Verlieren verboten!

Jörg Schneider. Mainz.
Das Auswärtsspiel am Samstag beim SV Darmstadt 98 bildet für den FSV Mainz 05 den Auftakt zu einem richtungsweisenden Dreierpack in der Bundesliga: Der Partie beim Tabellenletzten folgt das Heimspiel gegen den FC Schalke 04, danach geht’s nach Ingolstadt. Drei Gegner, die in der Tabelle hinter den 05ern stehen. Und die große Chance, sich mit den entsprechenden Ergebnissen endgültig aus dem Abstiegskampf zu verabschieden. „Man muss einfach punkten. Peu á peu. Verlieren wäre ungut“, erklärt Martin Schmidt.

Zwölf Punkte nach 23 Spieltagen. Elf Zähler Rückstand auf den Relegationsplatz. Die Wahrscheinlichkeit, dass es dem SV Darmstadt 98 noch gelingt, den Abstieg aus der Bundesliga zu verhindern, ist nicht sehr hoch. Beim Aufsteiger der vergangenen Saison muss allmählich damit begonnen werden für die Zweite Liga zu planen. Das weiß auch Torsten Frings, seit Januar Cheftrainer beim Tabellenletzten. Die Entwicklung der Mannschaft gehe zwar in die richtige Richtung, sagte der ehemalige Nationalspieler dieser Tage dem „Darmstädter Echo“, doch die Zeit sei vielleicht zu knapp, um nicht abzusteigen. „Wir haben aber nicht gesagt, dass wir uns aufgeben", sagt Frings. „Niemand hier hisst die weiße Fahne. Es bringt aber nichts, jeden Tag auf die Tabelle zu gucken. Denn das würde dir wirklich einen Grund geben, aufzugeben. Wir spielen für uns und für unsere Fans. Sie unterstützen uns überall überragend.“

Für Danny Latza stand nach dem 1:1 gegen den VfL Wolfsburg Schonung auf dem Trainingsplan. Der 05-Profi absolvierte zum Wochen-Trainingsauftakt nur einen Regenrationslauf. Foto: Ekkie Veyhelmann Der FSV Mainz 05 muss am Samstag zum Auswärtsspiel nach Darmstadt. Die Aufgabe bei einem Gegner, der sich mit der Realität arrangiert, nichts mehr zu verlieren hat und deshalb möglicherweise ohne Druck aufspielen kann, ist eine echte  Herausforderung. Eine Prüfung, die das Team von Martin Schmidt besser bestehen sollte, denn nach dem 1:1 gegen den VfL Wolfsburg im Heimspiel sind die Mainzer längst nicht raus aus der Gefahrenzone. Zumal mit dem FC Schalke 04 und den Wolfsburgern zwei erheblich besser aufgestellte Klubs, die eigentlich in andere Regionen gehören, noch hinter den 05ern stehen und das Potenzial besitzen, mit einem Zwischenspurt an den Mainzern vorbeizuziehen. Diese Tabellenkonstellation berge höchste Gefahr, sagt der 05-Trainer. Doch seine Mannschaft hat es selbst in der Hand für klare Verhältnisse zu sorgen. Und zwar in den nächsten drei Spielen: Am Samstag in Darmstadt, eine Woche später zu Hause gegen Schalke und anschließend in Ingolstadt. Drei Siege und alles wäre geritzt. Die Chance, sich endgültig aus dem Abstiegskampf zu verabschieden und sich auf einem einstelligen Tabellenplatz einzurichten, ist groß. Das müsse er bei seinen Spielern gar nicht thematisieren und den Profis vorrechnen, sagt der 05-Trainer. „Man muss einfach punkten. Peu á peu. Verlieren wäre ungut. Wir müssen Kontinuität in unsere Resultate rein kriegen. In diesen Spielen gilt schon: Verlieren verboten!“

Seriosität und Konzentration, so der Coach, bestimmten deshalb die tägliche Arbeit. „Wir müssen immer die Tabelle im Auge behalten und dürfen nicht fahrlässig etwas verschenken, das wieder Druck auf den Kessel bringt, den man sich selbst zuschreiben muss.“ So, wie im Heimspiel gegen die Bremer geschehen. „Wenn wir daran denken, müssen wir wirklich sagen, da haben wir fahrlässig was verpasst. Die 30-Punkte-Schwelle zu überschreiten, ist nun ein sehr wichtiger Schritt für uns“, sagt Schmidt. Da sei Pragmatismus angesagt, der Fußball müsse zielgerichtet sein. Da gehe es nicht um Schönheit des Spiels, darum, dem eigenen Ballbesitz zu frönen „und am Ende gehst du nach Hause und kannst dich selbst ohrfeigen.“ Klarer Kopf, Mentalität, Effizienz. Das sind die Stichworte vor dem Auftritt in Darmstadt zum Auftakt dieses vorentscheidenden Bundesliga-Dreierpacks.

Deshalb gehen die 05er nicht davon aus, am Samstag auf einen abgeschlagenen Gegner zu treffen, der quasi im Vorbeigehen bezwungen werden kann. Der 05-Trainer rechnet vielmehr mit einem motivierten Kontrahenten, der seine Stärken hat und zu Hause für sein Publikum alles geben wird. „In die Analyse lassen wir alles mit einfließen“, sagt Schmidt. Auch die Partie der Lilien im eigenen Stadion gegen Borussia Dortmund. Jenes überraschende 2:1, den einzigen Sieg bisher in diesem Jahr. Oder auch die Partie der 98er zuletzt in Bremen, wo die Darmstädter beim 0:2 nicht die schlechtere Mannschaft waren. „Das Dortmund-Spiel war nicht mal ein geklauter Sieg“, sagt der 05-Trainer, der selbst vor Ort war. „Das Spiel in Bremen muss in der Pause eigentlich eingetütet sein für Darmstadt. Beim 0:2 in Frankfurt kann es nach einer Stunde anders stehen. Die Leistung von Darmstadt müssen wir gar nicht gut reden, sondern man sieht, dass sie immer wieder hochkarätige Chancen haben. Ich muss sie nicht künstlich stark reden, aber die Spiele sagen viel aus. Wir analysieren ihre Stärken und Schwächen und stellen uns drauf ein.“

Die allgemeine Erwartungshaltung macht die Aufgabe nicht leichter. „Das sind die schwierigsten Spiele“, sagt der 49-Jährige, „weil die Erwartungshaltung bei uns und im Umfeld  die ist, dass dieses Spiel einfach gewonnen werden muss.“ Mit der richtigen Haltung, mit der richtigen Vorbereitung und  im Wissen, dass es dort schwierig wird, will Schmidt mit seiner Mannschaft diese Partie angehen und möglichst erfolgreich bestreiten. Personell kann der Coach dabei aus dem Vollen schöpfen. Danny Latza und Fabian Frei absolvierten zwar zum Wochen-Trainingsauftakt nur einen kurzen Regenerationslauf, sind aber ansonsten voll belastbar.

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