Wenn die Muster passen, lauert Gefahr

Jörg Schneider. Mainz.
Levin Öztunali und Viktor Fischer schossen den FSV Mainz 05 zum 2:1-Sieg gegen den englischen Premiere-League-Aufsteiger Newcastle United vor 6470 Zuschauern in der Opel Arena. Das Positive neben dem Erfolg gegen eine stark besetzte Mannschaft, war die Tatsache, dass immer wieder Strukturen zu sehen waren, wie die 05er zum Torerfolg kommen wollen. „Wir haben zwei schön herausgespielte Tore gemacht, die aus einem Muster heraus erzielt wurden“, sagte Sandro Schwarz nachher. Der 05-Trainer sah auch genügend Dinge, die noch nicht funktionierten. „Wir müssen uns nicht kleiner machen als wir sind, wenn wir gegen Newcastle gewinnen, aber wir wissen, was wir verbessern müssen.“

FSV Mainz 05 - Newcastle United 2:1 (1:0)

Samstag, 29. Juli 2017, 6470 Zuschauer.

FSV Mainz 05: Adler (61. Zentner) - Donati (61. Onisiwo), Bell (46. Balogun), Diallo (46. Serdar), Brosinski (61. Holtmann) - Frei, Latza (61. Rodríguez) - Öztunali (61. Jairo), Maxim (61. Klement), de Blasis (61. Fischer) - Muto (46. Kodro).

Newcastle United: Darlow (61. Woodman) - Yedlin (27. Manquillo), Lejeune (78. Merino), Clark (46. Mbemba), Dummett (46. Gámez) - Ritchie (46. Aarons), Colback (61. Shelvey), Diamé (61. Hayden), Murphy (61. Atsu) - de Jong (61. Pérez), Mitrovic (61. Gayle) .

Tore: 1:0 Öztunali (5., de Blasis), 1:1 Zentner (65., Eigentor, Gámez), 2:1 Fischer (84., Klement).

6470 Zuschauer waren gekommen zum Stadionfest des FSV Mainz 05. Das Publikum erlebte einen sonnigen und abwechslungsreichen Nachmittag mit einem vielfältigen Rahmenprogramm außerhalb der Opel Arena, einem emotionalen Teil im Stadion als Martin Schmidt von Sportvorstand Rouven Schröder offiziell mit einem großen Dankeschön des Klubs für die geleistete Arbeit verabschiedet wurde. Der Ex-Trainer erhielt an seiner ehemaligen Wirkungsstätte tosenden Beifall. Und die Fans sahen einen weiteren Testspiel-Sieg der 05-Profis, die den englischen Premier-League Aufsteiger Newcastle United FC verdient und leistungsgerecht mit 2:1 bezwangen.

Die Mainzer zeigten eine ordentliche Vorstellung gegen den Klub aus dem Norden der Insel. Sie hatten sehr gute Momente in ihrem Spiel, genauso wie schwächere Phasen. So, wie Testspiele drei Wochen vor dem Bundesligastart gegen gute Gegner halt aussehen und verlaufen. Das Positive neben dem Sieg gegen eine stark besetzte Mannschaft, war die Tatsache, dass immer wieder Strukturen zu sehen waren, wie die 05er zum Torerfolg kommen wollen, wie sie sich bemühten, ihr Pressingspiel aufzuziehen, das Balleroberungen brachte und Räume, die das Team versuchte mit direktem Kombinationsspiel zu nutzen. „Wir haben zwei schön herausgespielte Tore gemacht, die aus einem Muster heraus erzielt wurden“, sagte Sandro Schwarz nachher. „Das ist einfach der Beweis dafür, dass wir gefährlich sein können. Wenn wir ins Tempo reingegangen sind, die Linien schnell überspielt haben mit guter Passqualität, einem guten ersten Kontakt zielstrebig Richtung Tor gelaufen sind.“ Der 05-Trainer war insgesamt zufrieden mit der Leistung seiner Profis in diesem Stadium der Vorbereitung. „Wir hatten auch einige ordentliche Balleroberungen. Wir müssen uns nicht kleiner machen als wir sind, wenn wir gegen Newcastle gewinnen. Der Gegner war ein Premier-League Club, das darf man nicht unterschätzen. Die hatten eine gute Qualität und viel Geschwindigkeit gerade auf der Bahn. Das hat man zweite Halbzeit gesehen. Wie weit die sind, weiß ich nicht, wir nehmen aber die Bestätigung mit, dass wenn wir die Dinge umsetzen, wir Torgefahr entwickeln. Wenn wir zu 100 Prozent in der Balljagd sind, im Gegenpressing wie zweite Halbzeit, dann haben wir Balleroberungen. Das nehmen wir mit und wissen, was wir verbessern müssen.“

