„Wir beobachten die Dinge in aller Ruhe“

Jörg Schneider. Mainz.
Die Tatsache, dass dem FSV Mainz 05 zweieinhalb Wochen vor dem Bundesligastart mit René Adler und Robin Zentner nur zwei einsatzfähige Torhüter zur Verfügung stehen, macht den Verantwortlichen am Bruchweg noch keine grauen Haare. „Wir beobachten die Dinge in aller Ruhe und Seriosität“, sagt Rouven Schröder. Man überlasse ganz sicher nichts dem Zufall, „aber im Moment sehen wir keinen Bedarf, etwas zu tun.“ Nichts Neues gibt’s auch in Sachen Vertragsverlängerung von Jairo Samperio. Der 05-Sportvorstand ist unterdessen davon überzeugt, dass sich in dem nun angebrochenen letzten Monat der Transferperiode kadertechnisch noch etwas tun wird.

Die Tatsache, dass Stephan Kuhnert, der Torhüter-Trainer des FSV Mainz 05, im Moment beim Bundesligisten nur mit zwei Keepern arbeiten kann, weil sich Florian Müller noch im Aufbautraining befindet und Jannik Huth noch wochenlang wegen seines Kahnbeinbruches ausfällt, bereitet den Verantwortlichen am Bruchweg noch keine Kopfschmerzen, wie Rouven Schröder auf Anfrage betont. „Wir beobachten die Dinge in aller Ruhe und Seriosität“, sagt der 05-Sportvorstand. „Wir sind 100 Prozent überzeugt von den Torhütern.“ Er sei im ganz engen Austausch mit den Trainern, man überlasse ganz sicher nichts dem Zufall, „aber im Moment sehen wir keinen Bedarf, etwas zu tun.“ Das könnte sich nur für den Fall ändern, dass sich Adler oder Zentner verletzen würde, was niemand hofft.

Aufmerksamer Beobachter der täglichen Trainingseinheiten: Im Trainingslager der 05er nutzte Rouven Schröder dafür schon mal ein Golf-Cart. Foto: Jörg SchneiderWeiterhin offen ist die Geschichte mit Jairo Samperio. Der Spanier hatte angekündigt, dass nach dem Trainingslager eine Entscheidung über seine Zukunft falle. Schröder sagt, er sei in Gesprächen mit dem Spieler und dessen Beratern. „Das läuft aber alles intern.“ Der Sportvorstand sieht keine Veranlassung, die Personalie um den Flügelmann öffentlich zu besprechen. Die 05er hatten Jairo, der noch ein Jahr lang Vertrag hat, praktisch vor die Wahl gestellt, jetzt zu verlängern oder eines der vorhandenen externen Angebote anzunehmen. Möglicherweise ist das Grund dafür, dass Jairo in dieser Vorbereitung weit hinter seinen Möglichkeiten geblieben ist im Vergleich zu den Konkurrenten auf der Außenbahn. Gut möglich, dass der 24-Jährige sich zu sehr mit seinen Optionen beschäftigt hat. Das Spiel und die vorhandenen Qualitäten des flinken und technisch starken  Spielers hat jedenfalls sichtbar gelitten. „Wir beobachten das alles, genauso wie wir wohlwollend den Konkurrenzkampf auf der Außenbahn betrachten“, sagt Schröder.

Ansonsten gebe es keine neue Entwicklung in der Kaderplanung. Auch keine Gespräche derzeit mit Spielern über Verträge. „Denn die Situation ist so, dass die Verträge klar sind. Die Faktenlage ist klar. Nächstes Jahr laufen die Verträge mit Jairo und Leon Balogun aus auch mit Pablo De Blasis, das ist aber noch etwas verschachtelter, das müssen wir noch besprechen“, sagt Schröder, der keine näheren Angaben machen möchte. „Man muss ja nicht alles erzählen“, so der 41-Jährige. „Die Neuzugänge, die wir jetzt haben, sind die, die wir uns gewünscht haben. Wir haben eine gute Situation, dass wir frühzeitig einen gewissen Kader aufstellen konnten, mit dem das Trainerteam arbeiten kann. Wir wissen alle nicht, was in zwei, drei Wochen passiert. Ein Formtief, das wir uns nicht vorgestellt haben, oder dass sich einer verletzt, was wir nicht hoffen wollen. Da müssten wir vielleicht noch etwas tun, wenn‘s passt. Im Moment sind wir mit dem Stand zufrieden“, sagte der Sportvorstand zum Abschluss des Trainingslagers.

Der Transferchef glaubt jedoch, dass dieser Zustand sich noch verändern kenn im letzten Monat vor dem Ende der Transferperiode. „Ich gehe fest davon aus, dass einer von unserer ersten Elf angefragt wird. Auch unmoralisch angefragt wird. In den letzten Transferphasen war es so, dass gerade zum Ende August hin über Dinge gesprochen wurde, die sehr verlockend waren. Deshalb musst du immer davon ausgehen, dass da was kommt“, sagte Schröder. Wichtig sei dabei, dass der Verein gesund, gut aufgestellt sei und bei gewissen Dingen dann auch mal nein sagen könne. „Das ist ein Faustpfand. Natürlich müssen wir auf die Wirtschaftlichkeit achten, aber wir sind so aufgestellt, dass wir zum Beispiel ab einem gewissen Zeitpunkt sagen, jetzt machen wir nichts mehr. Schluss mit Leuten aus der ersten Elf. Wir müssen dafür sorgen, dass es dem Verein gut geht finanziell, aber auch dafür sorgen, dass wir einen entsprechenden Spieler holen können, wenn einer geht und den bekommen wir vielleicht nicht mehr hinten raus. Das muss man gegeneinander abwägen. Ich gehe aber davon aus, dass da noch was kommen wird.“ Zwingend Geld braucht der Verein im Moment nicht, wie der Vorstand bestätigt. „Aber trotzdem kann man nichts kategorisch ausschließen, wenn ein Klub kommt und über einen gewissen Wert Dinge bezahlt, müssen wir als Mainz 05 eigentlich ja sagen. Vorausgesetzt wir kriegen einen adäquaten Spieler danach, der deutlich weniger kostet und bei dem das gleiche Prinzip wieder greift. Das ist unser Model.“

Noch nicht entschieden ist derzeit auch die Zukunft von José Rodriguez. „Wir haben noch viel Zeit. José macht das schon gut. Er trainiert fleißig, bietet sich an, hat die Chance sich zu zeigen. Er hat bei uns einen längeren Vertrag, wirkt auch deutlich reifer jetzt als im letzten Jahr, nimmt die Situation ganz anders auf. Trotzdem weiß er, was die Stunde geschlagen hat“, sagte Schröder. „Wir haben Gbamin, wir haben Latza, Frei, Serdar, Klement, der zurückgezogen spielen könnte. Die Konkurrenz ist nicht weniger geworden auf der Position. Es ist auch so, dass er in Spanien in der Primera Division schon eine Nachfrage hat. Im Moment sind wir über jeden einzelnen froh der hier bei uns ist. Warten wir‘s ab, wie es sich entwickelt.“

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