Voronin hat sich aufgebrezelt

el castro
Das Europa-Tagebuch von el castro Teil 4

5. August, Peroulia Beach

Als wir die Ausgangstür des Flughafens in Kalamata öffnen, rennen wir erstmal gegen eine Wand. Morgens um 10 Uhr an die 30 Grad im Schatten. Wo der sich befinden soll, ist zunächst nicht auszumachen, aber wir haben ja vier Zage Zeit. Seit den fünf Tagen in Rumänien vor drei Jahren wissen wir, dass sich 05-Spiele im Europapokal am besten aushalten lassen, wenn man sie in eine mehrtägige touristische Attraktion einbindet.

Unterwegs auf dem Peloponnes. Foto: Susanne Arzt-KasterTripoli liegt in der Mitte des Peloponnes - im Landesinneren. Das heißt nichts Gutes, wie wir bei den 40 Grad im angeblich vorhandenen Schatten von Sevilla erfahren durften. Stattdessen haben wir in Peroulia Beach eine Ferienwohnung in einem kleinen Mehrfamilienhaus mit Meerblick und zwei Terrassen und Gartenmitbenutzung gebucht. 300 Meter bis zum Strand. Zehn Kilometer bis Koroni (intern Voronin) einem kleinen Fischerdörfchen, das sich touristisch rechtschaffen aufgebrezelt hat in Form einer kleinen Promenade mit großer Auswahl an Tavernen, die ihren fangfrischen Fisch in kleinen Auslagen auf Eis drapiert direkt an der Straße präsentieren. An der sich aber auch die alten Herren versammeln. Manchmal einzeln an zwei Tischen und die Szenerie stoisch gelassen ertragen. Sie sind die Bernhardiner in der Sozialstruktur eines griechischen Dorfes.

Meer, Sonne, Tavernen sind die Zutaten, um erstmal zwei Tage abzuschalten, ehe die Vorbereitung auf den ersten Saisonhöhepunkt beginnt. Entsprechend endet der Ankunftstag mit einem mediterranen Menü in einer schlichten, im landestypischen blau-weiß gehaltenen, Taverna, die ohne Schnickschnack 'entscheidend is‘ aufm Platz' signalisiert. Auf die in broken english gehaltene Frage der Wirtin, ob wir auch was essen möchten, gibt sie uns eine übersichtliche Karte in griechischer Schrift. Mangels kommunikativer Alternativen überlassen wir ihr das Spiel, was sich als Sonntagsschuss und Gewinn erweist. Anders als beim Fußball zählen beim Kochen die Treffer andersrum. Der, der sie einsteckt, gewinnt. Anstelle des in Deutschland üblichen Ouzo gibt es auf dem Peloponnes, wenn man sich als sinnenfroher Gast erwiesen hat, zumeist ein Dessert obendrauf. Zum Beispiel cremiges Vanilleeis mit Kirschen. So schlicht, so gut. Wir kontern im Sonnenuntergang, ganz deutsch, mit Ouzo. und wünschen uns, dass es einfach so bliebe.

el castro
Der langjährige 05-Fan aus Überzeugung und Leidenschaft ist erklärter Anhänger der Devise: Groß denken! Die besten Ideen findet er zu nachtschlafender Zeit, wenn um ihn herum Ruhe einkehrt und er seinen Gedanken zum Fußball im Allgemeinen und zu Mainz 05 im Speziellen freien Lauf lassen kann. Dabei setzt er sich gerne mit dem eigenen Fan-Sein kritisch auseinander und scheut auch die Kontroverse nicht. Für nullfünfmixedzone.de beleuchtet el castro zudem soziale und gesellschaftsrelevante Aspekte der Szene.