„Wollten und mussten jetzt ein Zeichen setzen“

Jörg Schneider. Mainz.
Der Vorstand des FSV Mainz 05 hat mit einer drastischen Maßnahme auf die Pyro- und Feuerwerksaktion von Teilen der Mainzer Fanszene vor und während des Auswärtsspiels beim SV Darmstadt 96 reagiert und der Ultra-Szene Mainz (USM) das Auswärtskarten-Kontingent für den Rest der Saison entzogen. Sollte es unterdessen mit Hilfe der hessischen Behörden gelingen, einzelne Personen als Verursacher zu identifizieren und zur Verantwortung zu ziehen, sei der Vorstand in der Lage, die jetzt getroffene Entscheidung zu überprüfen, sagte 05-Vize Jürgen Doetz.

Auf die Feuerwerksaktion in Darmstadt regaierte der FSV Mainz 05 mit einer drastischen Maßnahme und entzog der Ultra-Szene das Auswärtskarten-Kontingent. Foto: ImagoDer FSV Mainz 05 hat mit einer drastischen Maßnahme auf die Vorfälle im Gästeblock vor und während des Auswärtsspiels beim SV Darmstadt 98 reagiert. Der Vorstand des Bundesligisten erklärte nach seiner Sitzung am Montagabend, dass Mainz 05 der Ultra-Szene Mainz (USM) für die restlichen Auswärtsspiele dieser Saison keine Eintrittskarten mehr zur Verfügung stellen werde. Die USM genoss bisher unter anderem das Privileg, Pauschalkontingente für Auswärtsbegegnungen beim Verein abrufen zu können. „Der Vorstand des 1. FSV Mainz 05 verurteilt das Verhalten von Teilen der Mainzer Fanszene im Rahmen des Bundesligaspiels beim SV Darmstadt 98 am Samstag auf Schärfste. Diese hatten im Jonathan-Heimes-Stadion massiv und wiederholt Pyrotechnik, Raketen und Böller gezündet und damit die Gesundheit anderer Personen erheblich gefährdet“, heißt es in der Vorstands-Erklärung. Und weiter: „Der 1. FSV Mainz 05 bittet alle Fans und Sicherheitskräfte, die unter diesen Belästigungen leiden mussten, um Entschuldigung. Dies gilt insbesondere auch für die große Mehrheit der Mainzer Fans, welche die Mannschaft bei diesem Auswärtsspiel friedlich unterstützt hat. Der 1. FSV Mainz 05 wird mit aller Konsequenz und in enger Abstimmung mit den Sicherheitsbehörden versuchen, die Täter ausfindig zu machen. Für diesen Fall wird der Verein Regressansprüche für die zu erwartende Strafe des Deutschen Fußball-Bundes gegenüber diesen Personen geltend machen.“

Da der Schiedsrichter wegen der Feuerwerks-Aktion die Partie später anpfeifen musste und dies in seinem Bericht vermerkte, rechnet der Klub damit, dass die zu erwartende Strafe vom DFB-Sportgericht im mittleren fünfstelligen Bereich angesiedelt sein dürfte. Die 05er haben in der laufenden Saison bereits insgesamt 47.000 Euro für ähnliche Vorfälle bei den Europaligaspielen in Anderlecht und Saint-Etienne sowie beim Bundesligaspiel in Dortmund an Strafe zahlen müssen.

„Wir vom Vorstand waren ja fast alle Zeuge dieses recht großen Spektakels am Samstag in Darmstadt, das noch einmal eine neue Qualität erreicht hat“, sagte Jürgen Doetz der nullfünfMixedZone am Mittwoch. „Wir fühlten uns sofort an Saint-Etienne erinnert, aber auch daran, dass wir seinerzeit anhand der Video-Auswertung die Täter ermitteln und dafür haftbar machen wollten. Das war leider nicht gelungen“, so der Vorstands-Sprecher. „Dadurch konnte der Eindruck entstehen, dass der Verein nicht handelt. Unsere Fans und Anhänger haben aber einen Anspruch darauf, dass der Verein entscheidet und handelt. Wir wollten und mussten jetzt ein Zeichen setzen“, sagte Doetz.

Die Verantwortlichen seien sich dessen bewusst, dass eine solche Kollektivstrafe immer nur die zweitbeste Lösung sein könne. „Wenn wir aber keine Chance haben, die dafür verantwortlichen Personen zu ermitteln, bleibt uns nur die Entscheidung, die wir jetzt getroffen haben“, sagte der 05-Vize-Präsident. Doetz betonte allerdings, er sei optimistisch, dass in Zusammenarbeit mit den hessischen Behörden einzelne Personen aus der Verursachergruppe ermittelt und identifiziert werden könnten, die dann mit Regressansprüchen des Vereins in Höhe der zu erwartenden DFB-Strafe rechnen müssten. „Wenn es gelingt, diese Personen eindeutig feststellen zu können und in Regressforderung zu nehmen, sind wir in der Lage, diese jetzt getroffene Pauschalregelung zu überprüfen. Denn noch einmal: Das ist nur die zweitbeste Lösung.“

Unabhängig von der Darmstadt-Problematik hat sich die 05-Führung am Montag mit der Gründung der geplanten Fan-Abteilung beschäftigt, die Teil der neuen Satzung ist und von der Mitliederversammlung im vergangenen November beschlossen worden war. Und die künftig einen Sitz im Aufsichtsrat erhalten soll. „Es ist klar, dass wir die vorbereitenden Maßnahmen zur Gründung dieser Fan-Abteilung Zug um Zug weiterführen werden. Die aktuelle Geschichte hat darauf keinen Einfluss“, sagte der 05-Vize. „Wir sind eindeutig für eine Fan-Abteilung, aber ebenso eindeutig gegen Pyro und Feuerwerk im Stadion.“

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