Zu wenig Überzeugung und Qualität

Jörg Schneider. Stuttgart.
Zwei Spiele, null Punkte: Der FSV Mainz 05 hat einen klassischen Fehlstart hingelegt in diese neue Bundesligasaison. Nach dem 0:1 zu Hause gegen Hannover 96 kassierte das Team von Sandro Schwarz nun auch beim Aufsteiger VfB Stuttgart eine 0:1-Pleite, die vermeidbar war. Die 05er waren diesmal nicht die bessere Mannschaft, aber auch nicht schlechter als der Gegner. „Es fehlt nicht viel für ein Ergebnis und es ist extrem ärgerlich zweimal zu verlieren“, sagt der 05-Trainer. „Wir haben nicht das Gefühl, dass es komplett verdient ist, dass wir null Punkte haben. Es nervt und muss auch jeden einzelnen nerven, dass wir zweimal verloren haben.“

Es ist eine uralte Geschichte im Fußball. Wenn man schon nicht in der Lage ist, solche Spiele zu gewinnen, dann sollte man sie wenigstens nicht verlieren. Der FSV Mainz 05 hat nach dem Auftaktspiel zu Hause nun auch sein erstes Auswärtsspiel verloren und einen klassischen Fehlstart hingelegt in diese Bundesligasaison. Das 0:1 beim VfB Stuttgart, das zweite 0:1 in Folge gegen einen Aufsteiger. Null Punkte nach zwei Spielen. Getrübte Stimmung. Bei der Mannschaft von Sandro Schwarz läuft’s nicht so, wie man sich das nach der guten und vielversprechenden Vorbereitung gewünscht und vorgestellt hat.

Die Blicke und die Körperspannung sprechen Bände: 05-Trainer Sandro Schwarz und seine Kollegen auf der Bank sind nicht begeistert davon, was auf dem Platz passiert. Foto: ImagoZweimal waren die Mainzer nicht die schlechtere Mannschaft. Im Gegensatz zum Start gegen Hannover 96, waren die 05er vor über 50.000 Zuschauer nun beim VfB Stuttgart allerdings auch nicht das bessere Team. Sie präsentierten sich als ein Team, das große Probleme hatte, vernünftige Torchancen herauszuspielen und diese auch mal zu nutzen. Dazu kommt, dass die Mainzer in dieser Frühphase der Saison nicht gerade Glück haben, was die Geschichte mit dem Videobeweis angeht. In Stuttgart konnte bei den beiden Elfmeter-Überprüfungen, die zu Ungunsten der 05er ausfielen, von Beweis sicher nicht die Rede sein. Vor allem aber kassierten die 05er sowohl zu Hause als auch nun in Stuttgart jeweils einen vermeidbaren Treffer. Vor einer Woche war es ein Konter, diesmal eine Unachtsamkeit bei einer Ecke, als Fabian Frei VfB-Innenverteidiger Holger Badstuber gewähren und zum entscheidenden Treffer einköpfen ließ. Zwei Gegentreffer, die jeweils drei Punkte kosteten in zwei Begegnungen, in denen jeweils zumindest ein Unentschieden möglich gewesen wäre. Und in denen es die 05-Profis versäumten, selbst in Führung zu gehen. Mit zwei Punkten auf dem Konto wäre die Situation der Mannschaft in ihrem Findungs- und Einspielungsprozess nicht ganz so unbefriedigend, wie sie sich nun darstellt zu Beginn der ersten zweiwöchigen Länderspielpause.

„So fühlt es sich nicht gut an“, sagte Sandro Schwarz nach der Niederlage. „Wir müssen die Dinge besser machen, müssen in einem Spiel, in dem es nicht so läuft, wenigstens hier 0:0 spielen, dann ist alles in Ordnung. Es ist ein Entwicklungsprozess und es ist von den Ergebnissen her extrem ärgerlich. Wir haben wieder das Ergebnis nicht geholt. Die Leistung war phasenweise ordentlich, aber mit Dingen, die uns das Ergebnis kosten.“ Es sei aber auch nicht so, dass komplett alles nicht funktioniere im Team. „Die Automatismen sind schon drin, gerade wie wir verteidigen und gegen den Ball arbeiten“, sagte der 38-Jährige. „Wir kriegen ja nicht ständig Torchancen gegen uns, sind ja auch in unserer Struktur drin. Auf diese Dinge können wir uns schon besinnen. Was fehlt, ist die Konsequenz, die Möglichkeiten zu Ende zu bringen. Es fehlt nicht viel für ein Ergebnis und es ist extrem ärgerlich zweimal zu verlieren. Wir haben nicht das Gefühl, dass es komplett verdient ist, dass wir null Punkte haben. Es nervt und muss auch jeden einzelnen nerven, dass wir zweimal verloren haben. Wir werden trotzdem jetzt nicht in Selbstmitleid verfallen.“

