„Wir haben da noch was gut zu machen“

Jörg Schneider. Mainz.
Das immer brisante Derby zum Abschluss. Besser und spannender könnte das Fußballjahr im Rhein-Main-Gebiet nicht zu Ende gehen. Der Spielplan der Bundesliga sorgt an diesem 16. Spieltag noch einmal für ein echtes Highlight im gehobenen Mittelfeld der Tabelle mit dem Duell des Sechsten gegen den Achten. Der FSV Mainz 05 tritt heute Abend (20 Uhr) mit dem nötigen Respekt, aber auch mit einem klaren Ziel bei Eintracht Frankfurt an: Auswärtssieg. „Robustheit und körperliche Dominanz zeigen, dann werden wir auch auf der spielerischen Ebene unsere Chancen kriegen und mit neuem Selbstbewusstsein umzusetzen wissen“, sagt der Trainer.

Jubel beim dreifachen Torschützen Danny Latza zum 3:1-Sieg im Heimspiel. Was geht nun für die 05er im brisanten Derby bei Eintracht Frankfurt heute Abend? Foto: Imago Der Spielplan der Bundesliga hält zum Abschluss des Jahres und so kurz vor Weihnachten noch einige Highlights bereit für die Fußball-Fans. Natürlich die Partie der Bayern gegen die Leipziger Emporkömmlinge ganz oben in der Tabelle. Doch auch etwas weiter unten im Mittelfeld bietet eine Partie Brisanz und Spannung. Das Derby in der Commerzbank Arena zwischen der Frankfurter Eintracht und dem FSV Mainz 05. Der Sechste gegen den Achten. 26 Punkte auf der Mainseite gegen 20 am Rhein. Die Eintracht kann mit einem Sieg eine überragende Vorrunde krönen. Ein 05-Erfolg hielte den Mainzern die Möglichkeit offen, zum Vorrundenende im neuen Jahr zu Hause gegen die Kölner das Top-Hinserien-Ergebnis aus dem Vorjahr zu überbieten. Da liegt also viel drin in dieser immer spannenden Partie. Ungeachtet der ewigen Diskussion über den Derbystatus dieser Begegnung.

„Da ist genügend Brisanz drin, egal wie man es schlussendlich nennt“, sagt Martin Schmidt vor dem Treffen am Dienstagabend um 20 Uhr. „Das wird ein Leckerbissen. Es geht um viel. Da spielt der Sechste gegen den Achten. Da geht es darum, vorne den Anschluss zu behalten. Da geht es um persönliche Ziele, um Ziele fürs Team und für den Verein. Das wird eine spannende Angelegenheit, sich da zu stellen“, weiß der 05-Trainer. „Derby hin oder her. Ich weiß es ja auch nicht und die Fans sind sich ja immer nicht einig darüber. Sie sollen selbst entscheiden, ob es ein Derby ist. Für uns ist es in erster Linie ein sehr wichtiges Spiel in der Nachbarschaft gegen einen Gegner, den man gut kennt.“

Und gegen einen Gegner, mit dem man noch eine Rechnung offen habe, sagt der Schweizer. „Wir haben da sicher noch was gut zu machen aus dem Frühling. Als wir für ihre Spielweise nicht richtig bereit waren. Heute wissen wir, dass wir gegen eine formstarke Truppe antreten müssen.“ Im April verloren die Mainzer in Frankfurt 1:2. Das soll sich nicht wiederholen.  Die Richtung ist klar: „Wenn wir auf Reisen gehen, ist immer der Sieg unser höchster Anspruch. Das steht auch in Frankfurt ganz klar im Vordergrund, weil wir durch das Hamburg-Spiel noch mutiger, noch selbstbewusster dahin fahren“, erklärt der 49-Jährige. Das 3:1 in dieser schwierigen Auseinandersetzung mit dem HSV im eigenen Stadion habe viel bewirkt. „Direkt nach dem Spiel hat man gesehen, dass sich da bei vielen was gelöst hat, was vorher an Zweifel drin war. Deshalb war die Freude so groß. Wir haben jetzt regeneriert, die Spielanalyse erledigt und uns vorbereitet. Die Spieler sind schon wieder griffig und hungrig aufs nächste Spiel.“

