwicklungen. Zum Beispiel bei Todor Nedelew. Der Bulgare zeigte eine Vorstellung, wie man sie von dem Sorgenkind der 05er in Mainz so noch nie gesehen hat.

Schwerstarbeit in der Anfangsphase gegen AS St. Etienne, doch dann passte es schon gut bei Niko Bungert (links) und den 05ern. Foto: ImagoSie waren todmüde und völlig ausgepumpt. Die Profis des FSV Mainz 05 schleppten sich vom Platz, nach Abkühlung und Schatten lechzend. Das war eine echte Prüfung zum Abschluss ihrer dritten Woche der Vorbereitung und am dritten des bis jetzt so anstrengenden Trainingslagers. Ein Härtetest nach intensiver Konditions- und Stabilitätsarbeit im Kader. Doch der kräftezehrende Auftritt in diesem ersten Testspiel in Frankreich gegen einen internationalen Gegner hat sich gelohnt. Die Arbeit scheint Früchte zu tragen. Das 1:1 vor rund 4000 Zuschauern im Stade Olympique von Albertville gegen die AS St. Etienne versetzte Trainer und Mannschaft in einen gewissen, noch zurückhaltenden, aber spürbaren Grad der Zufriedenheit.

Das Team von Martin Schmidt zeigte gegen den letztjährigen Fünften der französischen Meisterschaft eine sehr ordentliche Vorstellung. Nach einigen Anfangsproblemen jeweils zu Beginn der Halbzeiten, waren deutliche Strukturen und Spielprinzipien erkennbar. Insgesamt mehr als beim Gegner, der immerhin kurz vor seinem Einstieg in die Europaliga-Qualifikation steht.

„Das war ein Super-Testlauf, um reinzukommen“, sagte der 05-Trainer nachher gut gelaunt. „Jetzt geht es für uns so richtig los, jetzt sind wir richtig drin im Fußball.“ Nach den bisherigen Freundschaftsspielen gegen durchweg unterklassige Gegner haben die 05-Profis die Aufgabe gegen ein gleichwertiges Team gut gelöst und sich das nötige Wettkampfgefühl geholt. „Jeder weiß jetzt wieder, wie sich intensiver Fußball anfühlt.“ Eine Viertelstunde benötigten die Mainzer zum Umschalten vom Trainingsbetrieb aufs Spiel. In dieser Phase stimmten einige Defensivabläufe nicht, die Mainzer produzierten Fehlpässe direkt in den Lauf der Gegnerspieler, hatten wenig Zugriff. Da zeigte sich dann doch, dass die Franzosen in ihrer Teamentwicklung ein Stück weiter waren. Deren Umschaltaktionen mit Pässen über die Flügel brachten Gefahr. St. Etienne hätte durchaus führen können, doch die 05er brauchten nicht lange, um sich zu ordnen, das Geschehen zu kontrollieren und selbst offensiv initiativ zu werden. „Da waren dann beide Teams auf demselben Müdigkeitsstand. Dafür hat es bei uns gut ausgesehen mit schweren Beinen“, sagte der Schweizer.

Mit der ersten Hälfte sehr zufrieden

Sein Team habe begonnen besser zu verteidigen, Abstimmung zu finden. „Wir sind in dieser starken Phase in Führung gegangen und hatten vier gute Umschaltchancen. Ich bin mit dieser ersten Hälfte sehr zufrieden“, betonte der 48-Jährige. Interessant zu sehen, wie sich Dany Latza im zentralen Mittelfeld nach anfänglichen Problemen in die Partie biss, Defensivzweikämpfe führte und sich zunehmend besser orientierte neben Fabian Frei, der was die Zweikampfführung auf der sechs anging, etwas verhaltend agierte und offenbar aufgrund einer gewissen Müdigkeit vieles mit Routine regelte.

Wirkt wie ein Neuzugang: Todor Nedelew (am Ball) in Evian. Foto: Daniel Bongartz

Auffallend auch die neue Präsenz, mit der sich zum Beispiel Christian Clemens vorstellte. Der Flügelspieler, der in Mainz bisher viel mit Verletzungen zu tun hatte, wirkte fit und in guter Verfassung, bereit sich aufzudrängen. Der Treffer zur 1:0-Führung dürfte in diesem Prozess unterstützend wirken. Auch für Jairo, der an der Entstehung beteiligt war, ebenfalls körperlicher wirkte als in der vergangenen Saison.

Schmidt tauschte in der Pause einen großen Teil der veritablen Startelf aus. „Die neuen Spieler brauchten dann ebenfalls 15 Minuten, bis sie den Rhythmus gefunden hatten, bis sie das Feuer des Spiels spürten“, sagte der 05-Trainer, der eigentlich nur bemängelte, dass sein Team die Chancen nicht zum Sieg genutzt hatte. „Wir hätten diese Partie entscheiden können. Das haben wir unterlassen und dann noch dazu ein dummes Gegentor kassiert.“ Die Mannschaft habe das Ziel, zu Null zu spielen, nicht erreicht, doch das mache den Test nicht schlechter. „Man muss ja auch sehen, dass wir da nachher mit einer Innenverteidigung gespielt haben, die es so wahrscheinlich nie wieder geben wird, aber sie haben gekämpft“, so Schmidt. Der lange verletzte Christoph Moritz und Alexander Hack vom Drittligateam hatten gegen die am Ende viel Qualität nachwechselnden Franzosen einen schweren Stand. „Wenn man das Ganze heute unter der Prämisse sieht, dass wir die dritte, schwere Trainingswoche und viel Belastung in den Beinen hatten, kann man auch dahinter einen Haken machen“, erklärte der Coach.

Die große und eigentliche Überraschung in diesem Testspiel gegen den AS St. Etienne war Todor Nedelew. Der Bulgare, der bisher (auch wegen Verletzungen) in Mainz nie vernünftig in Tritt gekommen ist und den viele abgeschrieben haben, zeigte eine beeindruckende Vorstellung als Umschalt-Zehner in der zweiten Hälfte. Leichtfüßig, mit völlig neuer Körpersprache, mit schnellem ideenreichen Spiel, mit schönen Pässen und Aktionen, oft zurückfallend bis an die Mittellinie, jeden Ball fordernd und dann die Offensive einleitend, gehörte der 22-Jährige zu den auffälligsten Akteuren auf dem Platz.

„Todor ist jetzt seit Monaten erstmals annähernd fit. Und schon sieht man, was er kann“, sagte Schmidt. „Er kann im Höchsttempo hinter den Spitzen spielen, dafür bringt er alles mit. Ich bin mal gespannt wie das in drei Wochen aussieht, wenn die Frische da ist“, erklärte der 05-Coach. „Todor ist für uns wie ein Neuzugang. Wenn wir den jetzt geholt hätten würden wir sagen, der muss nur noch richtig fit werden, dann kann er was und kann top werden. Heute hat man gesehen, warum er geholt worden ist."

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