Uli Stielike trainiert Park und Koo

Christian Karn. Mainz.
Die beiden Südkoreaner im Kader des FSV Mainz 05 haben einen neuen Nationaltrainer. Uli Stielike, einst einer der erfolgreichsten deutschen Auslandsprofis, später kurzzeitig Co-Trainer der deutschen Nationalelf, ist der Nachfolger von Myung-Bo Hong, der nach der für die "Taeguk Warriors" enttäuschenden Weltmeisterschaft zurückgetreten ist.

Uli Stielike

Uli Stielike war in den 1970ern und 1980ern einer der erfolgreichsten deutschen Auslandsprofis. Bei seinem ersten Profiklub Borussia Mönchengladbach und anschließend bei Real Madrid wurde der Mittelfeldspieler und Libero sechsmal hintereinander deutscher oder spanischer Meister. Von 1978 bis 1982 war er Nachfolger des großen Johan Cruijff als bester Ausländer der Primera División. 1980 wurde er Europameister, 1982 im Bernabéu, seinem Heimstadion, Vizeweltmeister. An gleicher Stelle gewann Stielike 1985 zum Abschluss seiner acht spanischen Jahre den UEFA-Pokal. In der Bundesliga war der grimmige Kurpfälzer ein hochtalentierter lauf- und kampfstarker defensiver Mittelfeldspieler, der zwangsläufig bald auf der Liberoposition landete. Dass er, obwohl er kein typischer Starspieler war, in Spanien einen überragenden Ruf hatte, lag an seinen gefährlichen Freistößen, seiner Ausstrahlung und Konsequenz. In der deutschen Nationalmannschaft war Stielike nach einigen gescheiterten Kollegen der erste konstante Beckenbauer-Nachfolger.

Stielikes Karriere: SpVgg Ketsch (1960-72), Borussia Mönchengladbach (1972-77), Real Madrid (1977-85), Neuchâtel Xamax (1985-88), Trainer: Schweiz (1989-91), Neuchâtel Xamax (1992-94), Waldhof Mannheim (1994/95), UD Almería (1996), DFB (Co-Trainer 1998-00, Team 2006 2001-03, U21 2003/04, U19 2004/05, U20 2005/06), Elfenbeinküste (2006-08), FC Sion (2008), al-Arabi SC (2008-10), al-Sailiya SC (2010-12), al-Arabi SC (2012-14), Südkorea (ab 2014).

Die 05er Ja-Cheol Koo (links) und Joo-Ho Park (rechts) sowie Lee Chung-yong von den Bolton Wanderers haben einen neuen Nationaltrainer... Foto: Jörg SchneiderDer neue Trainer der südkoreanischen Nationalmannschaft ist ein Kurpfälzer: Der 59-jährige Uli Stielike ist künftig für die "Taeguk Warriors" verantwortlich, damit auch für zwei Profis des FSV Mainz 05. Ja-Cheol Koo wird beim heutigen Freundschaftsspiel Südkoreas gegen Venezuela wohl wieder als Kapitän auflaufen; Joo-Ho Park ist noch verletzt.

Für Stielike, als Libero der deutschen Nationalmannschaft Europameister 1980, ist es bereits die vierte Trainerstation außerhalb Europas. Der Ex-Profi von Borussia Mönchengladbach, Real Madrid und Neuchâtel Xamax arbeitete bereits als Nationaltrainer der Elfenbeinküste (2006-08) sowie für die Klubs al-Arabi SC (2008-10, 2013-14) und al-Sailiya SC (2010-12) in Doha, der Hauptstadt Katars. Des Weiteren war Stielike bereits Nationaltrainer der Schweiz (1989-91) und deutscher Jugendnationalteams (2000-06) sowie Co-Trainer der A-Nationalelf des DFB unter Erich Ribbeck (1998-00).

Uli Stielike. Foto: Vinod Divakaran/CC BY 2.0

Stielike ist der Nachfolger von Myung-Bo Hong. Der Rekordnationalspieler Südkoreas (136 Länderspiele, vier WM-Teilnahmen als Spieler, eine als Trainer) ist nach der Weltmeisterschaft in Brasilien zurückgetreten. Diese hatten die Ostasiaten auf dem 27. Platz beendet; in ihrer Gruppe waren sie nach einem 1:1 gegen Russland, einem 2:4 gegen Algerien und einem 0:1 gegen Belgien Tabellenletzter. Für den aktuell 57. der FIFA-Weltrangliste, der seit 1986 bei keinem WM-Turnier fehlt, aber erst zweimal die K.o.-Runden erreichte, war dies das schlechteste Ergebnis seit 16 Jahren.

Das heutige Spiel gegen Venezuela und die Partie am Montag gegen Uruguay wird Stielike noch von der Tribüne aus verfolgen. Interimstrainer Tae-Yong Shin ist für diese beiden Partien verantwortlich. Stielike ist der 69. südkoreanische Nationaltrainer seit 1948, der erste Deutsche und nach dem Russen Anatolij Fjodorowitsch Byschowez (1994-95), den Niederländern Guus Hiddink (2001-02), Jo Bonfrere (2004-05), Dick Advocaat (2005-06) und Pim Verbeek (2006-07) sowie dem Portugiesen Humberto Coelho (2003-04) der siebte Ausländer, der für die "Taeguk Warriors" verantwortlich ist. Sein Vertrag läuft bis zur Weltmeisterschaft 2018; sollte Stielike tatsächlich diese vier Jahre durchhalten, wäre er der südkoreanische Nationaltrainer mit der längsten Amtszeit.

 

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