„Yunus weiß, was auf ihn zukommt“

Jörg Schneider. Mainz.
Anfang Januar bestimmte Yunus Malli bundesweit die Schlagzeilen mit seinem Blitztransfer zum VfL Wolfsburg. Rund 12,5 Millionen Euro Ablöse kassierte der FSV Mainz 05 für seinen Top-Scorer. Am Samstag kommt der Zehner mit seinem neuen Klub zum Gastspiel erstmals wieder in die Opel Arena zurück. „Ich denke, wir freuen uns mehr darauf, dass er wieder her kommt als er selbst“, vermutet Stefan Bell, der dem Ex-Kollegen einen schweren Stand verspricht. „Yunus weiß, was auf ihn zukommt in Mainz“, sagt der 05-Kapitän.

Der Trainer des FSV Mainz 05 hat im Mediengespräch vor dem Heimspiel am Samstag (15.30 Uhr) gegen den VfL Wolfsburg noch einmal eindringlich darauf hingewiesen, dass die Qualität im Kader des kommenden Gegners extrem hoch sei und niemand in der Opel Arena damit rechnen müsse, dass da eine Mannschaft auflaufe, die einfach zu schlagen sei. Von der individuellen Qualität her müsse der VfL Wolfsburg normalerweise zu den Top-Teams der Liga gehören, betonte der 49-Jährige. Doch irgendetwas muss ja gewaltig schief laufen in Wolfsburg, wenn das Team mit einem geschätzten Marktwert von 157 Millionen Euro (zum Vergleich: die 05er werden in dieser Statistik mit 77 Millionen geführt) aktuell auf Platz 14 der Bundesliga steht, nur zwei Punkte entfernt vom Relegationsplatz. Und in dieser Saison mit Andries Jonker als Nachfolger von Dieter Hecking und Valérien Ismael schon den dritten Trainer beschäftigt. Und der dazu auch schon mit Olaf Rebbe für Klaus Allofs den Manager getauscht hat. Ein Klub, der in der Winterpause auch personell noch einmal kräftig nachlegte, Yunus Malli für 12,5 Millionen Euro Ablöse plus Erfolgs-Boni von den 05ern weglockte, für das Mittelfeld-Talent Riechedly Bazoer von Ajax Amsterdam zwölf Millionen ausgab und weitere fünf Millionen Euro für den Linksaußen Paul-Georges Ntep von Stade Rennes hinblätterte.

Rouven Schröder fühlte sich am Donnerstag nicht berufen, auf dieses Thema näher einzugehen und Ursachenforschung für die Krise beim kommenden Gegner zu betreiben. „Über andere Vereine äußere ich mich nur sehr ungern“, sagte der 05-Sportdirektor. „Ferndiagnosen stimmen meist sowieso nicht. Ich nehme lieber den Standardspruch: Wir haben mit uns selbst genug zu tun.“ Jeder wisse, dass die Wolfsburger einen ganz hervorragenden Kader hätten, mit einem Riesenpotenzial. „Es gibt aber solche Saisons, in den es einfach mal nicht so läuft. Trotzdem werden wir auf eine starke Mannschaft treffen. Es kommt ein Gegner, der zurzeit 22 Punkte hat, normalerweise aber deutlich unter den ersten fünf stehen muss. Von daher sind wir gewarnt.“

Der letzte richtig erfolgreiche Auftritt von Yunus Malli in der Opel Arena: Beim 4:2-Sieg über den SC Freiburg erzielte der Jetzt-Wolfsburger einen Treffer und war an zwei weiteren beteiligt. Foto: Ekkie VeyhelmannIn jedem Fall gibt es das erste Treffen mit Yunus Malli, seit dessen vorzeitiger Abreise aus dem Winter-Trainingslager in Marbella Anfang Januar. „Jetzt ist es Yunus, aber wir haben doch relativ oft die Situation, dass einer unserer ehemaligen Spieler hier als Gegner auftaucht“, sagt der 05-Trainer. „Das sind Komplimente für Mainz 05, wenn man sieht, mit welchen Top-Klubs unsere Ehemaligen hier antanzen. Wir freuen uns aber auf Yunus, weil er hier ja wirklich über fünfeinhalb Jahre Top-Arbeit geleistet, jedes Jahr einen draufgelegt hat und nun als gut ausgebildeter Spieler seinen nächsten Schritt macht. Er hat den Wechsel bisher bestätigt. Wolfsburg tut ihm gut. Er ist Stammspieler geworden, hat das Spiel an sich gerissen, ist vorne drin Dreh- und Angelpunkt, schießt die Standards. Ich sehe ihn so oft am Ball wie selten zuvor. Daran sieht man, dass er dort gut aufgehoben ist. Er hat viele gute Spieler um sich herum, die ihm helfen auf den nächsten Level zu kommen. Für uns geht es nun darum, ihn zu verteidigen und zu egalisieren, um den Wolfsburgern eine Waffe zu nehmen.“

Ganz so euphorisch wie der 05-Trainer dürften die Verantwortlichen in Wolfsburg Mallis bisherige Vorstellung in seinem neuen Team sicherlich nicht bewerten. Der ehemalige 05-Zehner, der mit sechs Saisontreffern und 14 Scorer-Punkten in Mainz noch immer den Bestwert hält, hat sich beim VfL ordentlich präsentiert, aber keineswegs prägend. Mallis Auftritte waren ähnlich wie auch in Mainz oft überschaubar, wie die der gesamten Wolfsburger Mannschaft, die in diesem Jahr zwei Siege einfuhr und vier Niederlagen kassierte. In Spielen, in denen Malli kein Tor erzielt oder vorbereitet, fällt der 25-Jährige nach wie vor nicht unbedingt groß auf. Bisher hat Malli nur eine Torvorbereitung in der Statistik stehen. Doch niemand weiß besser als die 05er, dass der Ex-Mainzer an einem guten Tag eine Partie im Alleingang entscheiden kann.

Dazu soll es nicht kommen. Stefan Bell hat dem Ex-Kollegen jedenfalls schon mal einen schweren Stand versprochen. „Ich denke, wir freuen uns mehr darauf, dass er wieder her kommt als er selbst. Yunus weiß, was auf ihn zukommt in Mainz. Wolfsburg ist in einer schwierigen Situation. Die haben sich das sicher komplett anders vorgestellt, haben aber nicht die Ergebnisse, die sie brauchen“, sagt der 05-Kapitän. „Für uns ist das aber alles irrelevant. Für uns ist der Kernpunkt, dass wir den Sieg in Leverkusen jetzt bestätigen müssen. Weil es ein extrem wichtiges Spiel ist gegen eine Mannschaft, die hinter uns steht. Das muss unser nächster Schritt sein: Die Konzentration hoch halten, auch mal in zwei Spielen hintereinander extrem konzentriert spielen und hoffentlich gewinnen.“ Und Mallis Stärken als Passgeber und Standardspezialisten möglichst aus dem Spiel zu nehmen. „Vor dem Spiel kann man sich begrüßen, nach dem Spiel reden, aber in den 90 Minuten ist Wettkampf“, betont auch der Mainzer Trainer.

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