Vollgasveranstaltung auf hohem Niveau

Jörg Schneider/Christian Karn. Mainz.
Die beiden Trainer, Sandro Schwarz und Julian Nagelsmann, diskutierten noch lange nach Spielende ausgiebig über dieses niveauvolle und rasante Bundesligaspiel, in dem die TSG Hoffenheim am Ende mit dem 3:2-Sieg drei Punkte beim FSV Mainz 05 entführte. Und zwar mit dem Matchglück, das die 05er, die taktisch, fußballerisch und kämpferisch ihre beste Saisonleistung ablieferten, an diesem Abend nicht hatten. „In der zweiten Halbzeit war es zunehmend nicht mehr viel Taktik, das war offenes Visier“, sagte Nagelsmann, „und wir hatten den lucky Punch“.

Spät am Abend, nach allen Interviews und Pressegesprächen, standen die beiden Trainer im Medienbereich der Opel Arena zusammen und diskutierten noch länger und ausgiebig die zuvor erlebten gut 97 Minute eines hochwertigen und rasanten Bundesligaspiels. Die Frage, warum die TSG Hoffenheim diese Partie am Ende mit 3:2 gewann und nicht der FSV Mainz 05, darin schienen sich Sandro Schwarz und Julian Nagelsmann einig, hatte letztlich nichts mit der Herangehensweise und dem System zu tun, mit der die beiden Trainer der jüngeren Bundesliga-Generation zuvor ihre Mannschaften ins Rennen geschickt hatten. „In der zweiten Halbzeit war es zunehmend nicht mehr viel Taktik, das war offenes Visier“, sagte Nagelsmann in der Pressekonferenz. Am Ende entschied das reine Matchglück diese niveauvolle und mitreißende Bundesliga-Partie. Das Matchglück, dass die 05er an diesem Abend nicht hatten. „Wir hatten den lucky Punch“, erklärte der Hoffenheimer Coach.

Es war intensiv am Mittwochabend. René Adler und Oliver Baumann lösten jeweils hinten viele Probleme, der Hoffenheimer eins mehr als der Mainzer. Foto: VeyhelmannDass die Gäste überhaupt noch in diese Situation geraten würden, mit einem eher zufällig und glücklich erzielten Last-Minute-Treffer diese Begegnung entscheiden zu können, danach sah es eigentlich lange Zeit nicht aus. Das Schwarz-Team gab der TSG in der ersten halben Stunde zu viele Rätsel auf, nutzte seine klaren Vorteile zu einem 2:0-Vorsprung durch die Tore von Danny Latza und Yoshinori Muto, hatte weitere Großchancen, um das Ergebnis auszubauen und hatte auch nach der zwischenzeitlichen, starken Druckphase der Hoffenheimer und den beiden Gegentreffern zum 2:2 in der zweiten Hälfte die besseren Mittel im Spiel, die klareren Aktionen, die einen eigenen Erfolg hätten sichern können.  „Die ersten 25 Minuten von uns waren perfekt mit überragenden Anlaufverhalten und Balleroberungen. Das war sehr hohes Niveau. Wir waren sehr aktiv in der Arbeit gegen den Ball, sehr aggressiv, mit vielen Balleroberungen. Nach dem 2:1 haben wir etwas den Faden verloren, um weiter vorwärts zu verteidigen, weiter vorne drin zu attackieren. Doch das ist auch normal bei der Qualität des Gegners. In der zweiten Halbzeit hatten wir wieder die klareren Aktionen, waren eigentlich immer dran am Führungstreffer. Wir sind trotz des Ausgleichs wieder vorne drauf marschiert. Mit maximalem Tempo, immer im Sprint drin, immer in der Umschaltbewegung“, fasste der 05-Trainer zusammen.

Es gab nicht mehr die Großchancen wie die zwei Konter von Levin Öztunali vor der Pause, aber die 05er hatten immerhin fünf sehr gute Abschlüsse, meist von der Strafraumgrenze aus. Doch es war Torhüter Oliver Baumann, der unter anderem gegen Daniel Brosinski, gegen Latza, gegen Suat Serdar oder gegen Jairo den erneuten Mainzer Führungstreffer verhinderte.

Nagelsmann musste nachher eingestehen, dass er die Mainzer anders erwartet hatte. Im 4-2-3-1. Er sei sich nicht sicher gewesen, wie die Mainzer spielen würden und habe sich deshalb vorher zwei verschiedene Grundordnungen überlegt. Eine davon sei ebenfalls ein 4-2-3-1 gewesen, sagte der Gästetrainer. Schwarz betonte, er habe zunächst selber mit einem 4-3-3 geliebäugelt, sich dann aber für das 3-4-3 entschieden. „Wir haben dann reagiert, als wir die Aufstellung bekommen haben“, so Nagelsmann. „Wir haben anfangs im 5-4-1 verteidigt. Als wir gemerkt haben, es steht 2:0 für den Gegner und wir kriegen keinen Zugriff, haben wir uns höher aufgestellt, das Ganze nach vorne verschoben und sind mit Ball mehr ins 3-5-2 reingekommen. Das war dann der Moment, wo es in der ersten Hälfte mehr in unsere Richtung gekippt ist.“  Seine Mannschaft sei zunächst vor allem nicht mit dem aggressiven und schwer zu verteidigenden Pressing der 05er zurechtgekommen. „Wir hatten nicht die Stabilität nach Ballgewinnen aus der tiefen Position herauszukommen, haben viele brenzlige Drucksituationen überstehen müssen“, betonte der 30-Jährige. „Mainz definiert sich über hohes Angriffspressing und sehr gutes Gegenpressing, verbunden mit schnellen Umschaltmomenten. Das Stadion liefert eine sehr gute Atmosphäre, da kommt viel Druck von der Tribüne, die die eigene Mannschaft pusht. Sechsmal pro Saison könnte ich nicht gegen die 05er spielen. Ich bin froh, dass es nur zweimal so ist.“

Wie schon das 4:4 in der Vorsaison an gleicher Stelle war auch diese Partie wieder eine Vollgasveranstaltung, in der sich beide Mannschaften alles abverlangten, dem Publikum einen tollen Fußballabend lieferten. „Dieses Spiel hatte komplett alles, was ein Fußballspiel braucht. Leider mit aus unserer Sicht dem komplett falschen Ergebnis“, sagte Schwarz. „Das, was wir als Leistung gebracht haben, müssen wir nun in den Samstag transportieren, beharrlich dranbleiben. Das ist der einzige Weg.“ Am Samstag folgt das zweite Heimspiel dieser Englischen Woche. Gegen Hertha BSC nehmen die Mainzer den nächsten Anlauf für drei Punkte.

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