„Wir nehmen die Herausforderung an“

Jörg Schneider. Mainz.
Zumindest die personelle Zusammensetzung der Mannschaft sollte dem FSV Mainz 05 keine Sorgen bereiten vor diesem Auswärtsspiel zu Beginn der Englischen Woche in der Bundesliga beim FC Ingolstadt. Martin Schmidt muss vom Stammpersonal nur Gaetan Bussmann ersetzen, der wegen einer Adduktorenverletzung weiterhin ausfällt. Dafür gibt es Entwarnung bei Daniel Brosinski, der unter der Woche das Training abbrechen musste. Der Verteidiger kann spielen. Und auch Stefan Bell kehrt nach seiner Sperre zurück in die Mannschaft.

Entwarnung: Daniel Brosinski, der am MIttwoch nach einem Zweikampf im Training die Einheit verletzt abbrechen musste, kann in Ingolstadt spielen. Foto: Ekkie VeyhelmannVom Stammpersonal muss Martin Schmidt am Sonntag im Auswärtsspiel beim FC Ingolstadt nur Gaetan Bussmann ersetzen. Der Franzose leidet noch immer an einer Adduktorenverletzung, ist aktuell nicht im Trainingsbetrieb und steht deshalb nicht zur Verfügung. Der Trainer des FSV Mainz 05 braucht allerdings deswegen auf der linken Abwehrseite keine Umstellung vorzunehmen. Denn im Falle von Daniel Brosinski gibt es inzwischen Entwarnung. Der Verteidiger hatte am Mittwoch das Training vorzeitig abbrechen müssen, weil er in einem Zweikampf einen Schlag gegen den Knöchel kassiert hatte. „Es ist aber nicht schlimm, Daniel kann wieder ganz normal trainieren und spielen“, sagt Schmidt. Umstellen wird der Coach seine hintere Viererkette dennoch. Stefan Bell wird wohl nach seiner Sperre wieder ins Team rücken. Ob dann Bell und Niko Bungert die beiden Innenverteidigerplätze einnehmen, ob Andrej Ramalho Bells Partner bleibt oder ob der Brasilianer möglicherweise nach vorne auf die Sechs rückt, darüber gibt es keine Antworten des Trainers nach der Spieltags-Pressekonferenz. Schmidt hält sich bedeckt, was die Aufstellung betrifft, deutet nur an, dass es auf den Gegner und den eigenen Matchplan bezogene Umstellungen zu erwarten sind und bringt nominell eigentlich nur den wiedergenesenen Karim Onisiwo ins Gespräch als zusätzliche Angriffsoption. „Er wird uns helfen, weil er Tempo, Gewalt und Kraft auf die Bahn bringt."

Die Partie dieses 26. Spieltages am Sonntag beim Tabellenvorletzten der Bundesliga bildet bekanntlich den Auftakt einer Englischen Woche mit dem anschließenden Heimspiel gegen die Leipziger und dem Auswärts-Auftritt beim Sportclub Freiburg. Eine heiße Phase im Abstiegskampf, die von vielen als Woche der Wahrheit bezeichnet wird. Die Mainzer müssen dringend ein positives Zeichen setzen, dass sie in diesem Abstiegskampf angekommen sind, die Situation verinnerlichen, sich mit aller Macht dagegenstemmen und in der Lage sind, den dünnen Vorsprung von zwei Zählern auf den Relegationsplatz nicht endgültig zu verspielen. Die Verantwortlichen sind überzeugt davon, dass der Mannschaft dies gelingt.

