„Wir machen noch immer mehr richtig als falsch“

Jörg Schneider. Mainz.
Nach zwei Niederlagen in dieser Englischen Woche ist der Druck auf das Team des FSV Mainz 05 stärker geworden. Der Bundesligist braucht dringend ein Erfolgserlebnis im Heimspiel an diesem Samstag in der Opel Arena gegen den FC Ingolstadt (15.30 Uhr), um das Zwischentief zu überwinden, nicht weiter ins Hintertreffen zu geraten und sich neue Motivation für das danach anstehende, ebenso wichtige Europaliga-Auswärtsspiel beim RSC Anderlecht zu holen. „Ich bin zuversichtlich, dass wir diese Herausforderung bestehen“, sagt Martin Schmidt. „Im Moment machen wir noch immer mehr richtig als falsch.“

Im vergangenen Heimspiel gegen Darmstadt 98 klemmte es im Abschluss bei Jhon Cordoba. Unter der Woche erzielte der Mittelstürmer einen Treffer nach seiner Einwechslung. Gegen den FC Ingolstadt dürfte er nun wieder von Beginn an auf Torejagd gehen. Foto: Ekkie Veyhelmann Das Pokal-Aus unter der Woche in Fürth wirkt zwar noch immer nach beim FSV Mainz 05, doch wenn es darum geht, die genauen Gründe zu benennen, warum der FSV Mainz 05 in dieser Saison immer wieder diese Probleme hat, eine eigene Führung in einem Spiel über die Zeit zu bringen, dann fischt auch der Trainer noch immer stark im Trüben und kann im Grunde nur auf den grundsätzlichen Lernprozess verweisen, den seine Mannschaft nach wie vor durchlebt. „Wenn ich wüsste woran das liegt und ich einen Schlüssel dafür hätte, würde ich das sofort abstellen“, sagt Martin Schmidt vor dem Bundesliga-Heimspiel am Samstag in der Opel Arena gegen den FC Ingolstadt. „Auch nach dem Pokalspiel suchen wir noch den Schlüssel. War es Überheblichkeit, weil das Spiel im Griff und der Gegner nicht so aggressiv war? War für einige das Spiel schon fertig?“, rätselt der 49-Jährige nach dem unrühmlichen Pokal-Aus bei der SpVgg Greuther Fürth.

„Man muss sicher vieles auch individuell sehen. Da waren einige Spieler auf dem Platz, die waren frisch und einige, die wirklich in elf Tagen vier Spiele gemacht haben. Da kann plötzlich bei einem finalen Sprint der letzte Zweikampf fehlen oder die letzte Wachsamkeit. Die letzte Konsequenz und Konzentration. Davor sind wir nicht gefeit, weil wir nicht 20 fertige Bundesligaspieler haben, sondern viele Spieler, die erst zum Bundesligaspieler reifen. Das sind alles Lernphasen die wir durchmachen und nach einem solchen Spiel frustriert annehmen.“ Dennoch sieht Schmidt keinen Grund, die Gesamtsituation als kritisch oder krisenhaft zu bezeichnen. „Trotz allem können wir konstatieren, dass wir in den letzten zehn Spielen einen Schnitt von 1,5 Punkten geholt haben. Das ist der Mainz-Schnitt. Wir sind im normalen Soll, aber nicht gefeit vor Pannen. Wichtig ist, dass wir die Pannen ansprechen und aufarbeiten. Wir werden solider werden, davon bin ich überzeugt. Weil das Team lernfähig ist und lernfähig sein will. Das war im letzten Jahr ähnlich. Diese Team-Entwicklungsphasen sind da, um besser zu werden. Deshalb braucht man auch selche Dellen. Da arbeiten wir uns auch wieder raus.“

Schmidt rät, sich mal die Konkurrenz genauer zu betrachten. Besonders jene Klubs, die ebenfalls europäisch unterwegs sind. „Gladbach Platz zehn, Leverkusen Platz elf, Schalke Platz 14. Dortmund hängt in den letzten drei, vier Spielen etwas durch“, zählt der 05-Coach auf. „Alle haben nur noch 16 Spieler, alle haben diese Ermüdungsaufstockung. Es ist eine Phase in der Gesamtheit dieses Umfangs. Wir haben vier Auswärtsspiele in zwei Woche. Wir werden die letzten Tage bis zur Länderspielpause noch runterhacken und dann gucken, zu Kräften zu kommen, durchschnaufen, Luft holen. Ich bin zuversichtlich, dass wir diese Herausforderung bestehen. Im Moment“, erklärt Schmidt, „machen wir noch immer mehr richtig als falsch.“

Sein Sportdirektor hatte sich nach der Niederlage bei den Franken kritisch mit der Leistung des Teams auseinandergesetzt, schlägt aber jetzt vor, dieses Kapitel zu beenden und nach vorne zu schauen. „Das Wichtigste ist, die Dinge in Ruhe analysieren und angehen. Es gibt absolut keinen Grund, alles in Frage zu stellen“, sagt Rouven Schröder. „Wir sehen Fürth kritisch. Aber ich schaue auf die Tabelle und sehe uns auf Platz neun. Das ist ein richtig guter Stand ohne damit zufrieden sein zu wollen. Das gilt auch für die Europaliga. Wir wissen schon, was gut und was schlecht läuft. Fürth ist passiert, jetzt geht’s gegen Ingolstadt. Ich bin guten Mutes, dass es da sehr gut weiter geht. Danach können wir es wieder neu bewerten.“  

Durch die zwei Niederlagen in dieser Woche, dem 0:3 beim FC Schalke 04 und dem 1:2 im Pokal, ist jedoch der Druck auf die Mannschaft gewachsen. Die 05er brauchen im Heimspiel gegen den Tabellenvorletzten nun dringend ein Erfolgserlebnis, um aus dieser Leistungs- und Ergebnisdelle, wie Schmidt das nennt, keinen Trend zu machen. Und sich neue Motivation zu holen für das so wichtige Gruppenspiel in der Europaliga beim RSC Anderlecht am kommenden Donnerstag. „Der Druck ist doch immer da“, sagt der 05-Trainer. „Wir werden das Heimspiel so ähnlich angehen, wie wir Darmstadt angegangen sind.“ Schmidt erwartet am Samstag schon eine gewisse Selbstheilungskraft, eine gewisses Jetzt-erst-recht-Reaktion der durch zwei Niederlagen gefrusteten Spieler. „So eine Gemütslage ist sicher drin im Team. Jeder weiß, dass er mehr bringen muss. Die  Gemengelage ist deshalb eigentlich ganz gut, um ein gutes Heimspiel zu liefern, um von Anfang an präsent und aggressiv zu sein.“

Die Partie in der Opel Arena gegen diesen Tabellenvorletzten dürfte vom Ansatz her vergleichbar sein mit der unter der Woche. „Ich will niemandem zu nahe treten, aber ich glaube, dass es so ähnlich wird wie in Fürth. Aber halt in allem noch einen Tick besser. Der Gegner wird in der Defensivarbeit aggressiver sein, auch noch vorne aggressiver und sehr gerne im Pressing arbeitend. Ihr Umschaltspiel wird mehr Qualität haben und schärfer sein“, vermutet der 05-Coach. „Ein ähnlicher Ansatz, aber in allem intensiver.“

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