„Zeigen, was wir auf dem Schläger haben“

Jörg Schneider. Mainz.
Sieben Wochen Vorbereitung sind vorüber: Unmengen an Trainingseinheiten, Videositzungen in der Gruppe und individuell, Analysen, Besprechungen, Testspiele und ein Pflichtspiel im DFB-Pokal liegen hinter dem FSV Mainz 05. Am Samstag um 15.30 Uhr geht’s nun endgültig los: Die Saison beginnt mit dem Heimspiel gegen Hannover 96. „Wir freuen uns echt, dass es jetzt losgeht. Dass wir den Leuten zeigen können, was wir auf dem Schläger haben“, sagt der 05-Trainer. „Wir sind überzeugt davon, dass wenn wir die Dinge zu 100 Prozent umsetzen, haben wir die Möglichkeit, dieses Spiel zu gewinnen.“

Fast sieben Wochen sind vergangen, seit Sandro Schwarz an jenem Montagnachmittag Anfang Juli sich selbst als Cheftrainer und seine Profis in der ersten Trainingseinheit am Bruchweg vorgestellt gestellt hat. Sieben Wochen, in denen der 38-Jährige Bundesliga-Newcomer mit seinem Trainerstab alles getan hat, um den Kader des FSV Mainz 05 auf den Tag X vorzubereiten. Unmengen an Trainingseinheiten, Videositzungen in der Gruppe und individuell, Analysen, Besprechungen, Testspiele und ein Pflichtspiel im DFB-Pokal liegen hinter den 05ern. Am Samstag um 15.30 Uhr geht’s nun endgültig los: Die Saison 2017/18 beginnt mit dem Heimspiel in der Opel Arena gegen den Aufsteiger Hannover 96.

Wir haben umfassend über die Bemühungen berichtet, den 05-Kader in eine bundesligataugliche Wettkampfform zu bringen. Die sieben Wochen Anlaufzeit haben viele Signale zu Tage gefördert, die darauf schließen lassen, dass die Mainzer in der Lage sein sollten, eine ordentliche neue Runde hinzulegen. Die souveräne Leistung beim 3:1-Sieg im Pokal beim Regionalligisten Lüneburger SK lieferte ein erstes belastbares Indiz dafür und schürte die Zuversicht, dass Schwarz und dessen Team nun auch einen gelungenen Start in die insgesamt zwölfte Spielzeit des Klubs in der obersten deutschen Spielklasse folgen lassen. Ob das gelingt, müssen die 05-Profis nun beweisen.

Anspannung an der Seitenlinie: Sandro Schwarz fiebert seinem ersten Bundesliga-Heimspiel als Cheftrainer der 05-Profis entgegen. Foto: Imago „Wir haben eine gute Vorbereitung gespielt“, sagt Schwarz. „Wir sind jetzt bereit. Wir freuen uns echt, dass es jetzt losgeht. Dass wir den Leuten zeigen können, was wir auf dem Schläger haben. Ich spüre, dass die Spieler jetzt richtig Lust haben, loslegen zu können. Es ist für uns alle ein geiles Gefühl. Wir wollen eine besondere Atmosphäre schaffen und die Energie nutzen, um eine Leistung zu bringen, mit der die Zuschauer zufrieden sind, mit der wir die Begeisterungsfähigkeit schüren. Dass die Leute merken, alles klar, es kann losgehen.“ Und es soll mit einem Erfolgserlebnis beginnen. „Wir bestreiten jedes der 34 Bundesligaspiele mit dem Bewusstsein, wir wollen dieses Spiel gewinnen“, sagt der 05-Trainer. „Am Samstag kommt jetzt das erste Spiel. Wir sind überzeugt davon, dass wenn wir die Dinge zu 100 Prozent umsetzen, haben wir die Möglichkeit, dieses Spiel zu gewinnen.“

Schwarz hat der Mannschaft über den Sommer hinweg eine neue Spielweise verabreicht, die variabler als bisher daherkommt, eine fußballerische Steigerung und vor allem im Offensivbereich mehr Möglichkeiten verspricht, Torchancen zu erarbeiten. Und die dazu führen soll, das Publikum zu begeistern, die Heimspiele zu einem Mainz-05-Erlebnis werden zu lassen und im Idealfall wieder einen größeren Zuschauer-Zuspruch zu bewirken. Für das Spiel gegen Hannover 96 hat der Klub rund 25.000 Karten abgesetzt. Das ist ausbaufähig. Die Profis können ihren Teil dazu beitragen.

