Zurück in der Siegesserie

Christian Karn. Mainz.
Die österreichische Nationalmannschaft hat nach der Niederlage ihres B-Teams gegen die Schweiz die Siegesserie wieder aufgenommen, nach dem 2:1 gegen Albanien von den inzwischen letzten 19 Spielen nur zwei verloren und 14 gewonnen. Besser als Julian Baumgartlinger, gegen die Albaner kann ein Sechser kaum spielen; der Kapitän des FSV Mainz 05 leitete das 1:0 ein, war an einer weiteren Großchance beteiligt, hatte im seinem Kerngeschäft, der Organisation der Defensive, sowieso alles im Griff. Und es wäre wirklich inzwischen interessant zu sehen, wie gut die Österreicher gegen einen der wirklich starken Gegner zurechtkämen.

Alle Termine

Do., 24.3.
13.00: 05 - KSC 2:2
15.00: U18 - FRA 0:0
18.00: U17 - SVK 5:1
19.45: TUR - SWE 2:1
20.00: U21 - FRO 4:1

Sa., 26.3.
15.00: U19 - KOR 2:1
15.00: U17 - BUL 1:1
17.30: AUT - ALB 2:1

Mo., 28.3.
13.30: U18 - FRA

Di., 29.3.
12.00: U19 - KOR
18.00: U17 - NED
19.00: RUS - U21
20.30: AUT - TUR

Trennt sich Julian Baumgartlinger im Sommer von seinen Locken? In einem Interview in Österreich sagte der Kapitän des FSV Mainz 05, im Falle eines EM-Titels könnte er sich eine Glatze vorstellen - allerdings war's eine Suggestivfrage und die Antwort beginnt mit "Puh, da müsste ich schon kämpfen." Die Haare bleiben also doch eher dran.

Aber das Thema steht einfach so im Raum herum: EM-Titel für Österreich? Topfavorit ist das ÖFB-Team sicherlich nicht. Es hat eine große Qualifikation gespielt, die beste in ganz Europa, abgesehen von den Engländern, die gestern sogar ein 0:2 beim Weltmeister zum 3:2-Auswärtssieg gedreht haben. Die Österreicher haben nach dem 1:1 zum Auftakt gegen Schweden jedes weitere Spiel gewonnen, beim entscheidenden 4:1 in Schweden in einer Drucksituation ein in jeglicher Hinsicht perfektes Spiel geliefert, und die spannende Frage ist nur: Was wird passieren, wenn Baumgartlingers Team endlich mal nicht gegen Russland, Schweden, Montenegro, Liechtenstein und Moldawien spielen muss, sondern gegen einen der richtig starken Gegner?

Albanien - ebenfalls erstmals für eine moderne EM qualifiziert - war am Samstag kein richtig starker Gegner. Österreich gewann trotz einer eher durchschnittlichen Leistung 2:1, angeführt von einem überragenden Baumgartlinger. Der Mainzer war der Kopf der Defensive, die den Albanern nahezu nichts erlaubte, hatte auch seine Szenen in der Offensive; besser kann ein Sechser kaum spielen.

Julian Baumgartlinger war gegen Albanien der beste Spieler im ÖFB-Trikot. Foto: imagoBeim frühen Führungstor war der 05-Kapitän beteiligt. Aus der Bedrängnis dreier Albaner heraus spielte Baumgartlinger einen kurzen, konstruktiven, öffnenden Pass auf den Bremer Zlatko Junuzovic, der gab durch eine Lücke in der Abwehr weiter auf den alten Torjäger Marc Janko. Der Basler kam mit etwas Glück am Verteidiger vorbei, schnickte dann einen technisch ganz feinen Außenristheber am Torwart vorbei. Sechste Minute, nicht die erste Chance der Österreicher, 1:0. Und bald 2:0, weil der Kölner Mergim Mavraj einen eigentlich harmlosen Befreiungsschlag von Österreichs Torwart Robert Almer (Austria Wien) völlig unterschätzte - Stuttgarts Martin Harnik lief durch und hatte viel, viel Zeit: um sich umzusehen, wo die Mitspieler sind, wo die Verteidiger sind, wo das Tor ist, was der Torwart macht, um sich zu entscheiden, abzuspielen oder selbst zu schießen. Harnik machte es selbst. 2:0, 13. Minute.

