Vorausschauende Kaderplanung

Christian Karn. Mainz.
Der FSV Mainz 05 hat die ersten Neuzugänge für die Saison 2016/17 bekanntgegeben - für die U23, die die vorzeitige Qualifikation für ihr drittes Jahr in der 3. Liga mit einem 4:0 gegen Hansa Rostock erreicht hat. Vier Mann mit Bruchweg-Erfahrung werden das höchste Nachwuchsteam verstärken: Patrick Huth spielte zwischenzeitlich für den TSV Schott. Mike Andreas, Heinz Mörschel und Leon Kern folgen ihrem Torwart Florian Müller aus der U19 auf die nächste Stufe.

Die U19 des FSV Mainz 05 hat in den letzten Minuten ihrer Saison ein kleines Ziel verfehlt: Beim Absteiger 1. FC Saarbrücken glichen zwar Bote Baku und Justin Petermann in der Schlussphase ein 0:2 aus, aber weil der VfB Stuttgart in der 87. Minute das Siegtor bei den Bayern schoss, fielen die 05er auf den vierten Platz der Bundesliga Süd/Südwest zurück. Die beiden Playoff-Plätze um die Deutsche Meisterschaft waren sowieso längst außer Reichweite. 41 Punkte sind die schlechteste Ausbeute der 05-Junioren, die im Süden schon fünfmal Zweiter oder Dritter waren, seit der Saison 2011; es dürfte damit zusammenhängen, dass einige Leistungsträger aus dem jüngeren Jahrgang 1998 stammen, die 1997er etwas abfielen. Nach heutigem Stand rücken daher in diesem Jahr nur vier Spieler in die U23 nach: Florian Müller, Mike Andreas, Heinz Mörschel und Leon Kern. Fünf wären es, würde man Suat Serdar mitzählen, der sich aber schon bei den Profis etabliert hat.

Der Torwart Florian Müller hat bereits sein erstes Drittligaspiel absolviert, als zu viele Spiele am gleichen Tag und die Erkrankungen von Gianluca Curci Jannik Huth die Hierarchie der 05-Torhüter durcheinanderbrachten. Der U19-Nationalspieler (drei Länderspiele), der 2013 vom 1. FC Saarbrücken kam, dürfte die älteren Ersatztorhüter Lukas Watkowiak und Denis Wieszolek (beide Jahrgang 1996) verdrängen; seine aktuellen Konkurrenten in der U23 wären Huth (1994) und Daniel Zeaiter (1995).

Mike Andreas (hier bei der obligatorischen Heimniederlage gegen den FC Ingolstadt 04) ist einer von vier U19-Spielern, die zur U23 der 05er übernommen werden. Foto: FSV Mainz 05Mike Andreas war zuletzt Kapitän der U19. Der Kämpfer im defensiven Mittelfeld hat mehr Erfahrung als die meisten gleichaltrigen Jugendfußballer: Vor seinen zwei Jahren in der U19-Bundesliga spielte der 2012 vom FK Pirmasens geholte Andreas nicht eine, sondern zwei Saisons in der U17-Bundesliga, in der er 2014 mit Müller, Mörschel und Kern Meister der Staffel Süd/Südwest wurde. Mit Abstrichen in der ersten Saison war Andreas vier Jahre lang Stammspieler auf höchstem Niveau, ein taktisch kluger Anführer und Standard-Schütze, der in 92 Spielen selbst nur zweimal traf, aber einige Tore vorbereitete - und einige Gelbe Karten sah. Stefan Hofmann, der Sportchef der 05-Junioren, charakterisiert Andreas als "absoluten Mentalitätsspieler und mit seiner hervorragenden Einstellung der typische Mainz 05-Spieler für mich".