Von Angst oder Verkrampfung angesichts der Drucksituation sei nichts zu spüren, versichert Schmidt. „Die Stimmung ist gelöst. Die Spieler schienen frei in den Köpfen. Es war  wichtig, das hinzukriegen, nicht ständig daran zu denken, was passieren kann, sondern dass die Profis an die eigene Stärke glauben und daran arbeiten. Wir haben uns die ganze Woche auf diese Partie vorbereitet. Es ist eine entscheidende Woche für die halbe Liga. Wir sind nicht die einzigen, die unter Druck stehen. Wir gehen das ganz ruhig an, dramatisieren nichts. Die Herausforderung ist da, die nehmen wir an“, betont der 49-Jährige. Die vergangenen Trainingseinheiten seien geprägt gewesen von Ernsthaftigkeit und Wichtigkeit. „Es geht nur so, dass wir ruhig in der Arbeit drin bleiben, in den Prinzipien drin bleiben, diese verbessern, unser Offensivspiel verschärfen, unser Defensivspiel weiter stabilisieren.“ Er habe den Eindruck, sagt Schmidt, dass sein Kader an dieser Situation und der Herausforderung wachse. „Es geht gerade ein Entwicklungsschritt ab innerhalb des Teams. Das Team einigt sich, es eint sich. Man merkt, dass sich der innere Kern stärkt, dass die Mannschaft eng zusammenrutscht. In der Kabine aber auch neben dem Platz. Trotzdem bleibt das, was auf dem Platz passiert das Wesentliche. Es geht immer darum, die Leistung sprechen zu lassen. Die Trainings haben alle so ausgesehen, das geht in diese Richtung. Das sind Zeichen. Deshalb sind wir sehr zuversichtlich. Das sind keine leeren Worte, sondern man spürt das.“

Die Mannschaft sende in jedem Training Signale und gebe dem Trainer Anhaltspunkte über die aktuellen Befindlichkeiten. „Man gibt täglich als Trainingsziele Schwerpunkte vor. Danach wird die Einheit bildlich analysiert, besprochen und aufgearbeitet. Man hat natürlich ein subjektives Empfinden, man hat Lauf- und Sprintdaten, Trainingsvergleiche“, berichtet der Coach. „Es ist nicht so, dass wir heute im Training nur halb so viele Tore schießen wie früher. Es kommt auch immer drauf an, wie die Teams zusammengestellt sind, was ich als Schwerpunkt sehen will. Diese Trainingsreize sind deutlich zu erkennen. Die Spieler, die in Form sind, sieht man. Man sieht, wer die Situation annimmt, wer unbedingt spielen will. Man sieht, wer etwas mit sich herumschleppt und nicht so in Form ist.“ Diese Eindrücke zusammen ergeben das Bild, das die Aufstellung für das kommende Spiel bestimmt. Schmidt weiß aber auch, dass sich das in der Praxis, wenn der Gegner ins Spiel kommt, bestätigen muss. „Wir arbeiten in allen Bereichen. Schlussendlich ist es natürlich so, ob die Trainingsarbeit fruchtet und es Fortschritte gibt, wird man immer wieder erst im Abgleich beim Wettkampf sehen.“

In Ingolstadt, das ist sicher, steht den 05ern am Sonntag ein heißer Wettkampf bevor. Für den Tabellenvorletzten ist die Partie gegen die Mainzer so etwas wie Strohhalm, an den sich der Abstiegskandidat klammert, um mit einem Heimsieg gegen die auswärts bisher so wankelmütigen 05er vielleicht doch noch einmal näher heranzukommen. Entsprechend hektisch und emotional wird es dort im Stadion zugehen. Das heißt, dass sich die 05-Profis dort nicht nur kämpferisch und von der Einstellung her in bester Verfassung zeigen müssen, sie benötigen zudem auch bei allem einen kühlen Kopf und Qualität in ihrem Spiel. „Wir wissen, dass mit einem Sieg noch nichts erreicht, mit einer Niederlage noch nichts verloren ist“, sagt der 05-Trainer. „Für uns ist aber Fakt, dass wir dahinfahren und eine Leistung zeigen wollen, die drei Punkte bringen soll. Wir lassen uns nicht entmutigen, sondern fordern uns erneut. Wir wollen drei Punkte und werden das so ansteuern.“

 

 

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