Weiterentwicklung mit Sinn und Verstand

Jörg Schneider. Mainz.
Zwei Testspiele gegen unterklassige Gegner in der Region sowie die Abreise ins Höhen-Trainingslager im amerikanischen Colorado Springs stehen in der zweiten Trainingswoche auf dem Plan des FSV Mainz 05. Martin Schmidt hat sich viel vorgenommen in dieser zweigeteilten Vorbereitung. Am Spielstil und der Philosophie wird sich dabei wenig ändern. Die Mannschaft weiterentwickeln, Verbesserungen herbeiführen, sich mit noch mehr geschärften Waffen dem Wettbewerb stellen und auf die Leistungsbereitschaft der Spieler setzen: „Da liegt noch sehr viel drin. Ich möchte das, was wir bisher ausgelöst haben, weiter bringen.“ Er werde die Hürden schon in der Vorbereitung sehr hoch legen.

Die Taktiktafel dient Martin Schmidt auch in dieser Saisonvorbereitung als Werkzeug, um seinen Kader auf Vordermann zu bringen. Foto: Jörg SchneiderDer FSV Mainz 05 hat seine Saisonvorbereitung, die in diesem Jahr mit gut acht Wochen ungewöhnlich lange ausfällt, zweigeteilt. Nach den ersten vier Arbeits-Wochen gibt’s für die Profis noch einmal ein paar Tage Urlaub, ehe der zweite Abschnitt beginnt, in dem Martin Schmidt mit seinem Kader an der nötigen Form für den Saisonstart feilt. Auch inhaltlich ist das Programm in zwei Abschnitte untergliedert. Im ersten Monat liegt der Schwerpunkt auf der Arbeit an der Grundlagenausdauer. Danach folgt der taktische Schliff, das Verinnerlichen des Spielsystems. Im Moment steht also die Konditionsarbeit im Vordergrund. Das heißt jedoch nicht, dass die 05er in der Anfangsphase dieser Vorbereitung nur laufen und Kondition bolzen. Die Widerstandskraft gegen Hochbelastungen wird auch in großem Maße mit dem Ball entwickelt. Mithilfe von Spielformen mit intensiven Intervallen. Bereits in den ersten Trainingseinheiten am Bruchweg ging‘s um die Prinzipien des Mainzer Spiels, umfassten die Übungen einen Mischmasch aus Balleroberung und Umschaltaktionen, aber es ging auch verstärkt um Verhaltensmuster im eigenen Ballbesitz.

In der nun beginnenden zweiten Trainingswoche stehen zwei lockere Testspiel-Einheiten in der Region auf dem Plan. Am Dienstag (19 Uhr) bei RWO Alzey, am Freitag (18 Uhr) beim FV Biebrich 02. Danach geht‘s sofort in die USA. In Colorado Springs absolvieren die 05er erstmals ein Höhentrainingslager auf 1800 Metern zur Vorbereitung. „Das Gute daran ist, wenn man einen fast kompletten Kader übernimmt ins neue Jahr, dann sind alle eingeschworenen Abläufe da. Weil man also auf einem guten Level beginnt, kann man die Zeit direkt nutzen, um Verbesserungen hineinzubringen“, sagt der 05-Trainer, dessen Herangehensweise an die neue Spielzeit sich nicht groß geändert hat. „Mit gut geschärften Waffen gegen überlegene Qualität antreten“, betont Schmidt, „mit großem Vertrauen in jeden Spieler und großer Leistungsbereitschaft sich dem Wettbewerb stellen.“

Schmidt geht mit einem eingespielten und mit den Abläufen vertrauten Kader in diese Arbeitsphase. Den Neuzugängen, auch denen, die in den kommenden Wochen noch dazu stoßen, soll die Eingewöhnung in einer funktionierenden Gruppe dadurch leichter fallen. Die Abläufe sind allgemein bekannt, das bisherige Personal soll die Dazugekommenen im Anpassungsprozess tatkräftig unterstützen. Neuerungen im Spielstil, in der Spiel-Philosophie, plant der Schweizer nicht mit dem Kader, in jedem Fall aber Verbesserungen in der allgemeinen Herangehensweise, die das Team in der abgelaufenen Saison auf Platz sechs der Bundesliga und in die Gruppenphase der Europaliga geführt hat. „Da liegt noch sehr viel drin, um unsere Waffen noch mehr zu schärfen. Präzision und Tempo im Konterspiel. Da liegt aber auch noch mehr drin bei eigenem Ballbesitz, beim eigenen Hintenrausspielen. Wenn man unser Team im Herbst und im Frühling gesehen hat, das waren zwei verschiedene Mannschaften. Das Team hat sich entwickelt. Diese Entwicklung möchte ich nicht bremsen, sondern weiter anstoßen. Ich möchte das, was wir ausgelöst haben, weiter bringen“, betont der 49-Jährige.

„Da können wir jetzt direkt dran weiterarbeiten. Das sind die Ziele für die Vorbereitung. Wir haben uns sehr hohe Ziele gesetzt. Wir haben in den Testspielen eine Armada von Europaligagegner vor uns und spielen schon vor dem Start eine eigene Europaligarunde.“ Der aktuelle Champion, der FC Sevilla, kommt zum Testspiel an den Bruchweg, Jürgen Klopp kommt mit dem Europaliga-Finalisten in die Opel Arena. Im zweiten Trainingslager Anfang August im Aostatal sollen zwei hochkarätige italienische Erstligisten die 05er fordern. „Wir werden nach der Vorbereitung wissen, wo wir stehen“, sagt der 05-Trainer. „Es wartet so viel Spannendes auf uns. Wir werden das Team mit Sinn und Verstand weiterentwickeln und mit Sinn und Verstand ergänzen.“

Was in den letzten Jahren begonnen habe, sei nicht so falsch gewesen. Diesen Weg werde man weitergehen. „Aber dabei werden wir die Hürden sehr hoch legen. Das beginnt schon in der Vorbereitung“, so der Schweizer. Die 05er haben sich viel vorgenommen für die kommende Spielzeit, die den Kader vor eine große Herausforderung stellt, was alleine schon die Veröffentlichung des neuen Spielplans verdeutlichte. Von September bis Weihnachten folgt eine Englische Woche auf die nächste. Unterbrochen nur von den Länderspielpausen. Da ergibt sich die grundsätzliche Zielsetzung erst einmal von selbst. „Einige Dinge sind dadurch vorgegeben. Klassenverbleib ist ganz klar eines der Grundziele. In der Europaliga Deutschland mutig und positiv vertreten, eine ordentliche Rolle spielen.“ Darüber hinaus werde sich die Mannschaft intern zusätzliche Zwischenziele setzen und dabei die Latte recht hochlegen. So, wie im vergangenen Jahr auch. „Da haben wir am Ende doch sehr viel von dem erreicht, was wir uns als Ziele gesteckt haben“, sagt der 05-Coach.

Es bringe nichts, wenn der Verein oder der Trainer Ziele einfach vorgeben würden, das Ganze müsse aus dem Team heraus kommen. „Die Zielvereinbarungen mache ich mit den Spielern im zweiten Trainingslager. Diese Ziele müssen von den Spielern selbst formuliert werden. Dann glauben die auch daran. Es gibt aus der Analyse der vergangenen Saison dazu eindeutig schon Ziele, die sich von selber formulieren. Wie wir uns verbessern können. Da gibt es genügend Ansätze.“

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