Unzufriedener Knipser

Jörg Schneider. Mainz.
Acht Treffer hat Shinji Okazaki in dieser Saison für den FSV Mainz 05 in der Bundesliga erzielt. Doch seit dem 14. Spieltag, seit seinem Treffer beim 1:2 in Hamburg, hat der Japaner Ladehemmung. Die Gründe dafür dürften nicht zuletzt in der extremen Belastung zu suchen sein, die Okazaki seit einem Jahr trägt. Der 05-Trainer erkennt Anzeichen für ein Ende der Durststrecke. „Shinji ist ganz klar auf dem aufsteigenden Ast“, sagt Martin Schmidt. „Er wird bald wieder der alte sein.“

Halilhodzic soll Japan trainieren

Medienberichten zufolge steht der japanische Fußballverband vor der Verpflichtung des 62-jährigen bosnischen Trainers Vahid Halilhodzic. Der ehemalige Torjäger von Velez Mostar, FC Nantes und Paris Saint-Germain betreute in seiner 25-jährigen Trainerkarriere unter anderem die Nationalmannschaften der Elfenbeinküste und Algeriens, mit denen er sich für die Weltmeisterschaften 2010 und 2014 qualifizierte; mit Algerien kam Halilhodzic in die Verlängerung des Achtelfinales gegen Deutschland. Zuletzt arbeitete der Bosnier von Saisonbeginn bis November für Trabzonspor. Bei Shinji Okazakis Nationalmannschaft soll Halilhodzic Nachfolger des Mexikaners Javier Aguirre werden, der in Spanien wegen Korruption angeklagt ist und im Januar entlassen wurde.

Am 7. Dezember in Hamburg hat Shinji Okazaki seinen achten Saisontreffer erzielt. Am 14. Spieltag. Seitdem herrscht Funkstille beim Japaner im Angriff des FSV Mainz 05. Immer wieder war der Torjäger nahe dran am erfolgreichen Abschluss, wie zuletzt beim 0:2 der 05er bei der TSG Hoffenheim. Doch dem 28-Jährigen ist das Trefferglück abhandengekommen.

Ähnliche Phasen ohne Torerfolg gab es bei Okazaki schon häufiger. In dieser Spielzeit mag die extreme Belastung des Stürmers dazu beigetragen haben, dass ihm im Endeffekt der Abschluss fehlt. Okazaki tut alles auf dem Platz, rennt, schuftet, geht keinem Zweikampf aus dem Weg, bereitet Chancen vor. Nur, ihm selbst fehlt der Treffer. Und das ist für einen, der sich über geschossene Tore definiert, kein tragbarer Zustand.

Nach der vergangenen Saison ging es ohne Urlaub für Okazaki in die WM-Vorbereitung mit dem japanischen Nationalteam. Zuvor war der Stürmer schon mehrfach für und mit seiner Verbandsauswahl unterwegs gewesen. Im Sommer verpasste er fast die komplette Saisonvorbereitung. WM-Einsatz in Brasilien, danach etwas Urlaub und rein ins Bundesligageschehen. Zum Auftakt in Paderborn war der 05-Stürmer aber gleich erfolgreich. Es folgten zwei Treffer in Berlin, jeweils ein Tor gegen Dortmund und in Frankfurt. Danach vier Spiele lang nichts Zählbares, Torerfolg gegen Bremen, zwei Spiele ohne Treffer, dann die Tore auf Schalke und beim HSV.

Dreimal war der 05-Profi in der Vorrunde mit seiner Nationalmannschaft unterwegs. Im September, im Oktober und im November. Meist mit vollem Programm, Doppelspieltagen, immer verbunden mit einer strapaziösen An- und Abreise. Nach dem Hinrunden-Ende musste Okazaki erneut auf den verdienten Urlaub verzichten, reiste wieder gleich zum Vorbereitungs-Lehrgang seiner Nationalmannschaft. Dann ging’s sofort weiter nach Australien zur Asien-Meisterschaft. Erst kurz vor dem Rückrundenstart in Mainz war der vielbeschäftigte Stürmer  zurück - Aus beim Asia-Cup und auch noch verletzt.

Shinji Okazaki arbeitet viel für die Mannschaft, aber im Abschluss funktioniert es derzeit nicht beim Torjäger. Foto: ImagoTrainer Kasper Hjulmand schonte den Spieler, der mehr oder weniger auf dem Zahnfleisch ging und sich quälte, beim Auswärtsspiel in Hannover. Die Frische, die Spritzigkeit, die der Nationalspieler für sein Spiel braucht, fehlt ihm noch immer. Was kaum verwunderlich ist bei diesem Programm. „Er beginnt schon zu zählen, wie lange er schon nicht mehr getroffen hat“, sagt Martin Schmidt. Der neue Mainzer Trainer glaubt, dass Okazaki etwas von seinem Selbstvertrauen verloren hat. „Da muss er übers Training wieder hinkommen. Wir werden ihm noch mehr Aktionen kreieren müssen. Ich bin sicher, dass Shinji bald wieder der alte sein wird.“

Der 05-Coach hat im Training, aber auch in Hoffenheim das Gefühl bekommen, dass sein Torjäger wieder spritziger wird, dass Okazaki das körperliche Tief weggesteckt und auch in der täglichen Arbeit wieder mehr unterwegs ist. „Er ist ganz klar auf dem aufsteigenden Ast. Diese Problematik gibt’s beim Stürmer einfach“, sagt Schmidt. „Da können wir von Weltklasse-Torjägern reden. Es kommt immer wieder vor, dass die fünf Spiele in Serie treffen, dann fünf, sechs Spiele in Serie nicht mehr. Shinji ist davon nicht ausgenommen. Der weiß selber, was er arbeiten muss. Er will das auch.“

Eine gewisse Verkrampfung, weil ihm die Torerfolge fehlten, komme beim Japaner sicherlich dazu. „Shinji ist nicht zufrieden, wenn er kein Tor macht. Das macht einen typischen Knipser aus. Die haben das in sich und sind nur dann zufrieden, wenn die Mannschaft gewinnt und sie selber ein Tor gemacht haben. Das soll auch so sein, denn das macht die besonderen Knipser aus“, betont der 05-Trainer. „Deshalb muss man auch diese jetzige Seite von ihm mitnehmen und weiter auf ihn bauen. Dann kommen auch wieder die Tore.“

Zumal das 05-Team mit dem Ansatz von Schmidt, also mit vielen Balleroberungen und Umschaltaktionen, mehr Chancen für den Torjäger herausarbeiten kann, als dies unter Hjulmand der Fall war. Okazaki muss sich bei dieser Herangehensweise nicht mehr so oft nur mit dem Rücken zum gegnerischen Tor an den Verteidigern aufreiben.  

► Alle Artikel zur Saisonarbeit

► Zur Startseite