In der Umschaltung hätte der Schlüssel gelegen

Was den Mainzern in Stuttgart in erster Linie fehlte, war Überzeugung und Qualität. Und zwar auf nahezu allen Positionen. Der Mannschaft ließ insgesamt die Statik vermissen. In der Umschaltung hätte der Schlüssel gelegen an diesem Tag gegen eine Elf des Aufsteigers, die selbst ihre Möglichkeiten in der Offensive suchten und Räume anbot. Doch da blieb vieles liegen. Die 05er hielten den Gegner in der ersten Hälfte überwiegend weg vom Tor, hatten aktive Balleroberungen, zogen auch nach Ballverlusten ein passables Gegenpressing auf, doch in der Umschaltbewegung funktionierte wenig nach Wunsch. Die beiden Sechser Danny Latza und Fabian Frei spielten klar unter ihren Möglichkeiten, vor allem Latza rang mit seiner Form. Das Duo brachte kaum Ideen auf den Platz für die Einleitung eines Kombinationsspiels, das vor einer Woche noch gut geklappt hatte. Die beiden Außenverteidiger Giulio Donati und Daniel Brosinski kamen nach vorne kaum zur Geltung, leisteten sich auch immer wieder Abspiel- und Annahmefehler. Das war zudem auch auf den Positionen weiter vorne immer wieder gravierend. Alexandru Maxim war fleißig und engagiert, hatte aber kaum Zug und Ideen ins letzte Drittel, fand selten richtig ins Spiel. Vom  Zehner, der seine Rolle eher als eine Art Achter erfüllte, ging kaum Gefahr aus. Der Ex-Stuttgarter  hatte nur eine Abschlussaktion kurz nach der Pause. Den Außen Levin Öztunali und Robin Quaison fehlte das Durchsetzungsvermögen in Eins-gegen-eins-Situationen und Qualität am Ball. Yoshinori Muto erhielt selten verwertbare Bälle in der Spitze. Bei Öztunali kam hinzu, dass der Rechtsaußen zwei wirklich gute Möglichkeiten nach Konter viel zu billig und leichtfertig vergab. Die ganze Körpersprache der 05-Offensive war nicht gut.

„Wir hatten viele Räume, um es besser ausspielen zu können und zu müssen“, sagte Schwarz. „Uns hat die Ruhe gefehlt für die Umschaltaktion. Wir haben diese Dinge komplett unsauber ausgespielt. Wir hatten generell viele einfache Ballverluste, keine Ruhe, obwohl die Räume da waren. Alle hatten komplett zu viele Ballverluste“, kritisierte der Trainer. „Später sind wir in Konter reingelaufen, auch nach eigenen Standards. Da hatten wir dann keine gute Restverteidigung. Und nach dem Rückstand hatten wir zu viele einfache Ballverluste, die dem Gegner Möglichkeiten boten, den Sack zuzumachen. Wir brauchen jedoch vor allem von allen Positionen vorne mehr Torgefahr, mehr Schärfe. Da müssen wir definitiv zulegen.“ Erst hinten raus habe sich die Mannschaft gegen die Niederlage gestemmt und Druck aufgebaut. „Da haben wir dann Mentalität gezeigt, Abschlüsse gezeigt, um noch glücklich einen Punkt mitnehmen zu können.“ Doch VfB-Keeper Ron-Robert Zieler vereitelte spektakulär die große Muto-Chance in der Nachspielzeit.

Die Mainzer wirkten etwas ratlos nach dieser Niederlage. Das war allen Beteiligten anzumerken. Es passt noch nicht im Gefüge. Vom eigenen Anspruch, Spiele zu gewinnen, ist das Team im Moment noch weit entfernt. Und es sind dann immer wieder eigene kleinere Unachtsamkeiten, fehlende Überzeugung und Konsequenz, um wenigstens Schadenbegrenzung in Form eines Unentschiedens gegen nicht bessere Gegner zu betreiben. „Nach zwei Spielen null Punkte. Das haben wir uns sicher anders vorgestellt“, sagte Rouven Schröder in Stuttgart. „Wir machen viele einfache Fehler auch im Passspiel. Fakt ist, wir haben hier zu ungenau gespielt, uns zu wenig zugetraut, erst zum Schluss auf den Ausgleich gedrängt. Das ist zu wenig, um die Punkte mitzunehmen.“ Dennoch sei es nun ganz wichtig, nicht die Nerven zu verlieren und Ruhe zu bewahren in dieser Situation, so der Sportvorstand. „Über weite Strecken des Spiels hätten wir uns Mut gewünscht, mehr Klarheit in den Aktionen. Da müssen wir uns verbessern. Wir werden das analysieren. Der Trainer wird das mit der Mannschaft aufarbeiten. Wir brauchen aber jetzt keinen Masterplan auszurufen. Fakt ist, wir haben null Punkte, aber wir  verbreiten jetzt nach zwei verlorenen Spielen keine Endzeitstimmung.“

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