„Wir gehen absolut im Guten auseinander“

Jörg Schneider. Mainz.
Die Ära Martin Schmidt ist zu Ende. Der FSV Mainz 05 und der 50-Jährige Schweizer haben sich am Montag in beiderseitigem Einvernehmen getrennt. „Wir brauchen in diesem Verein die klare mittelfristige Planung. Die ist mit noch einem Jahr Vertragslaufzeit mit Martin nicht gewährleistet. Zumal Martin das klare Statement abgegeben hat, dass er seinen Vertrag bei uns nicht über 2018 hinaus verlängert. Deshalb sind wir zusammen übereingekommen, diesen neuen Impuls zu setzen und einen klaren Schnitt zu machen. Wir gehen absolut im Guten auseinander“, sagte Rouven Schröder. Favorit auf die Nachfolge ist 05-Eigengewächs Sandro Schwarz. „Wir werden alle Möglichkeiten ausschöpfen und es ist doch klar, dass Sandro ein Kandidat ist“, sagte der Sportdirektor. Eine Entscheidung steht aber noch aus.

Das war’s dann also. Beim FSV Mainz 05 ist erneut eine Ära zu Ende gegangen. Martin Schmidt ist seit Montag nicht mehr Trainer des Bundesligisten. Der Klub gab am Nachmittag die Trennung vom 50-jährigen Schweizer bekannt. Im beiderseitigen Einvernehmen. Schmidt geht nach sieben Jahren am Bruchweg von Bord und macht den Weg frei für seinen Nachfolger. Ob dieser Sandro Schwarz heißen wird, wie allgemein vermutet und erwartet, wollte Rouven Schröder allerdings noch nicht bestätigen. In einer Medienrunde am Bruchweg sprach der Sportdirektor über die Hintergründe dieser Trennung zwei Tage nach dem Klassenverbleib in der Bundesliga.

Gehen künftig getrennte Wege: Sportdirektor Rouven Schröder hat am Montag die Trennung von Trainer Martin Schmidt verkündet und über die Hintergründe gesprochen. Foto: Imago„Es war ja angekündigt, dass wir uns nach der Saison hinsetzen werden. Martin und ich haben uns am Sonntagabend zusammengesetzt und hatten ein sehr, sehr langes und intensives Gespräch“, sagte Schröder. Gut viereinhalb Stunden lang diskutierten die beiden sportlich Verantwortlichen über die Situation in einem Mainzer Hotel. „Wir haben über die Saison gesprochen, eine sportliche Analyse gezogen und gleichzeitig auch über die Vertragssituation von Martin. Aus diesen Komponenten ist dann eine gemeinschaftliche Beendigung der Zusammenarbeit gereift und auch so gekommen“, erklärte der 41-Jährige. „Wir brauchen in diesem Verein die klare mittelfristige Planung. Die ist mit noch einem Jahr Vertragslaufzeit mit Martin nicht gewährleistet. Zumal Martin das klare Statement abgegeben hat, dass er seinen Vertrag bei uns nicht über 2018 hinaus verlängert. Deshalb sind wir zusammen übereingekommen, diesen neuen Impuls zu setzen und einen klaren Schnitt zu machen. Das haben wir gemeinschaftlich im Sinne des Vereins entschieden. Ich glaube, dass es auch in Martin zuletzt gereift ist. Er ist das siebte Jahr hier und hat tolle Arbeit in diesem Verein geleistet. Er hat Spuren hinterlassen, er hat strukturell gearbeitet. Vielleicht ist es dann auch ein Gefühl zu sagen, dass jetzt eine Epoche zu Ende ist. Es war klar, menschlich und authentisch von ihm zu sagen, dann ist hier auch Schluss. Es war wichtig eine klare Entscheidung zu treffen.“ Die Mannschaft, die sich bereits am Sonntag in den Urlaub verabschiedet hatte, ist am Nachmittag über die üblichen Kommunikationswege von der Vereinsentscheidung unterreichtet worden.