Genügend Steigerungspotenzial

In was sich sein Team steigern muss, weiß Schwarz selbst am besten. „Die Wiederholungszahl der guten Dinge erhöhen in Sachen Balleroberungen und Tiefenspiel, weil wir dann noch mehr Aktionen haben können, um in die Box zu kommen.“ Dafür habe jedoch noch die nötige Frische gefehlt nach den harten Trainingseinheiten zuvor. „Die Müdigkeit und das Wetter spielen natürlich eine Rolle, aber es soll keine  Ausrede sein, denn wir wollen diese Dinge verschärft sehen“, sagt der 38-Jährige. Die Mannschaft habe verschiedene Sachen teilweise gut und erfolgreich durchgezogen, sei nach dem Ausgleich zurückgekommen und habe die Partie hinten raus noch gewonnen. „Du kriegst ein Dödeltor, abgefälscht, und es hängt hinten drin. Dann noch mal zu antworten und das 2:1 zu ziehen, das spricht für die Jungs und das hat mich gefreut. So etwas ist extrem wichtig.“

Levin Öztunali ersprintete den Traumpass von Pablo De Blasis und erzielte die Mainzer 1:0-Führung. Foto: ImagoDie Mainzer machten von Beginn an einen besseren, reiferen Eindruck als die Engländer, die ihr Potenzial andeuteten, aber selten wirklich gefährlich vors 05-Tor kamen. Einmal, in der 18. Minute, nach einem langen Ball vors Tor, war die Mainzer Abwehr ausgespielt, doch René Adler machte am kurzen Pfosten die Ecke dicht und rettete aus kurzer Distanz gegen Siem De Jong souverän. Zu diesem Zeitpunkt führten die 05er mit 1:0. Bereits nach fünf Minuten spielte Pablo De Blasis von halblinks einen Traumpass diagonal durch die englische Viererkette. Levin Öztunali sprintete in den Strafraum und steckte den Ball an Torhüter Karl Darlow vorbei ins Tor. Sehenswert.

De Blasis hatte eine weitere Chance nach prächtiger Kombinations-Vorarbeit im Zusammenspiel von Alexandru Maxim, Öztunali und Yoshinori Muto, verzog aber knapp. Noch größer war die Gelegenheit, aber auch der Überraschungsmoment für Stefan Bell, der nach einer Ecke nicht im Abseits, aber mutterseelenallein vor dem Tor stand. Der offenbar perplexe Innenverteidiger wählte nicht selbst den Abschluss, suchte einen Nebenmann und wurde beim Abspiel geblockt.

Nach dem Wechsel war es Daniel Brosinski, der mit einem beherzten Distanzschuss (51.) nach einem abgewehrten Eckball aus 18 Metern knapp das Tor verfehlte. Quasi aus dem Nichts fiel dann das von Schwarz angesprochene „Dödeltor“. Leon Balogun versuchte in der 65. Minute am Strafraum einen Schuss von Jesus Gamez zu blocken, der Ball veränderte seine Flugbahn und trudelte an den Pfosten, sprang von Robin Zentners Arm ins Netz. Der Torwart, der vier Minute zuvor zusammen mit neun Kollegen eingewechselt worden war, hatte auf dem falschen Fuß erwischt keine Chance. Die bis dahin von den Mainzern eigentlich komplett kontrollierte Partie wurde offener. Die Mannschaft von NUFC-Trainer Rafael Benitez, der mit dem FC Liverpool einst die Champions League gewann, zeigte ihre Qualität und bereitete den Mainzern vor allem über die rechte Angriffsseite mit dem schnellen ghanaischen Nationalspieler Christian Atsu, der sogar noch schneller sprintete als Gerrit Holtmann, etliche Probleme. Doch das neu gekommene 05-Team deutete schnell seine Sieg-Ambitionen an. Karim Onisiwo marschierte über rechts los, flankte auf den zweiten Pfosten, Viktor Fischer nahm den Ball direkt aus vollem Lauf und zwang den Keeper zu einer Glanzparade. Suat Serdar verzog aus 16 Metern knapp. Die Entscheidung fiel in der 84. Minute. Wieder war es Onisiwo, der als rechter Außenverteidiger nun schon mehrere Treffer vorbereitet hat, der sich rechts durchsetzte, Philipp Klement anspielte, der wiederum perfekt durchsteckte auf Fischer. Der Däne vollstreckte von halblinks mit perfekter Schusstechnik flach ins lange Eck zum 2:1-Sieg.

► Alle Artikel zur Saisonarbeit

► Zur Startseite