Zwei sind ausgeschieden, Frei noch dabei

Christian Karn. Mainz.
Die drei Mainzer waren keine Hauptfiguren in der Gruppenphase der Europameisterschaft. Julian Baumgartlinger, der am Freitag zum Leverkusener wird, war immerhin für Österreich wichtig, schied aber als Gruppenletzter aus. Yunus Malli wurde vom türkischen Trainer nur einmal eingewechselt, als es schon nichts mehr zu gewinnen gab, hoffte trotzdem einen Tag lang aufs Achtelfinale, wurde aber enttäuscht. Bleibt im Wettbewerb mit bisher nur 19, 20 Einsatzminuten Fabian Frei, der heute nachmittag mit der Schweiz gegen Polen ins Achtelfinale geht - wahrscheinlich nicht als Startspieler.

Nun ist sie vorbei, die Gruppenphase der Europameisterschaft. Sie hatte ihre erwarteten Schwächen, beispielsweise die Spiele Polens gegen Deutschland oder Englands gegen Russland. Sie hatte ihre Helden, weit vorne natürlich den hysterischen isländischen Kommentator Gudmundur Benediktsson. Und wenn's auch vordergründig seltsam klingt, angesichts des Achtelfinalspiels Nordirland - Wales heute abend: Ein Drittel der Teilnehmer ist auch schon ausgeschieden. Als Gruppenletzte hat es Rumänien, Russland, die Ukraine, Tschechien, Schweden und die in der Qualifikation noch so überzeugenden Österreicher getroffen; damit ging auch die Nationalmannschaftskarriere des sicher noch Jahrzehnte lang legendären Zlatan Ibrahimovic unspektakulär zu Ende. Und auch zwei Gruppendritte hat's erwischt, die Albaner, die als Erste mit ihrer Gruppe fertig waren, tagelang warten mussten, ob ihr Sieg gegen Rumänien ausreicht, sich in Person ihres Kölner Verteidigers Mergim Mavraj tagelang - und nicht mit den schlechtesten Argumenten - über den Modus beschwerten, und die Türken, die nach zwei Niederlagen schon im Grunde ausgeschieden waren, sich mit einem Sieg gegen Tschechien wieder im Rennen zurückmeldeten, am nächsten Tag aber doch wieder weg waren.

Nach drei Gruppenspielen Tabellenletzter: Julian Baumgartlinger mit Österreich. Fotos: imago

Damit ist der unerwartete Fall eingetreten, dass zwar die Schweiz noch im Wettbewerb ist - in einer Gruppe mit Albanien und Rumänien ist das keine Überraschung -, aber dennoch zwei Mainzer ausgeschieden sind. Julian Baumgartlinger wird erst am Freitag zum Leverkusener, und der Österreicher war nach 28 Punkten in zehn Qualifikationsspielen ein Favorit in seiner Gruppe. Gegen Schweden, Russland, Moldawien, Montenegro und Liechtenstein nicht viele Punkte liegenzulassen, mag kein ganz großes Kunststück sein, die EM-Gegner waren mit Portugal (immer schwächer, als der Name "Cristiano Ronaldo" verspricht), Island und Ungarn allerdings auch nicht die Topteams Europas. Trotzdem stellt sich nun heraus: Die Österreicher, die schon in der Vorbereitung nicht mehr die Klasse der Qualifikation zeigten, die in fünf Testspielen Albanien und Malta schlugen, die in Wien gegen die Schweiz, Türkei und die Niederlande verloren, sie haben es verpatzt. Sie haben nur ein Tor geschossen, nur einen Punkt geholt, sind als Gruppenletzter ausgeschieden.

