Wartetaktik für zwei Stürmer und noch einen Innenverteidiger

Jörg Schneider. Mainz.
Relativ großer Andrang am Nachmittag beim letzten öffentlichen Training des FSV Mainz 05 am Bruchweg vor dem Bundesligastart am Sonntag. Die Zuschauer bekamen zwar eine lauf- und zweikampfintensive Einheit zu sehen, auf den oder die mit Spannung erwarteten neuen Spieler wartete das Publikum allerdings vergebens. Im Auftaktspiel beim SC Paderborn wird kein weiterer Zugang spielen. Das heißt allerdings nicht, dass bis dahin personell nichts mehr passiert. Der Manager arbeitet die Wunschliste ab.

Christian Heidel (links, mit Teammanager Axel Schuster) hat sich ein Bild von den Fortschritten der 05-Profis im Training gemacht. Der Manager hat allerdings auch Neuzugänge im Visier. Foto: Jörg SchneiderChristian Heidel hat sich am Mittwochnachmittag wieder einmal selbst ein Bild gemacht von den Fortschritten seiner Fußball-Profis in der Trainingsarbeit. Die Zeit dafür hat der Manager des FSV Mainz 05 offenbar dafür, denn die Transferbemühungen des 51-Jährigen laufen nebenher und sind möglicherweise noch diese Woche unterschriftsreif. Das Anforderungsprofil ist bekannt und soll erfüllt werden: zwei Offensivkräfte, vornehmlich für die beiden Außenbahnen. Dort hat er Klub seit dem Weggang von Eric-Maxim Choupo-Moting (zum FC Schalke 04) und Nicolai Müller (Hamburger SV) dringend Bedarf, denn beide waren Leistungsträger und verlässliche Torschützen.

Der Markt explodiert

Heidel sagt, natürlich habe er  nach dem Bekanntwerden des Müller-Wechsels an die Alster sofort einen Nachfolger für dessen Position verpflichten können, doch nur zu einem Preis, den der Manager für zwei Verstärkungen ausgeben möchte. „Wie ich das schon mehrfach angekündigt habe, explodiert der Markt gerade“, sagt Heidel. Am 31. August ist Transferschluss und plötzlich seien Spieler, bei denen die Kontaktaufnahme vor Wochen aus finanziellen Gründen noch unsinnig  gewesen sei, auf dem Markt. Auch ausleihtechnisch.
Die Wartetaktik des Managers könnte sich also auszahlen. Heidel klingt jedenfalls zuversichtlich und so, als habe er starke Kandidaten am Haken. Und wenn alles so funktioniert, wie geplant, dann ist offenbar sogar noch die Verpflichtung eines neuen Innenverteidigers angedacht. Spannend. „Wir arbeiten an allem“, sagt Heidel. „Und dann wird man auch verstehen, warum das alles ein bisschen länger gedauert hat.“
Die Aktivitäten beschränken sich jedoch nicht alleine auf die Spielersuche. Bis zum Ende des Transferfensters werden den Klub sicherlich auch noch Spieler verlassen oder an andere Vereine ausgeliehen. Die Situation von Chinedu Ede und Nikita Rukavytsya ist bekannt. Beide haben keine Perspektive als Profi am Bruchweg, aber bei beiden gibt es noch kein O.k. von einem neuen Klub. Darüber hinaus, das lässt sich zwischen  den Zeilen lesen, gibt es anscheinend Gedanken, weiteren Profis, die sich im Moment schwertun, in Mainz in den Spielkader zu kommen, die Chance zu geben, sich anderswo Praxis und neues Selbstvertrauen zu erarbeiten.

Ausleihkandidat Nedelew

Einer davon ist mit Sicherheit Todor Nedelew, im Augenblick wegen einer Muskelverletzung in der Wade außer Gefecht. Der junge Bulgare hat zwar zuletzt einen sehr fitten Eindruck hinterlassen, doch der 21-Jährige hat es auch in der Vorbereitung nicht geschafft, sich in den Vordergrund zu spielen und aufzudrängen. Die Konkurrenz ist an ihm vorbeigezogen. Nedelew braucht jedoch dringend Wettbewerbspraxis, um sich  weiterzuentwickeln. Da würde sich ein Ausleihgeschäft unbedingt anbieten.

Etwas anders, für den Spieler jedoch ähnlich unbefriedigend, sieht es bei Dani Schahin aus. Der Angreifer hat ein Seuchenjahr mit Verletzungen hinter sich und angekündigt, sich in dieser Saison bei den 05ern durchzusetzen. Doch die Aufgabe ist mit der Verpflichtung von Filip Djuricic und den zu erwartenden Neuzugängen nicht einfacher geworden. Auch Schahin könnte ein Leih-Kandidat sein.
Solche Ausleih-Überlegungen betreffen offenbar jedoch nicht Julian Koch und Sebastian Polter. Das wäre auch nicht nachvollziehbar. Koch ist im Training sehr präsent, ist vielfältig einsetzbar und braucht möglicherweise einfach noch etwas Zeit, vor allen Dingen Einsatzminuten, um sein großes Potenzial einzubringen. Polter wird einfach gebraucht in der 05-Offensive als Joker. Zurzeit hat Trainer Kasper Hjulmand nur Shinji Okazaki als einzige Spitze zur Verfügung. Einen echten Stoßstürmer gibt’s ansonsten nicht im Kader.
In zehn Tagen stoppt das Transferkarussell. Bis dahin wird mit Sicherheit noch allerhand passieren.  

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