Und jetzt geht‘s gegen den Ex-Coach

Jörg Schneider. Mainz.
Obwohl die Ausbeute aus den ersten sechs Bundeligaspielen dieser Saison etwas gering ausgefallen ist, sieht Sandro Schwarz seine Mannschaft in der Entwicklung auf dem richtigen Weg. Auch und besonders wegen des hart erkämpften 1:0-Erfolges zuletzt gegen Hertha BSC. „Dieses Ergebnis zu ziehen, war ein enormer Entwicklungsschritt für uns“, sagt der Trainer des FSV Mainz 05. Wir wollen Spiele gewinnen. Ich habe den Jungs gesagt, wir müssen von dem Gedanken wegkommen, dass alles zu 100 Prozent funktionieren muss, damit wir ein Spiel gewinnen können.“

Sechs Spiele sind absolviert in der Bundesliga. Der FSV Mainz 05 hat daraus sechs Punkte mitgenommen. Einen Sieg gegen Bayer Leverkusen, zuletzt den 1:0-Erfolg im Heimspiel gegen Hertha BSC. „Das, was wir haben, ist komplett verdient“, sagt  Sandro Schwarz, „aber wir haben schon das Gefühl, es hätte auch mehr sein können.“ Die Niederlagen gegen Hannover 96 und beim VfB Stuttgart hätten nicht sein müssen, da war mehr drin. Genauso in der Turbo-Partie beim 2:3 gegen die TSG Hoffenheim. Nur beim glatten 0:4 bei den Bayern waren die Mainzer wirklich chancenlos. Obwohl die Leistung gegen den Rekordmeister nicht schlecht war.

Vor dem Duell mit seinem Vorgänger Martin Schmidt sieht 05-Coach Sandro Schwarz sein Team von der Entwicklung her auf dem richtigen Weg. Foto: Jörg SchneiderDie Mannschaft ist in der Entwicklung. Und die geht nach Ansicht des Trainers voran. Vieles ist neu in dieser Saison. Schwarz hat dem Team gegenüber der vergangenen Spielzeit eine veränderte Herangehensweise verordnet. Die 05er definieren sich aktuell mehr über aktive Vorwärtsverteidigung, sie stehen höher im Feld als in der Vorsaison, sind taktisch flexibler, variabler auf den Positionen. Das Anlaufverhalten ist ein anderes, mehr Angriffspressing, mehr Gegenpressing. Das Team kann in diversen Grundordnungen spielen, ob 4-2-3-1, 4-3-3 oder im zuletzt praktizierten 5-4-1, das im eigenen Spielaufbau und in der offensiven Version zum 3-4-3 wird. Die Basis ist gegeben. Die stimmte grundsätzlich in allen Begegnungen. Und diese Basisleistung brachte nun in einem komplizierten Spiel, in einem Abnutzungskampf, in dem sich beide Mannschaften in vielen Bereichen neutralisierten, einen dünnen, aber hochverdienten Erfolg gegen die Berliner.

„Dieses Spiel zu gewinnen, das Ergebnis zu ziehen, war ein enormer Entwicklungsschritt für uns“, sagt der 05-Trainer. „Es war ein Mentalitätsspiel nach der Mittwoch-Partie in der Englischen Woche gegen die Hoffenheimer. Ein Fight. Du wusstest, es wird schwer, gerade mit diesem Spiel im Rücken. Wir haben das insgesamt gut gemacht von der Defensivhaltung her und haben das Ergebnis gezogen. Wir wollen Spiele gewinnen. Uns geht es immer ums Endergebnis“, betont der 38-Jährige. „Ich habe den Jungs gesagt, wir müssen von dem Gedanken  wegkommen, dass alles zu 100 Prozent funktionieren muss, damit wir ein Spiel gewinnen können. Das ist eine wichtige Erkenntnis aus der Englischen Woche. Wenn du so ein Bombenspiel machst wie gegen Hoffenheim, du holst aber nichts und das passiert dir öfter, dann kann schon das Gefühl kommen, dass du dich fragst:  Was muss eigentlich alles kommen, damit wir Spiele gewinnen können? Jetzt haben wir auf der Basis der Defensive gewonnen. Das ist ein Schritt nach vorne, dass du weißt, du kannst dich auf gewisse Dinge verlassen, um ein Ergebnis zu ziehen.“