Beim 2:1 kurz nach der Halbzeit verteidigten die Österreicher zum einzigen Mal etwas zu naiv. Ermir Lenjani vom FC Nantes setzte an zu einem Sprint durch drei Verteidiger, die mit diesem Turbo offenbar einfach nicht gerechnet hatten, und war vor dem Tor. Almer bekam den Arm noch hoch in die Schussbahn, aber zu spät, der Ball war schon vorbei. Die vielen Albaner im Stadion übertrieben es nach dem Anschlusstor ein bisschen, zündeten Knaller. Ihr Kapitän musste ihnen signalisieren: Haltet Euch ein bisschen zurück! Und sie hielten sich wieder ein bisschen zurück, alles war schnell wieder gut.

Und Baumgartlinger hatte vor seiner Auswechslung in der 76. Minute noch eine Offensivszene, den schönsten Angriff des Spiels: Im Strafraum von Harnik kurz angespielt steckte der Mainzer einen Kurzpass durch auf den heransprintenden Marko Arnautovic. Im ersten Moment sah's aus wie ein Fehlpass, aber es war keiner, der Außenstürmer von Stoke City kam durch, spielte vors leere Tor auf Junuzovic. Der wurde beim Abschluss behindert, es könnte am Rand der Notbremse gewesen sein, traf den Ball nicht richtig, fälschte ihn im Fallen nur leicht ab, haarscharf am Pfosten vorbei. Erst ein bisschen Glück, dann ein bisschen Pech. Österreich war bald in Überzahl nach einer Gelb-Roten Karte, hatte weitere kleinere Chancen, hatte am Ende ein 2:1, mit dem der Trainer nicht völlig zufrieden war, das aber im Ernstfall in Frankreich gegen jeden Gegner ein hilfreiches Ergebnis wäre.

Währenddessen steht der U17-Bundestrainer Meikel Schönweitz mit seinen Mainzer Torhütern vor einem schönen Endspiel. Deutschland muss Turniersieger werden, um sich sicher für die EM zu qualifizieren, ist auch als Tabellenzweiter wahrscheinlich dabei, wenn's zumindest einen schlechteren Zweiten gibt. Das 5:1 gegen die Slowakei war ein wertvoller Auftakt. Gegen Bulgarien gab es eine schnelle Rote Karte und durch den damit verbundenen Elfmeter ein schnelles 0:1, am Ende mit 1:1 immerhin einen Punkt. Der 05er Jan-Christoph Bartels spielte erneut durch. Am Montag geht's gegen die punktgleichen Niederländer. Ein Unentschieden würde reichen für Platz 2, vielleicht sogar für den Gruppensieg. Ein Sieg sowieso, eine Niederlage vielleicht für den zweiten Platz, aber für einen, der in der Rangliste der acht Zweiten weit unten stehen würde.

Die deutsche U19 drehte derweil gegen Südkorea ein 0:1 zum 2:1-Erfolg. Der 05-Torhüter Florian Müller kam nicht zum Einsatz.

Nigeria spielte bereits am Freitag ohne den bekanntlich verletzten Mainzer Leon Balogun gegen Ägypten, den stärksten Konkurrenten in der Qualifikationsgruppe zur Afrikameisterschaft. Beim 1:1 in Kaduna führten die Nigerianer bis in die Nachspielzeit, dann erst verteidigten die Ägypter mit ihrem Tor zum 1:1-Endstand die Tabellenführung. Aber nicht durch das Ergebnis, sondern durch die riskante Ticketpolitik kam das Spiel in die Schlagzeilen: rund 40.000 Zuschauer, die freien Eintritt erhielten, drängten ins 50 Jahre alte Stadion, dessen Kapazität in unterschiedlichen Quellen mit 16.000, 25.000 und 30.000 Plätzen angegeben wird, stiegen auf die Flutlichtmasten, drängelten am Spielfeldrand. Passiert ist nichts. Hätte aber halt können.

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