Julian Baumgartlinger, der noch ein paar Tage lang 05er ist, offiziell, war da noch einer der besseren Spieler. Österreich hatte Personalprobleme, konnte die perfekt eingespielte Stammelf nur einmal auf den Platz bringen. Beim Auftakt gegen Ungarn holte sich Innenverteidiger Aleksandar Dragovic Gelb-Rot, schleppte Mittelstürmer Marc Janko körperliche Probleme mit herum, gewann der Außenseiter durch Tore der Ex-05er Ádám Szalai und Zoltán Stieber 2:0. Im zweiten Spiel fehlte neben Dragovic mit Janko und dem verletzten Zehner Zlatko Junuzovic das Herz der Offensive, es gab nur dank des starken Torwarts Robert Almer und dank des Elfmeters, den Cristiano Ronaldo an den Pfosten schoss, ein 0:0. Gegen Island krempelte der Trainer Marcel Koller noch mehr um und diesmal verschoss Österreich, verschoss nicht mal der zum Zehner beförderte und damit möglicherweise seiner größten Stärke beraubte David Alaba, sondern Dragovic den Elfmeter zum möglichen 1:1, und als Gudmundur - übrigens selbst einst isländischer Nationalspieler - in der 94. Minute den (übrigens nicht besonders geschickt verteidigten) Überzahlkonter sah und den Ball ins Tor schrie, war das den Österreichern eigentlich sowieso egal - sie hätten gewinnen müssen. Darum hatten sie beim Freistoß, der zum Konter führte, keine Absicherung mehr hinten. Auch ein 1:1 hätte nicht gereicht. Baumgartlinger ist draußen.

Zweimal zugesehen, einmal eingewechselt, als Gruppendritter ausgeschieden: Yunus Malli im türkischen Nationaltrikot.Und Yunus Malli ist draußen, mit nur 22 Minuten Einsatzzeit. Ihr offensives Talent brachten die Türken zweimal nicht auf den Platz; Hakan Calhanoglu, Arda Turan und Cenk Tosun waren kaum zu sehen. Turan, der Mann vom FC Barcelona, eigentlich der Topstar, wurde zudem vom eigenen Publikum niedergemacht; hilfreich war auch das sicher nicht. Und defensiv hatten die Türken Probleme. So kam es durch das Traumtor von Luka Modric zum 0:1 gegen Kroatien, so kam es zum 0:3 gegen die unendlich souveränen Spanier, bei dem Malli erst eingewechselt wurde, als schon alles zu spät war. Um gegen Tschechien noch zu retten, was zu retten war, krempelte auch der türkische Trainer Fatih Terim das Team um, brachte sein Wunderkind Emre Mor (noch beim FC Nordsjaelland, nächste Woche Dortmunder), das prompt das Spiel entschied, brachte aber nicht von Anfang an und auch nicht als Einwechselspieler Malli aufs Feld. Mit dem 2:0 retteten sich die Türken auf den dritten Platz ihrer Gruppe, und hätte Portugal nicht tags drauf ständig die ungarische Führung ausgeglichen, hätte ihnen das auch gereicht. Dann wäre Portugal als schlechtester Dritter noch hinter Albanien ausgeschieden, so aber ist auch Malli: draußen.

Zweimal zugesehen, einmal eingewechselt, als einziger 05er noch im Turnier: der Schweizer Fabian Frei.Und drin als letzter 05er im Wettbewerb Fabian Frei. Die EM-Erfahrung des Schweizers ist sogar noch geringer als die von Malli, gerade mal 19, 20 Minuten, aber heute und vielleicht sogar nächste Woche kann er seinen türkischen Mittelfeldkollegen noch überholen. Zu verdanken haben das die Schweizer jedoch vor allem einem Fehler des albanischen Torwarts. Etrit Berisha sah nicht gut aus beim Schweizer Führungstor in deren erstem Gruppenspiel, das in der fünften Minute schon das Siegtor war. Es folgten ein uninspiriertes 1:1 gegen Rumänien und ein glückliches 0:0 gegen Frankreich, beeindruckende fünf Punkte, die wenigstens eine gewisse Effizienz dort zeigen, wo von Klasse nicht allzu viel zu sehen war. Frei sah bei den beiden Remis nur zu, gegen Albanien brachte er das bis dahin vermisste Tempo ins Spiel, trug damit dazu bei, dass die Albaner dem Ausgleich nur noch einmal nahe kamen. Wäre er gefallen, wären die anderen beiden Spiele weiterhin 1:1 und 0:0 ausgegangen, hätte die Fairplay-Wertung bestimmen müssen, ob Nordirland oder die Schweiz als viertbester Gruppendritter weiterkommt.

Er ist nicht gefallen, die Schweiz hat's geschafft. Heute spielt sie um 15 Uhr in Saint-Étienne gegen die noch effizienteren Polen, die mit 2:0 Toren sieben Punkte gesammelt haben. Vermutlich erst einmal ohne Frei.

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