Die Defensivarbeit war auch in den bisherigen Auftritten schon durchweg in Ordnung. Allerdings immer mit Fehlern behaftet, die in den entscheidenden Situationen Punkte kosteten. Gegen die Berliner funktionierte die Abwehrorganisation komplett. Der Gegner hatte eine Torchance aus dem Spiel heraus. Ansonsten gab es für die Berliner Offensive gegen die drei Innenverteidiger in der hinteren Reihe nichts zu holen. Torhüter René Adler war bei den wenigen Distanzschüssen zur Stelle. Die Außenverteidiger machten im defensiven 5-4-1 einen konsequenteren Job als drei Tage zuvor. Schwarz stellte dabei vor allem Giulio Donati heraus. „Giulio hat ein Topspiel gemacht. Der hat alles wegverteidigt. Er hat die Flanken auf Ibisevic verhindert und nach vorne Betrieb gemacht. Dass da auch mal ein Fehlpass dabei ist, ist normal.“  

Gute Balleroberungswerte

Entscheidend für den Erfolg war die erhöhte Schärfe in der Arbeit gegen den Ball nach der Pause. „Das beste Beispiel war doch die Situation vor dem Elfmeter. Wir hatten sechs Spieler in der gegnerischen Hälfte, 30 Meter vor dem Tor. Du hast die Balleroberung, spielst einmal tief in die Box rein und kriegst den Strafstoß.“ Fabian Frei eroberte die Kugel, nachdem Pablo De Blasis den Innenverteidiger attackiert, Donati die Möglichkeit verhindert hatte, den Ball nach Außen weg zu spielen. Frei, Jean-Philipp Gbamin und Danny Latza nachgerückt waren. „An so was müssen wir dran bleiben“, sagt Schwarz. „Wir haben in den bisherigen sechs Spielen im Durchschnitt zwölf Balleroberungen in der gegnerischen Hälfte gehabt. Das ist ein guter Wert. Ein sehr guter sogar. Der maximale Wert bei den Mannschaften, die das noch besser machen, liegt im Schnitt bei 14 Balleroberungen in des Gegners Hälfte. Da erkennt man schon was wir wollen, was uns wichtig ist. Selbst in München hatten wir elf Balleroberungen in der gegnerischen Hälfte. Diese Basisleistung, die auch gegen Hertha da war, die brauchen wir.“ Dazu arbeite man weiter intensiv daran, die Dinge mit Ball weiter zu forcieren. Das funktionierte gegen Hertha zu häufig nicht sonderlich gut. Generell gilt aber, dass die 05er sich in dieser Saison im eigenen Ballbesitz deutlich verbessert haben.

Nun folgt das Treffen mit dem Ex-Coach. Martin Schmidt, der Vorgänger von Schwarz, der in Mainz den Umschaltfußball über einen längeren Zeitraum erfolgreich praktizierte, wartet am Samstag mit dem VfL Wolfsburg auf die 05er. Schwarz will diese Partie jedoch nicht auf ein Duell zwischen Vorgänger und Nachfolger reduzieren. „Wir haben alle eine große Anerkennung für das, was Martin hier gleistet hat. Wir spielen aber nicht gegen Martin Schmidt sondern gegen Wolfsburg.“ Ihm persönlich, sagt Schwarz, gehe es nicht darum, Schmidt nun etwas beweisen zu müssen. „Nullkommanull. Wir wollen das Spiel erfolgreich bestreiten. Das wäre aber nicht anders, wenn dort ein anderer Trainer stehe würde. Ob Martin die Mannschaft kennt und vielleicht weiß, wo man ansetzen muss, ist mir echt völlig wurscht. Meine Gedanken sind die, du guckst dir vier Spiele des Gegners an, die werden analysiert und daraus wird abgeleitet, was wir machen. Daraus entwickeln wir einen Plan, wie wir das Spiel bestreiten. Ob da irgendwas schwieriger werden könnte, weil er die Mannschaft kennt, daran verschwende ich keinen Gedanken.“

Er sei allerdings selbst gespannt darauf, ob der Schweizer die Wolfsburger so spielen lasse, wie vorher die 05er. Von der Besetzung des VfL-Kaders her kommt Schmidt in Wolfsburg aber nicht daran vorbei, auch aus dem eigenen Ballbesitz heraus das Spiel aufzuziehen. „Wir stellen uns auf das ein, was er jetzt zwei Spiele lang mit Wolfsburg gemacht hat. Wir haben für unsere Gegner-Analyse zwei Spiele von seinem Vorgänger mit anderer Grundordnung und zwei von Martin, der jetzt wieder mit der Viererkette arbeitet.“

Die 05-Profis jedenfalls sind heiß auf die Begegnung mit ihrem Ex-Trainer, bevor es in die nächste Länderspielpause geht. Fabian Frei hat die Partie zum „wichtigsten Spiel der Saison“ erklärt. „Das sagen wir zwar vor jedem Spiel, aber am Samstag, das ist doch was Spezielles“, so der Mittelfeldspieler. Pablo De Blasis, der Siegtorschütze gegen Hertha, betont, es sei nun an der Zeit, mal wieder zwei Erfolge hintereinander hinzubekommen, was in diesem Kalenderjahr noch nicht gelungen ist.

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