Wichtigstes Merkmal des 05-Spiels unter der Regie des neuen Trainers ist die aggressive Vorwärtsverteidigung. Das Attackieren des Gegners immer und überall. Angefangen vom Stürmer ganz vorne bis in die eigene Abwehr hinein. Mit dem Ziel, möglichst viele Balleroberungen, am besten tief in der gegnerischen Hälfte, zu haben und nach eigenen Ballverlusten mit aggressivem Gegenpressing die Kugel zurückzuerobern. Das führte in Lüneburg dazu, dass der Gegner im Grunde nicht eine Torchance, nicht einen gefährlichen Konter herausarbeiten konnte. Voraussetzung dafür ist immer die aktive Arbeit gegen den Ball. Und zwar auf allen Positionen. Hinten wie vorne. Weniger quer verschieben, sondern aktiv Druck ausüben auf den ballführenden Gegenspieler, Pässe erschweren, Anspiele verhindern. „Aktiv sein, statt begleiten“, lautet das Credo von Schwarz. Dazu braucht es eine hohe Bereitschaft in hochintensive Sprints zu gehen, Konzentration und Aufmerksamkeit. Diese Bereitschaft sowie die Qualität der Arbeit müsse beim Bundesligaauftakt noch einmal größer sein als in der Vorwoche, weil der Gegner eine größere Qualität entgegensetze, betont der Trainer.

Positionsspiel ist fundamental

Wenn die 05er dies in aller Konsequenz betreiben, dann kommt das Ganze dem schon ziemlich nahe, was der 38-Jährige als „typischen 05-Fußball“ bezeichnet und was den Zuschauer gefallen wird, das Publikum stimuliert. Erheblich verbessert haben sich die 05er in diesen Wochen im Spielaufbau und im eigenen Ballbesitz. Die Balance zu finden, auf der einen Seite Chancen herauszuspielen, gleichzeitig aber im Offensivdrang hinten nichts zuzulassen. Fundamental wichtig für alles ist dabei das eigene Positionsspiel. Schwarz hat dies in der Vorbereitung immer schwerpunktmäßig trainiert. Alle Räume besetzen, um vielfältige Laufwege zu schaffen. Handlungsschnelles Passspiel in die einzelnen Linien hinein soll die Optionen erhöhen, häufiger in den gegnerischen Strafraum und zum Abschluss zu kommen.

In der Vorbereitung hat Schwarz im eigenen ballbesitz häufig die hintere Viererkette aufgelöst, aus einer Dreierreihe heraus aufgebaut, über räumlich versetzte Sechser, einrückenden Außenspieler, eine bewegliche Zehn und häufige Positionswechsel. Das sah bisweilen sehr gut aus, brachte vor allen Dingen viel Tempo in die Aktionen und führte zu ansehnlichen Kombinationen und Abschlüssen.

Das kann auch gegen den Aufsteiger funktionieren, doch das Kaliber wird ein anderes sein als in der Vorwoche. Da wird es noch stärker als in Lüneburg darum gehen, die Umschaltaktionen des Gegners zu verteidigen, mit viel Intensität im Zweikampf, Im Laufverhalten, im Gegenpressing. „Es kommt aber vor allem darauf an, wie wir die Dinge annehmen und umsetzen. Wie wir dem Gegner Fragen stellen, die er beantworten muss“, betont der Trainer. „Es wird kein typisches Dominanzspiel wie letzte Woche, sondern es wird unterschiedliche Phasen geben. Wir werden selbst Druckphasen des Gegners überstehen müssen. Wichtig ist, dass wir trotzdem aber immer aktiv drin bleiben in der Vorwärtsverteidigung.“

► Alle Artikel zum Spiel gegen Hannover 96

► Zur Startseite