Der Trainer selbst war, während das Gespräch mit den Journalisten lief, in seinem Büro, wollte sich allerdings am heutigen Tage nicht öffentlich äußern. „Für ihn war es jetzt auch wichtig, sich zurückziehen und nicht noch einmal sprechen zu wollen. Ich glaube, dass ihm die letzten Wochen sehr wehgetan haben, dass in einer Phase, in der es nicht läuft, die negativen Dinge herauskristallisiert werden. Aber ich sage noch einmal, wir gehen absolut im Guten auseinander. Das ist die größte Auszeichnung, wenn du das in der heutigen Profizeit hinbekommst. Martin hat eine Mission erfüllt, hat Mainz in der Liga gehalten, ist letztes Jahr Sechster geworden, hat tolle Arbeit geleistet. Die Situation, das Ganze dann sauber mit einem klaren Schnitt zu beenden, das schafft man auch nicht so oft, gerade in unserem Geschäft. Bei uns herrscht sehr viel Dankbarkeit Martin gegenüber. Wir wünschen ihm alles, alles Gute. Eine solche Trennung ist grundsätzlich immer unangenehm, aber wir müssen letztlich Entscheidungen treffen. Dafür sind wir da“, betonte der Sportdirektor. Schmidts Vertrag ist im Übrigen nicht aufgelöst. Wie Schröder betonte, sei das auch nicht geplant. Das könnte darauf hindeuten, dass der Trainer relativ schnell ein neues Engagement eingehen könnte. Auch die Verträge der beiden Co-Trainer, Sören Hartung und Peter Perchtold, die ebenfalls nicht mehr beim Team sind, laufen weiter. Für die übrigen Trainer wie Stephan Kuhnert oder Axel Busenkell läuft alles wie bisher weiter.

Im Grunde genommen läuft alles nun darauf hinaus, dass Sandro Schwarz der neue Cheftrainer am Bruchweg wird. Der 38-Jährige hatte am Samstag nach dem letzten Spieltag angekündigt, dass er für die Regionalliga nicht mehr zur Verfügung stehe, weil er nun den nächsten Schritt machen wolle. Der Vertrag von Schwarz läuft aus. Das heißt aber auch, sollte sich Schröder für den bisherigen U23-Coach entscheiden, müssen noch Gespräche und neue Vertragsverhandlungen erfolgen. Das ist offenbar bisher noch nicht geschehen. „Sandro hat erfolgreiche Arbeit geliefert. Er hatte in den vergangenen Jahren Angebote aus den höchsten Ligen. Leider ist sein Team nun abgestiegen. Aber er hat 40 Punkte geholt. Das darf man nicht vergessen. Dass er einen anderen Anspruch hat als Regionalliga, ist völlig normal“, sagte Schröder. „Mir war es aber zunächst einmal wichtig, den ersten Schritt zu gehen und eine Entscheidung zu haben. Jetzt kommt der nächste Schritt. Das Ergebnis ist offen. Es darf gerne spekuliert werden. Ich sage aber nichts dazu. Wenn ich nichts dazu sag, heißt das aber nicht, dass es derjenige ist. Die Aufgabe heißt, diese Situation zügig zu regeln, aber auch da mit der nötigen Ruhe und Konsequenz, weil wir die richtige Entscheidung treffen und davon überzeugt sein müssen. Da bringt es nichts zu sagen, in zwei, drei oder vier, fünf Tagen ist der neue Trainer da. Wir müssen 100 Prozent überzeugt sein. Wenn wir 100 Prozent von einer externen Lösung überzeugt sind, wird man das tun, so bitter es wäre, einen so tollen Mann wie Sandro zu verlieren. Nur zu sagen, es wurde immer so gemacht, ist keine Grundlage. Wir werden alle Möglichkeiten ausschöpfen und es ist doch klar, dass Sandro ein Kandidat ist, keine Frage.“

Über die konkreten Gründe, die zur Trennung von Martin Schmidt geführt haben sowie über Inhalte des Vier-Augen-Gesprächs will Schröder nicht reden. „Das ist die Vergangenheit. Es war ein interner Prozess. Jetzt geht der Blick nach vorne.“ Das Anforderungsprofil, das der Schmidt-Nachfolger mitbringen muss, verriet der Sportdirektor jedoch: „Deutschsprachig. Sportlich der Philosophie des Vereins entsprechend. Emotional. Mutig. Risikofreudig. Kommunikativ. Bodenständig. Er muss zu uns passen“, sagte Schröder. Und es wäre auch ganz gut, wenn der Neue eine ganze Menge vom Fußball verstehen würde.

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