Heinz Mörschel ist hinter Serdar das große 05-Talent seines Jahrgangs. Der 2012 von Eintracht Frankfurt gekommene Spieler ist nicht ganz leicht einzuordnen, spielt im Grunde auf allen zentralen offensiven Positionen. Mörschels Rückrunde war mit drei Toren und einer Vorlage nicht so spektakulär wie gewohnt; zwölf Tore und vier Vorlagen im U17-Jahr und insgesamt 25 Tore und vier Vorlagen in 54 Spielen unterstreichen die Qualität, die der lange Schlacks in der U19 hatte. Vor allem der Karlsruher SC bekam das zu spüren; beim 7:3-Auswärtssieg in der vergangenen Saison traf Mörschel zum 1:0, 2:0, 3:1, 4:1 und 5:1, im Rückspiel schoss er beide Tore zum 2:0-Sieg der 05er. Volker Kersting, der Chef des 05-Jugendleistungszentrums, sagt: „Heinz hat ein sehr hohes fußballerisches Niveau gepaart mit besten körperlichen Voraussetzungen. Seine Aufgabe wird es auch weiterhin sein, seine Leistung auf dem hohen Niveau zu stabilisieren – in jedem Training wie in jedem Spiel.“

Die Entwicklung von Leon Kern ist in der letzten Zeit ein wenig ins Stocken geraten. „Leon hat wirklich ein Seuchenjahr hinter sich, hatte in den letzten anderthalb Jahren kaum zwei Monate ohne Verletzungen. Ich denke, er hat nach wie vor sehr viel Potenzial mit seinem Tempo, seiner Geradlinigkeit und seiner Abschlussstärke“, sagt Stefan Hofmann. Der kleine, flinke Konterstürmer, 2012 von TuS Koblenz zu den 05ern gewechselt, überzeugte im U17-Jahr mit kunstvollen Toren, die an die Treffer von Sami Allagui erinnerten, beispielsweise einige 18-Meter-Heber aus vollem Lauf. In der U19 war er zuletzt vor allem Einwechselspieler, den Ausgleich gegen Saarbrücken bereitete er am Samstag vor.

Einige Spieler des Jahrgangs 1997 fehlen (bisher) unter den Aufrückern: der Dauerläufer André Herr, der seit zwei Jahren verletzte Innenverteidiger Tim Kirchen, der Stamm-Verteidiger Constantin Leinhos, die Außenspieler Tim Weißmann und Johannes Gansmann, die schon im Laufe der Rückrunde den Anschluss an die Startelf verloren, der Ergänzungsspieler Dennis Winter, der Rechtsaußen Niclas Judith, der sich erst in der Rückrunde durchsetzte, aber auch der Torjäger Törles Knöll (13 Tore, 11 Vorlagen in der aktuellen Saison), für den bei allen Junioren-Qualitäten der Sprung in die 3. Liga zu groß sein könnte. Weitere Leistungsträger wie der torgefährliche Linksverteidiger Bote Baku, der Innenverteidiger Fabian Grau, der Rechtsverteidiger Jayson Breitenbach, die Offensivtalente Justin Petermann und Joel Richter, das Sturmmonster Ilker Yüksel sind ein Jahr jünger, können sich in der kommenden Saison noch weiterentwickeln, um zur U23 übernommen zu werden.

Außerdem holten die 05er als ersten externen Neuzugang einen ihrer ehemaligen Juniorenspieler zurück: Der offensive Mittelfeldspieler Patrick Huth, Jahrgang 1995, kommt nach sechs Jahren beim TSV Schott wieder an den Bruchweg. Der schnelle Torjäger und -vorbereiter galt zuletzt als eins der größten Talente der Oberliga Rheinland-Pfalz/Saar. "Patrick hat in den letzten zwei Jahren eine starke Entwicklung genommen und ist zum absoluten Leistungsträger in der Herrenmannschaft des TSV Schott geworden. Da lag es für uns nahe, ihn an den Bruchweg zurückzuholen", sagt U23-Koordinator Manfred Lorenz.

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