Die Zuversicht ist groß bei den 05ern am Bruchweg, das Momentum auf ihrer Seite zu haben. Nach dem formidablen Start hat die Eintracht keines ihrer letzten drei Spiele gewonnen, geht nach einem 0:1 in Wolfsburg nun in dieses Derby. Die Mainzer vermitteln zumindest nach außen hin, dass sie mit breiter Brust dort auflaufen. „In der Phase, in der sich Gewissheit und Zweifel abwechseln, was ja im Leben normal ist, gibt ein solcher Sieg die Gewissheit, wir sind da, wir sind robust. Wir haben gegen die Hamburger ab der 20. Minute die Zweikampfstatistik klar dominiert. Das ist der Ansatz. Diese Zweikampf-Leidenschaft, die Griffigkeit, die müssen wir mit reinpacken in den Bus und dann in Frankfurt auf den Platz bringen“, sagt Schmidt. „Robustheit und körperliche Dominanz zeigen, dann werden wir auch auf der spielerischen Ebene unsere Chancen kriegen und mit neuem Selbstbewusstsein umzusetzen wissen.“

Das klingt gut, doch gerade das Team von Nico Kovac wird in Sachen Robustheit und Zweikampfstärke nicht hinten anstehen. Im Gegenteil. Die Frankfurter pflegen eine aggressive Spielweise unter Kovac, führen krachende Zweikämpfe überall auf dem Feld und sind in der Umschaltung sehr effizient. Das weiß auch Schmidt. „Frankfurt hat eine sehr gute Defensivstruktur, sehr eng verdichtete Räume, in denen sie ihre Zweikämpfe führen, auch richtig robust“, sagt der Coach. „Das macht sie aus. Sie sind mit zwölf Gegentreffern das zweitbeste Defensivteam der Bundesliga. Sie kriegen im Schnitt weniger als ein Tor pro Spiel. Das zeigt, dass sie knallhart zu arbeiten wissen. Das hat viel mit guter Raumaufteilung zu tun und körperlichem Spiel gegen den Ball.“ Für seine Startaufstellung bedeute dies, dass der Trainer auf der einen oder anderen Position dem robusteren Spieler den Vorzug gebe gegenüber dem kreativeren. „Trotzdem brauchen wir auf manchen Positionen auch die Kreativität. Die Dynamik in den Räumen. Deshalb werden wir eine homogene Mannschaft auf den Platz stellen können, die alles abrufen wird. Es wird schon ein spezielles Spiel geben auf dieser Ebene mit ein paar kernigen Duellen.“

Darauf wird sich vor allem auch Jhon Cordoba ganz vorne einstellen müssen. „Jhon freut sich drauf, da kenn ich ihn. Er kann sich gegen jeden Gegner wehren. Ob das dann gegen Abraham, Hasebe, Hector oder wen auch immer ist, werden wir dann sehen“, sagt Schmidt, der glaubt, dass sich sein Mittelstürmer, der nach der Sperre zu alter Form, der bekannten Wucht und zu altem Durchsetzungsvermögen zurückgefunden hat, in Frankfurt ähnlich auffällig zeigen kann wie zu Hause gegen die Hamburger.

Selbstbewusst, zuversichtlich, aber ausgestattet mit dem nötigen Respekt vor diesem Gegner fahren die 05er an den Main. „Den Tabellenplatz hat man sich erarbeitet. Die Frankfurter sind wirklich formstark in  diesem Jahr. Sie sind nicht zu Unrecht da vorne aufgrund ihrer Qualität, die sie im Vergleich zum Vorjahr verbessert haben, und die der neue Trainer herausgekitzelt und weiterentwickelt hat“, betont Schmidt. Die Spannung ist groß vor diesem Nachbarschaftsduell und in der Frage, wer sich am Ende durchsetzen wird.  

Denn auch Kovac fordert von seinem Team den Erfolg und die Aufrechterhaltung der bisher so guten Heimbilanz mit vier Siegen und drei Unentschieden. „Bisher sind wir zu Hause sehr stark, das möchte ich morgen sehen", sagt der Eintracht-Coach. „Wir werden genauso scharf sein, wie in den letzten Spielen zu Hause. Wir haben eine gute Frische. Wir sind ausgeruht und müssen alles reinschmeißen, denn das wird nötig sein." Denn auch Kovac zeigt Respekt vor dem Gegner aus Mainz. „Dort ist die Mannschaft der Star. Jeder ordnet sich unter. Sie sind ein starkes Kollektiv, spielen nach vorne sehr variabel, haben Geschwindigkeit und gute Standardschützen."

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