"Wer jetzt in den Kader will, muss sich jetzt zeigen"

Christian Karn. Mainz.
Nur noch vier Tage, dann beginnt für den FSV Mainz 05 die Pflichtspielsaison. Ein paar Fragen sind noch offen: Wer verstärkt das Mainzer Sturmzentrum, wer kommt als Ersatztorwart - und wann? Wer wird Kapitän? Und bleibt es dabei, dass die offensive Dreierreihe spiegelverkehrt spielt? Nach dem heutigen Vormittagstraining hörte sich 05-Trainer Martin Schmidt die Fragen an, gab zwar noch keine endgültigen Antworten, sprach aber ausführlich über den Zeitplan und den aktuellen Zwischenstand. Da, wo Entscheidungen notwendig sind, wollen sich die 05er die Zeit nehmen, die sie haben, anstatt Notlösungen zu präsentieren.

Der Punkt ist erreicht beim FSV Mainz 05, an dem aus einer Saisonvorbereitung Trainingsalltag wird. Vier Tage noch, dann beginnt die Pflichtspielsaison der 05er mit der Pokalpartie bei Energie Cottbus. Damit verändern sich die Trainingsinhalte, damit verändern sich die Themen.

Kurz vor dem Saisonstart sieht Martin Schmidt seine Mannschaft in einem guten Zustand: "Wir sind jetzt wieder frischer, schütteln die Müdigkeit ab. Dann kommt von selbst wieder mehr Tempo rein." Foto: Daniel Bongartz

In der wöchentlichen Presserunde ging es zunächst aber noch einmal um die letzten Lücken im Kader. Im Sturmzentrum sehen sich die 05er noch etwas unterbesetzt. Neben dem Neuzugang Florian Niederlechner, der wohl zunächst als Mittelstürmer gesetzt ist und - wenn bis dahin nicht noch etwas passiert - eine Woche nach dem Pokalspiel sein Bundesligadebüt in der Startelf bestreiten wird, gibt es nur die Notlösungen Yoshinori Muto und Ja-Cheol Koo, letzterer das, was man "falschen Neuner" nennen würde. Pablo de Blasis ist zwar heute wieder ins Lauftraining eingestiegen, braucht aber noch gewisse Zeit, bis er nach seiner Verletzung wieder spielen kann.

"Es wird etwas passieren", sagte Martin Schmidt. "Wenn wir den richtigen haben, von dem wir hell begeistert sind." Der 05-Trainer hofft, nicht bis zum Transferschluss warten zu müssen, stellte aber klar, dass die 05er kein Interesse haben, einfach irgendwen zu holen. "Wir haben eine klare Auswahl", sagte der Trainer, "aber der Markt ist gerade nicht stabil. Da wartet einer auf den anderen."

Auch einen Torwart brauchen die 05er noch, ein Backup für Loris Karius. "Einen Torwart mit Erfahrung, mit ein paar Spielen, einen Tick älter, als die, die wir haben", so umriss Schmidt das Anforderungsprofil ein wenig. In dieser Personalie wollen die 05er aber geduldig bleiben. "Ein bis zwei Wochen lang haben wir in der Bundesliga mit den jetzigen Torhütern keinen Druck", erklärte Schmidt. "Aber spätestens dann wollen wir schon reagieren."

Wer in Cottbus und darüber hinaus die Kapitänsbinde am Arm tragen wird, daraus wollte der Trainer überhaupt kein Thema machen: "Ich gebe dem kein so großes Gewicht wie andere", sagte Schmidt. "Es ist mir keine Schlagzeile oder Pressemitteilung wert. Irgendwann wird einer auflaufen, im nächsten Spiel vielleicht ein anderer. In der U23 hatte ich drei oder vier Kapitäne, da habe ich durchgewechselt."

Der 05-Kader sei hierarchisch völlig anders zusammengestellt. "Wir brauchen keinen Wachhund", erklärte Schmidt, "keinen Übervater im Spiel, der die Binde an hat und Rede und Antwort stehen muss. Bei uns sollen alle in diese Rolle rein, alle sollen Verantwortung übernehmen. Egal, ob einer zwei Jahre da ist, ob er kommt und sich direkt in den Kader reinarbeitet, ob er sechs, sieben, acht Jahre da ist."

Im Trainingsalltag steigt die Intensität in diesen Tagen wieder. "Das sehen wir auch an den Sprintdaten", sagte Schmidt. "Aber das hat damit zu tun, dass wir jetzt wieder frischer sind, die Müdigkeit abschütteln. Dann kommt von selbst wieder mehr Tempo rein." Vor allem geht es aber um die Frage, wer in Cottbus spielen darf, wer sich Hoffnungen auf eine Einwechslung machen darf, wer mit dem Pokalspiel nichts zu tun haben wird. "Das moderiere ich immer an", erklärte der Trainer. "Wer jetzt in den Kader will, muss sich jetzt zeigen. Morgen früh ist noch ein Training, danach ist es fast vorbei. Nachmittags arbeiten wir an der Athletik, da ist es schwierig, sich anzubieten. Am Freitag ebenfalls."

Schmidt hofft, dass sich Maxi Beister (links) für den linken Flügel aufdrängt. Yoshinori Muto (rechts) kann auf beiden Seiten spielen. Foto: Jörg SchneiderNicht überbewerten, so Schmidt, solle man die Tendenz der jüngsten Testspielen, in denen Rechtaußen Jairo und Linksaußen Muto (sofern jener nicht im Sturmzentrum gebraucht wurden) fast durchgängig seitenverkehrt spielten. "Eigentlich ist unser Ziel, rechts einen Rechtsfuß und links einen Linksfuß zu haben", sagte der 05-Coach. "Damit im letzten Drittel mit einem Kontakt gespielt werden kann. Auf der anderen Seite muss man aufziehen und verliert Zeit, wir wollen aber im letzten Drittel so schnell wie möglich vors Tor." Allerdings habe sich kein Linksfuß aufgedrängt. Schmidt hofft, dass sich Maxi Beister den Platz erkämpfen wird. Der Neuzugang vom Hamburger SV hat nach seinen Verletzungen noch einen gewissen Rückstand aufzuholen. "Dann haben wir das wie gewünscht", sagte Schmidt. Muto dagegen sei als beidfüßiger Spieler für beide Flügel geeignet, ebenso wie Pablo de Blasis und Christian Clemens.

Aber unumstößlich ist die Rechtsfuß-rechts-Linksfuß-links-Maßgabe bei den 05ern nicht. "Wenn der Gegner hoch steht und wir in die Tiefe spielen, ist es besser, auf der richtigen Seite zu spielen. Aber gegen einen tief stehenden Gegner ist es gut, auf der Seite den falschen Fuß zu haben, damit der auch mal nach innen geht." Bayern München spiele beispielsweise immer in Gegners Hälfte, darum vertausche Pep Guardiola gern die Außenspieler. "Weil man Optionen braucht", erklärte Schmidt. "Und je nach Taktik kann man das wechseln. Manchmal passt auch einer nicht auf den Verteidiger, da tauscht man mal. Oder ich sehe plötzlich: Da ist ein langsamer Verteidiger links! Dann kann es sein, dass ich den Christian Clemens rübernehme auf den langsamen Verteidiger."

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