"Wir sind im ordentlichen Soll"

Jörg Schneider. Wolfsburg.
Der FSV Mainz 05 geht nach dem 1:1 beim VfL Wolfsburg mit sieben Punkten aus sieben Spielen in die zweite Liga-Unterbrechung der Saison. „Natürlich sind wir lange nicht zufrieden mit der Punktausbeute“, sagt Stefan Bell. „Aber jetzt in den letzten Spielen haben wir einen guten Trend drin, haben uns nach dem schwachen Start gefangen. Das ist okay. Wir sind voll in der Spur. Jetzt sortieren wir uns nochmal neu, dann geht’s weiter.“ Danny Latza wird in der nun anstehenden Länderspielpause einige Tage aussetzen. Der Mittelfeldspieler hat sich eine Quetschung der Achillessehne zugezogen.

An einer Frage kam keiner der Spieler des VfL Wolfsburg nach dem 1:1 gegen den FSV Mainz 05 in der Interviewzone vorbei. Wie es denn möglich sein könne, dass der „kleine“ Yoshinori Muto ein Kopfballtor habe erzielen können? Eine richtig schlüssige Antwort darauf hatte keiner der Befragten. Vielleicht auch deshalb nicht, weil die Frage am Thema vorbei ging. Yoshinori Muto hat 179 Zentimeter geballte Power. Sein Gegenspieler in der fraglichen Szene, von dem sich der Japaner nach der präzisen Flanke von Levin Öztunali geschickt löste, war Paul Verhaegh. Der misst 178 Zentimeter, ist also einen Zentimeter kürzer als der 05-Mittelstürmer und hätte auch dann, wenn Verhaegh den Luftzweikampf entschlossen geführt hätte, Probleme gehabt diesen Treffer zum Ausgleich zu verteidigen. So aber spielte Muto ungehindert seine Stärken aus und erzielte dank perfekter Kopfballtechnik, präzisem Timing mit optimaler Schnellkraft ein sensationell schönes Tor. Sein drittes in dieser Saison, das den 05ern ein mehr als verdientes Unentschieden bescherte. „Yoshi hat eine unglaubliche Power und Sprungkraft“, sagte Daniel Brosinski nachher begeistert von der Aktion des Japaners. „Yoshi macht ein überragendes Tor. Er ackert vorne permanent, kann bis zum Schluss durchpowern. Er ist richtig gut drauf. Wir sind froh, dass wir ihn haben“, fügte Sportvorstand Rouven Schröder hinzu. Und der 05-Trainer lobte seinen Stürmer dafür, dass der Nationalspieler in dieser Saison mehr und mehr seine Qualitäten für die Mannschaft einbringt und die wichtigen Treffer erzielt. Hätte Koen Casteels in der 16. Minute nicht reflexartig reagiert, als Fabian Frei Muto mit einem feinen Schnittstellen-Pass alleine vor dem VfL-Torhüter in Stellung brachte, der Sieg wäre wohl noch greifbarer gewesen, als er ohnehin schon war nach der starken Mainzer Schlussphase.

Doch die Dinge liefen nicht so wie sie hätte laufen können, angesichts der Mainzer Dominanz in der ersten halben Stunde. Muto scheiterte, Danny Latza mit einem Distanzschuss ebenfalls. Die 05-Profis belohnten sich nicht für diesen Auftritt, verloren stattdessen phasenweise den Faden. Die Folge: Das neue Team von Martin Schmidt kam zu Möglichkeiten und ging durch den Kopfball von Joshua Guilavogui nach einer Standardsituation, in der die Mainzer Abwehr nicht im Bilde war, in Führung. Mutos Ausgleich brachte den Punktgewinn.

„Gut, dass wir wenigstens einen Punkt geholt haben. Den hatten wir auf jeden Fall verdient“, sagte der 05-Kapitän nachher. „Wir waren bis zum 0:1 besser und hatten auch am Ende nochmal richtig gute 15 Minuten. Eigentlich sind wir zufrieden mit der Art und Weise, wie wir aufgetreten sind. Wenn wir hier an drei Punkten schnuppern und holen einen verdienten Punkt, dann war das ein gutes Auswärtsspiel.“ Sieben Punkte aus den letzten fünf Spielen nach den beiden Auftaktpleiten. Aktuell Platz 13. Es hätte auch schlimmer kommen können. „Wir sind im ordentlichen Soll“, sagte Stefan Bell, „Man muss ja auch sehen, dass wir ein paar sehr starke Gegner hatten. Natürlich sind wir lange nicht zufrieden mit der Punktausbeute. Aber jetzt in den letzten Spielen haben wir einen guten Trend drin, haben uns nach dem schwachen Start gefangen. Das ist okay. Wir sind voll in der Spur. Jetzt sortieren wir uns nochmal neu, dann geht’s weiter.“

Eine Schüsselszene? Joshua Guilavogui hätte für das Foul an Jean-Philippe Gbamin Gelb-Rot sehen müssen. Schiedsrichter Robert Hartmann entschied erst auf Vorteil und behauptete später, er hätte gar nicht auf Foul erkannt. Foto: imagoEine leichte Entwarnung gibt es unterdessen bei Danny Latza. Der Sechser war in der Nachspielzeit mit einer rüden Attacke von PG Ntep gefoult worden, hatte sich am Fuß verletzt, aber weiter spielen müssen, weil das Auswechselkontingent von Sandro Schwarz erschöpft war. Die Verletzung sah schlimm aus, Latza quälte sich, konnte aber kaum noch einen Schritt gehen. Am Sonntag hieß es am Bruchweg, der 27-Jährige habe eine leichte Achillessehnenquetschung erlitten, müsse ein paar Tage pausieren. Das Ganze sei aber nichts Schlimmes. Ntep sah für die Aktion die Gelb-Rote Karte. Der VfL-Stürmer war erst in der Schlussphase eingewechselt worden, hatte dann für sein Foul an Karim Onisiwo beim 05-Konter, der zunächst zum Elfmeterpfiff von Robert Hartmann geführt hatte, Gelb gesehen. Der Schiri korrigierte bekanntlich anschließend nach Anhörung des Video-Assistenten richtigerweise auf Freistoß. Die Aktion geschah vor dem Strafraum.

In einem anderen Fall lag der Referee jedoch komplett daneben. Hartmann zeigte beim Foul von Guilavogui gegen Jean-Philipp Gbamin Vorteil an, ließ den Angriff weiter laufen und verschonte anschließend den Mittelfeldspieler, der - darüber waren sich alle übrigen Beteiligten einig - für diese Aktion eigentlich vom Platz gemusst hätte. Die Gelbe Karte hatte der Torschütze zum 1:0 bereits nach sieben Minuten kassiert. Hartmann sah das offenbar ganz anders, wie Rouven Schröder auf Nachfrage erfuhr. „Der Schiedsrichter hat mir gesagt, dass er die Situation nicht als Foul eingeschätzt hat. Klar, dann kann er auch nicht Gelb-Rot geben.“

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