Was passiert mit Jairo und Rodriguez?

Jörg Schneider. Grassau.
Die Leistung von José Rodriguez gehört zu den positiven Erscheinungen im gerade zu Ende gegangenen Trainingslager des FSV Mainz 05 in Grassau. Der Spanier, der nach Málaga ausgeliehen war, startete ohne große Perspektive im 05-Kader, überzeugte aber im Training und den Testspielen als Sechser. Ob der 23-Jährige doch die Chance erhält in Mainz zu bleiben, muss sich noch zeigen. Weniger gut präsentierte sich dagegen Jairo Samperio. Der Außenstürmer wirkt gehemmt und sucht bislang vergeblich seine Form. Ob der Profi am Bruchweg verlängert oder ein Angebot eines anderen Klubs annimmt, dürfte bald feststehen.

Wer bei den Trainingseinheiten seit dem Start Anfang des Monats, in den einzelnen Testspielen und jetzt im gerade zu Ende gegangenen Trainingslager in Grassau, genau hingeschaut hat, dem bleibt eine deutliche Entwicklung nicht verborgen. Der Kader des FSV Mainz 05 wächst zusammen in seinen Aufgaben, verinnerlicht nach und nach die veränderten Abläufe und Anforderungen im Spiel von Sandro Schwarz. Nicht ganz drei Wochen vor dem ersten Pflichtspiel, der Partie im DFB-Pokal in Lüneburg, zeichnet sich ein Bild ab, wie der Trainer mit seinem Team künftig auftreten will, auch wenn in diesem Konstrukt längst noch nicht alles funktioniert.

Eine interessante und spannende Geschichte ist dabei die Personalie José Rodriguez. Der Mittelfeldspieler, der von seiner Ausleihe aus Málaga zurückkam, spielte ursprünglich in den Kaderplanungen keine große Rolle. Der 22-Jährige präsentierte sich jedoch bisher als engagierter, ehrgeiziger Arbeiter, der, so scheint es, um eine Chance kämpfen will. Schwarz und Sportvorstand Rouven Schröder müssen sich Gedanken machen, ob der Profi nicht doch eine Option auf der Sechserposition darstellen könnte. Zumal Jean-Philippe Gbamin wegen Verletzung bisher noch nicht das Training  aufgenommen hat und wahrscheinlich die komplette Vorbereitung verpasst. Dem Trainer gefällt das, was Rodriguez bis jetzt anbietet: „Er macht einen guten Eindruck, ist drin in der Mannschaft, verhält sich absolut korrekt. Das finde sich super. José lässt sich nicht runter ziehen von der Situation, zeigt Leistung auf der Sechserposition. Da bin ich sehr zufrieden“, sagt Schwarz. „José ist unser Teammitglied, kriegt seine Einsätze. Das macht er momentan sehr gut.“ Ob der Spanier die Chance erhält in Mainz zu bleiben oder ob der Spieler auf dem Markt angeboten wird, darauf will sich der Coach derzeit noch nicht festlegen. „Wir haben uns keine Deadline gesetzt. Ob es diese Chance gibt, das wird sich in den nächsten Wochen zeigen. Im Moment ist das alles sehr gut“, erklärt der 38-Jährige.

Im Trainingslager musste sich Jairo Samperio nach einer schwachen Einheit ein paar eindringliche Worte seines Trainers anhören. Foto: Daniel Bongartz Er habe ein Angebot aus Frankreich, das ihm gefalle, berichtete Rodriguez in Grassau diversen Medien. Wenn das funktionieren würde, sei er bereit zu wechseln. Der Spieler war auch schon in Spanien, um gewisse Dinge zu prüfen. Die ihn jedoch nicht überzeugt hätten, wie er sagte. Rodriguez hat aber auch registriert, dass der 05-Trainer die Arbeit des Mittelfeldspielers würdigt. Deshalb fühle er sich im Team derzeit sehr wohl.

Weniger gut hat sich bis jetzt ein Profi präsentiert, auf den der 05-Trainer eigentlich fest gesetzt hat wegen dessen Fähigkeiten. Jairo Samperio sucht jedoch seit dem Trainingsauftakt vergeblich nach der Form, die den quirligen Außenstürmer in der Vergangenheit zu einem wertvollen Angreifer, Torschützen und Vorbereiter gemacht hat. Dem 24-Jährigen gelingt kaum etwas, ihm fehlt das klare Spiel. Jairo zeigt immer wieder Lichtblicke, in denen seine Gefährlichkeit aufblitzt, leistet auch gegen den Ball ordentliche Arbeit, doch rund läuft es nicht bei ihm. Der Spanier wirkt merkwürdig gehemmt. In einer der letzten Trainingseinheiten in Grassau, in der Jairos Probleme erneut erkennbar waren, nahm sich Schwarz den Spieler zur Seite und sprach längere Zeit mit ihm auf dem Platz. Die Gestik verriet, dass es kein besonders lobendes Gespräch war.

Die Verantwortlichen haben dem Stürmer vor dem Trainingsstart nahe gelegt, entweder zu verlängern (Jairos Vertrag läuft nach der Saison aus) oder eines der Angebote anzunehmen, die es offenbar gibt auf dem internationalen Markt. Möglicherweise ist der Profi seit dem zu stark mit dieser Situation beschäftigt und läuft dabei Gefahr, sein Spiel und seine Position im Kaderranking nach und zu verlieren. Die Probleme des Stürmers sind auffällig. Angesichts der Konkurrenz in der 05-Offensive ist Jairo jedenfalls in dieser Form keine große Verstärkung.   

Eine vorzeitige Trennung ist derzeit nicht ausgeschlossen, auch wenn sowohl der 05-Trainer als auch der Spieler grundsätzlich eine weitere Zusammenarbeiten präferieren würden. Ihm gefalle die Philosophier von Schwarz erklärte Jairo in Grassau. Er habe mit Rouven Schröder vereinbart, dass man sich nach dem Trainingslager noch einmal zusammensetze, um eine Lösung für seine Zukunft zu finden. Er müsse sich über die Situation klar werden, so Jairo. Sein Ziel sei es eine Saison, in der er viele Spiele bestreite.

 

 

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