Wackelkandidaten wollen ins Team

Jörg Schneider. Evian.
Niki Zimling und Gonzalo Jara sind zwei Profis des FSV Mainz 05, die nicht mit der ganz großen Perspektive im Kader des Bundesligisten ins Trainingslager an den Genfer See gereist sind. Doch das Duo, das seine Berater längst auf Vereinssuche geschickt hat, besticht in Evian durch gute Trainingsleistungen und viel Ehrgeiz. „Ich sehe da keine Wackelkandidaten“, sagt Martin Schmidt. „Ich sehe, dass sie mit aller Macht in die Mannschaft wollen.“

Niki Zimling (am Ball) und Gonzalo Jara (rechts): Ungewisse sportliche Zukunft, aber voller Einsatz im Trainingslager. Foto: Jörg SchneiderMit Ausnahme des Arbeitsplatzes im Tor des FSV Mainz 05, den Loris Karius unumstritten beansprucht, dürfte es im Augenblick kaum eine Position im Bundesligakader geben, auf der nicht ein heftiger und ehrgeiziger Konkurrenzkampf entbrannt ist. Im Trainingslager der 05er in Evian geben alle Profis Vollgas. Egal, ob Nachwuchsspieler oder arrivierter Bundesligaprofi. Da zeigt sich ein Suat Serdar auf der Sechser-Position genauso eindringlich wie sein prominenter, Champions-League-erprobter Kollege Fabian Frei. Da muss sich Yoshinori Muto genauso durchbeißen wie Florian Niederlechner, der durch klaren Zug zum Tor, Abschlussqualitäten und Zweikampfstärke auffällt.

Noch ist es zu früh, darüber zu mutmaßen, wer das Rennen um die begehrten Startplätze im Team von Martin Schmidt machen könnte. Noch haben die 05er keine ernsthafte Prüfung gegen einen hochklassigen Gegner absolviert, der aufzeigt, woran in den Tagen am Genfer See noch gearbeitet werden muss. Dass ändert sich am Sonntagabend. Da treffen die 05er im Olympiaort Albertville auf den Fünften der abgelaufenen Meisterschaftsrunde in Frankreich, die AS St. Etienne.

Und mit von der Partie sind auch zwei Spieler, die im Trainingslager eine etwas ungewisse Rolle einnehmen. Gonzalo Jara und Niki Zimling sind so etwas wie die Wackelkandidaten im Kader. Beide hatten vor dem Start der Saisonvorbereitungen erfahren, dass ihre Perspektiven hinsichtlich Bundesliga-Einsatzzeiten nicht sonderlich hoch seien. Beiden wolle man keine Steine in den Weg legen, wie es immer so schön heißt, wenn sie sich verändern wollten.

Vollwertige Teamspieler

„Ich sehe keine Wackelkandidaten“, stellt Martin Schmidt nach zwei intensiven Trainingstagen am Genfer See klar. „Ich behandele beide wie vollwertige Teamspieler. Sie haben die Möglichkeit sich sportlich zu verändern in einem anderen Klub, aber sie sind jetzt hier und komplette Mitglieder des Kaders“, so der 05-Trainer. „Wenn sie gut trainieren und gut drauf sind, greife ich auf sie zurück. Auch in den kommenden Spielen.“

Er habe nicht das Gefühl, sagt der Schweizer, dass die beiden Profis die Köpfe hängen ließen und unbedingt weg wollten. „Ich sehe, dass sie in die Mannschaft wollen mit aller Macht.“ Das gefällt dem Coach. Das erhöht die Drucksituation im Kader. Das steigert die Trainingsqualität. Zimling, der sich lange mit Verletzungen herumplagte, wirkt in Evian wieder frischer, stärker. Jara hat nach seiner Rückkehr von der Copa America noch etwas Rückstand, muss zwischendurch immer wieder Spezial- und Laufeinheiten nachholen.

Und da war ja noch die unleidliche Geschichte mit der Attacke an den Hintern von Edinson Cavani, die Jara drei Spiele Sperre und das Ende im Südamerika-Turnier eingebracht hatte. „Er hat uns das aus seiner Sicht geschildert“, sagt Schmidt. Ansonsten halten sich die Mainzer raus aus der Geschichte. „Er hat sich ja nur selbst geschadet und ist genug betraft“, so der Trainer. Gonzalo Jara habe sich um das Halbfinale und um das Endspiel gebracht. Und das wiederum beeinflusse natürlich die Suche nach einem neuen Verein. Als Stammspieler des Titelgewinnerteams Chile hätte Jara nun ganz andere Perspektiven. „Dann sähe die Sache für ihn schon ganz anders aus“, sagt Schmidt. So muss sich Jara genauso wie Zimling mit guten Trainingsleistungen empfehlen. Entweder für die 05er selbst oder für einen externen Interessenten.

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