Wie im Lehrfilm für die Jugend

Jörg Schneider. Mainz.
Die Analyse der Auswärtsniederlage bei der TSG Hoffenheim ist abgeschlossen. Die Erkenntnisse aus dem 0:2 in Sinsheim sind vom Trainerteam bereits am Wochenende aufgearbeitet worden und waren sofort Gegenstand der Arbeit beim Trainingsauftakt des FSV Mainz 05 am Dienstag. Nicht dabei waren der erkrankte Pierre Bengtsson sowie Christian Clemens, dessen Belastungssteuerung Lauf- und Krafttraining erforderte. Martin Schmidt thematisierte anschließend in der kleinen Medienrunde die Situation einiger Profis, die sich derzeit hinten anstellen müssen im Kader.

Knallharte Zweikämpfe und konzentrierte Arbeit im ersten Training der Woche: Jonas Hofmann, Julian Baumgartlinger, Jairo, Joo-Ho Park, Nicolás Castillo und Yunus Malli. Foto: Jörg SchneiderPierre Bengtsson fehlte beim Start in die Trainingswoche am Bruchweg. Der schwedische Linksverteidiger hat sich einen grippalen Infekt eingefangen und muss zwei Tage Pause einlegen. Christian Clemens ist am Dienstag geschont worden. Der Rechtsaußen des FSV Mainz 05 hatte sich in der vergangenen Woche mit einem grippalen Infekt geplagt, am Samstag in Hoffenheim aber gespielt. Für ihn stand Lauf- und Krafttraining auf dem Plan. Wieder voll im Training ist dagegen Julian Baumgartlinger.

Martin Schmidt ist bereits am Sonntagmorgen nach der 0:2-Niederlage in Hoffenheim mit seiner Trainercrew in die Analyse gegangen. „Wir haben uns dabei weniger mit den vergebenen Chancen beschäftigt, auch nicht das Spiel im Ganzen schlecht geredet, sondern uns mit Bildern und unseren Analysesystemen auf unsere Prinzipien konzentriert. Auf das, was wir verbessern und woran wir in dieser Woche arbeiten müssen“, sagt der 05-Trainer in der kleinen Medienrunde nach dem Vormittagstraining.

Solche Dinge standen dabei im Mittelpunkt der Einheit. Defensivarbeit, Raumaufteilung gegen den Ball und in der gesamten Defensive. Aber auch Sprints in der Rückwärtsbewegung. Die, sagt Schmidt, seien in Sinsheim nicht so dagewesen wie gegen die Eintracht eine Woche zuvor. Die Zweikampfstatistik habe die Mannschaft im Auswärtsspiel wie geplant gewonnen. „Der Spruch, wer die Zweikämpfe gewinnt, gewinnt das Spiel, hat leider bei uns nicht gepasst. Weil wir die Tore nicht gemacht haben“, sagt der 05-Trainer.

Nicolás Castillo hat noch einige Defizite und Gewohnheiten aufzuarbeiten. Foto: Jörg SchneiderAnsonsten geht es für etliche im 05-Kader auch in dieser Woche darum, sich im Training näher an die „Kampfmannschaft“, wie Schmidt den 14, 15 Spieler umfassenden, aktuellen Stammspielerkreis bezeichnet, heranzuarbeiten. Das gilt für Profis, die zuletzt wegen Verletzung hinten anstanden, wie Jonas Hofmann und Junior Diaz, aber auch für diejenigen, die derzeit im Kader nach hinten gerutscht sind. Sami Allagui oder Nicolás Castillo.

„Junior und Jonas fehlt noch etwas die Zweikampf- und Wettkampfhärte, das Tempo. Da müssen sie sich heranarbeiten“, sagt Schmidt. Vor allen Dingen Hofmann müsse in dieser Woche intensiv an seinem Gesamtpaket arbeiten. Denn der schnelle Linksaußen wird dringend gebraucht. „Er ist topfit“, weiß der Trainer, „aber er braucht jetzt Vertrauen, dass sein Knie hält. Er braucht Robustheit und Härte. Jonas ist ganz klar ein Startelf-Kandidat mit seiner Qualität, aber daran muss er diese Woche hart arbeiten.“

Anders sieht das Ganze bei Castillo aus. Dem im Winter dazu gekommenen Chilenen fehlt im Moment offenbar einiges für die Bundesliga. Schmidt empfindet dies als eine logische Entwicklung. „Nicolás kommt aus der chilenischen Spielphilosophie, er spielt dann einige Zeit in Belgien. In einer Liga, die doch nicht mit der Bundesliga zu vergleichen ist. Dann kommt er in das System und die Herangehensweise von Kasper Hjulmand. Und jetzt“, so der 05-Trainer, „kommt schon wieder ein neuer Coach, ein lauter, der neue Ideen hat. Spieler wie Pablo De Blasis oder Jairo wissen inzwischen genau, was gefordert ist, was sie tun müssen im Training. Nicolás muss sich da erst noch finden.“

Beispielhaft im Training: Shinji Okazaki im Duell mit Joo-Ho Park und Niko Bungert. Hinten: Trainer Martin Schmidt. Foto: Jörg SchneiderDer Mittelstürmer wisse kaum etwas von den Abläufen, vom Timing, von den Automatismen, die er einstudieren müsse. Der Chilene habe aber auch athletische Defizite. „Daran werden wir mit Hochdruck arbeiten. Er muss schnell eine Alternative werden im Angriff.“

Die größere Konkurrenzsituation in der Mainzer Offensive hat auch Sami Allagui etwas ins Hintertreffen gebracht. „Ich habe mit ihm ein längeres Gespräch geführt“, berichtet der 05-Trainer. „Er freut sich darüber, dass wir jetzt auf diese Art spielen, die ihm mehr entgegen kommt. Er nimmt sich viel vor, und wir kriegen ihn da schon wieder hin“, sagt Schmidt, der Allagui rein als Mittelstürmer sieht. „Und da muss er natürlich immer erst an Shinji vorbei.“

Der Japaner, bekräftigte der 05-Trainer nach der ersten Wocheneinheit, sei ein Musterbeispiel dafür, mit seiner Situation umzugehen. Okazaki, der damit hadert, dass er seit geraumer Zeit nicht mehr getroffen hat, habe sofort ein deutliches Zeichen gesetzt. Seine Reaktion sei die, seine Misere mit harter Arbeit zu beenden. „Von dem heutigen Training hätte man ein Video drehen und jedem Jugendspieler als Lehrfilm zeigen können“, so Schmidt.

Wie ein Top-Profi in eine Trainingswoche einsteige, wie er die Arbeit annehme und mit welcher Energie und Ehrgeiz er an seinen Möglichkeiten arbeite, seine eigenen, kleinen Zwischenziele zu erreichen versuche. „Da kann sich jeder was von abschneiden, wenn ein Profi mit einer solchen Leistung in die Woche einsteigt. Da hat er sich heute gleich schon frei geschwommen und unseren Innenverteidigern deutlich aufgezeigt, wer Shinji ist. Und er hat das abschließende Trainingsspiel mit seinem Tor entschieden. Das ist der richtige Weg.“

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