Vertrauensbildende Maßnahmen

Jörg Schneider. Mainz.
Mit dem dritten Heimsieg dieser Bundesligasaison steuert der FSV Mainz 05 in der Tabelle langsam ruhigeres Fahrwasser an. Für die Beteiligten war dieser 3:2-Sieg vor 30.371 Zuschauern in der Opel Arena gegen den Hamburger SV ein wichtiger Schritt nach vorne. „Der Entwicklungsprozess läuft weiter. Dafür brauchst du diese Bestätigung durch Ergebnisse“, sagte 05-Trainer Sandro Schwarz. „Das ist heute für mich der größte Schritt gewesen: Widerstände überwinden, dran bleiben, Spiel gewinnen. Das gibt der ganzen Sache Vertrauen. Solche Spiele zu gewinnen, schafft das höchste Vertrauen in die Entwicklung der Mannschaft. Das ist gut.“

Solche Spiele zu gewinnen und zwar in Folge, solche Arbeits- und Kampfsiege gegen mehr oder weniger gleichstarke Mannschaften auf Augenhöge, davon ist Sandro Schwarz überzeugt, sind dem Entwicklungsprozess einer Mannschaft außerordentlich dienlich. Höhen und Tiefen überstehen in einer Partie, Rückschläge verkraften, sich zu steigern, im richtigen Moment die Tore erzielen, trotzdem noch zittern zu müssen, sich aber dagegen aufzulehnen und am Ende das Ergebnis ziehen. „Die Art und Weise, wie wir gewonnen haben, fühlt sich am Ende richtig gut an. Wir hatten die entscheidenden Kleinigkeiten auf unserer Seite und haben damit das Resultat für uns gezogen“, sagte der Trainer des FSV Mainz 05 nach dem 3:2-Erfolg im Heimspiel vor 30.371 Zuschauern in der Opel Arena über den bis dahin punktgleichen Hamburger SV.  

Die Vorentscheidung: Stefan Bell vollstreckt per Kopfball am langen Pfosten Abdou Diallos Eckball-Verlängerung zum 2:1 für die 05er. Foto: Ekkie VeyhelmannDas 3:2 gegen den HSV ist der dritte Heimsieg der Saison, das dritte Erfolgserlebnis, das die 05-Profis nach ähnlichem Muster wie schon zuvor gegen Bayer Leverkusen und Hertha BSC mit Behauptungswillen und großem Engagement eingetütet haben. Nach komplizierten Spielverlauf, mit überstandenen brenzligen Situationen vor dem eigenen Tor, die das Ganze auch anders hätten ausgehen lassen können. Trotzdem ein verdienter Dreier, der das Team nun auch tabellarisch mit zehn Punkten in ruhigeres Fahrwasser steuert. „Ich sehe sehr gute Entwicklungen in den letzten Wochen“, sagte der 38-Jährige. „Wir sind aus den schwierigen Momenten der Startphase der Saison rausgekommen. Der Entwicklungsprozess läuft weiter. Dafür brauchst du diese Bestätigung durch Ergebnisse. Was mir heute ein gutes Gefühl gibt und was bewirkt, dass ich wirklich glücklich nach Hause gehe, ist, dass wir eine Steigerung haben im Spiel. Dass wir nicht rausfliegen aus dem Spiel, was heute durchaus möglich gewesen wäre, dass wir dann in der zweiten Halbzeit viel straffer unser Ding durchziehen und die Tore machen“, so Schwarz. „Das ist heute für mich der größte Schritt gewesen: Widerstände überwinden, dran bleiben, Spiel gewinnen. Das haben wir jetzt über mehrere Wochen gezeigt. Das gibt der ganzen Sache Vertrauen. Solche Spiele zu gewinnen, schafft das höchste Vertrauen in die Entwicklung der Mannschaft. Das ist gut.“

Die Mainzer zeigten erneut, dass sie in allen Bereichen nach wie vor viel Luft nach oben haben, aber auch, dass sie in ihrem Spiel eine Basis gefunden haben, eine fundamentale Stärke, die es ihnen ermöglicht, solche Gegner zu schlagen. Und wäre der unglückliche Handelfmeter ganz am Ende nicht gewesen, als der Schiedsrichter die Abwehraktion von Abdou Diallo nach der Video-Überprüfung des Assistenten in Köln nachträglich als strafstoßwürdig einstufte, Sehad Salihovic noch auf 2:3 verkürzte, hätte die ganze Geschichte auch vom Ergebnisbild her solider und souveräner ausgesehen. Große Diskussionen gab es nachher nicht über diese Szene. „Abdou dreht sich rein, kriegt den Ball aus kurzer Distanz Vollspann an den Arm. Okay. Irgendjemand hat mal gesagt, mit der Handspielregel kennt er sich gar nicht mehr aus. Es ist schwierig. Es war definitiv keine Absicht“, erklärte Rouven Schröder nachher. „Dafür wurden schon Elfmeter gegeben oder auch nicht. Wenn du 3:2 gewinnst, kannst du durchatmen, wäre es das 2:2 gewesen, redest du wieder anders“, betonte der Sportvorstand. „Wir sind einfach erleichtert, das Spiel gewonnen zu haben. Es war wirklich schwer. Ein hart erkämpfter Sieg. Es gab Phasen und Nuancen, in denen kann es auch schnell mal kippen. Ich denke, zehn Punkte nach unserem Auftakt mit den zwei verlorenen Spielen sind jetzt aller Ehren wert. Für uns ist wichtig, dass wir Mannschaften mit reinziehen, in der Tabelle Schritt für Schritt gehen, dass wir unsere Heimspiele gewinnen. Das ist ein gutes Zeichen. Wir wissen, es gibt noch einiges zu tun, aber wir haben das Selbstbewusstsein, dass wir Bundesligaspiele gut bestreiten können.“

Führung bringt keine Sicherheit

Der fulminante Start mit der frühen 1:0-Führung gab den 05ern nicht die erhoffte Sicherheit, die Partie ruhig und konsequenter abzuwickeln. Der feine Spielzug über rechts mit dem doppelten Doppelpass zwischen Levin Öztunali und Giulio Donati, der für den ersten Saisontreffer von Alexandru Maxim auflegte, zeigte, wie es hätte gehen können gegen die Hamburger. Doch solche klaren Offensivaktionen brachten die Mainzer danach bis zur Pause nur noch wenige zustande. Der HSV gleich aus, nachdem Stefan Bell einen gechippten Freistoß von Aaron Hunt per Kopf zu kurz und genau in die Füße von Souza Walace abwehrte, der zum 1:1 vollstreckte. Der HSV war in der Folgezeit aggressiver im Anlaufen, verschaffte sich mehr Ballbesitz gegen die 05-Profis, die in allem etwas zu hektisch, aber gleichzeitig auch zu langsam wirkten und sich verzettelten, dennoch Möglichkeiten hatten durch Öztunalis Schuss am langen Pfosten vorbei oder Danny Latzas Distanzschuss auf die Latte. Doch nach der Slapstick-Einlage von René Adler, der beim Abwehrversuch über den Ball trat und gerade noch so vor Hunt zum Einwurf klärte, vergab André Hahn die große Führungschance für die Gäste. Die Latte rettete die Mainzer.

Geht doch oder? Danny Latza hat erneut getroffen gegen den HSV. Pablo De Blasis gratuliert anerkennend. Foto: Ekkie Veyhelmann „Es war schwierig in der ersten Halbzeit. Nach der Führung waren wir phasenweise sehr hektisch im Ballbesitz, haben vieles unsauber ausgespielt, in der Arbeit gegen den Ball keine guten Abstände gehabt“, kritisierte der 05-Trainer nachher. „In der zweiten Hälfte haben wir vieles besser gemacht:  Passspiel, Präzision, Zielstrebigkeit, Arbeit gegen den Ball. Am Ende war es ein Arbeitssieg. Dass wir hinten raus zittern mussten, hat zum Spiel gepasst“, so Schwarz.

„Wir haben uns mit einigen einfachen Ballverlusten aus dem Spiel gebracht. Gerade nach der Führung. In der zweiten  Halbzeit war es ähnlich, als wir das 2:1 machen und die Großchance zum 2:2 direkt zulassen. Auch da waren wir unsauber im Passspiel. Vielleicht aus dem Sicherheitsgefühl heraus, es läuft alles. Wir müssen da in der Konzentration drin bleiben, dass uns so was nicht passiert.“ Stefan Bell bügelte seinen Fehler wieder aus, vollstreckte am langen Pfosten nach der Ecke von Öztunali und Diallos Kopfball-Verlängerung zum 2:1 am langen Pfosten. Und im Gegenzug vergab der quirlige Japaner Tatsuya Ito den möglichen erneuten Ausgleich. Als Daniel Brosinski dann aber in der 58. Minute Latza am Strafraum anspielte und der 05-Sechser mit seinem Schuss zum 3:1 von einem Torwartfehler des Ex-05ers Christian Mathenia profitierte, war der Grundstein für den Heimsieg gelegt.

„Trotz der relativ unruhigen ersten Halbzeit muss man sagen, dass wir danach mit großem Siegeswillen und einer großen Leidenschaft verteidigt haben gegen einen schwer bespielbaren Gegner, der sehr aggressiv war. Insgesamt war das ein sehr emotionales Spiel. Aber wir waren sehr aktiv und haben hochverdient gewonnen. Und auch so eine Schlussphase mit dem Elfmeter und dass wir die letzten Minuten noch einmal überstehen mussten, hat dazu gepasst“, sagte Schwarz.

„Ich finde es großartig, eine solche Leistung in der zweiten Halbzeit abzurufen. Mit Mentalität und Emotionalität, die uns auch auszeichnet“, sagte der 05-Trainer zufrieden. „Es ist ein Entwicklungsprozess. Standhaft zu bleiben und uns in jeder Phase des Körpers anmerken zu lassen, wir wollten dieses Spiel gewinnen. Man sieht diesen Prozess. Wir sind ja immer noch am Anfang. Da ist es vielleicht normal, dass auch immer wieder mal Hektik aufkommt. Wir haben noch einiges zu tun, aber wir freuen uns darauf und auch auf das nächste Spiel“, betonte der Coach. „Nächsten Freitag Schalke. Das wird extrem schwierig, aber wir freuen uns auf diese nächste reizvolle Aufgabe. Es ist für uns die nächste Möglichkeit, wieder Leistung abzurufen.“

► Alle Artikel zum Spiel gegen den Hamburger SV

► Zur Startseite