Zwei sind eins zu viel, drei gibt es nicht

Jörg Schneider. Mainz.
Kein fußballerisches Highlight, aber harte und gute Arbeit: Der FSV Mainz 05 hat eine komplizierte Woche mit einem wichtigen Heimsieg abgeschlossen und den Negativtrend nach den Niederlagen auf Schalke und im Pokal gestoppt. Mit diesem 2:0-Erfolg vor 24.197 Zuschauer in der Opel Arena gegen den defensivstarken FC Ingolstadt und nunmehr 14 Punkten auf dem Konto bleiben die 05er in der Bundesliga auf einem äußerst soliden Mittelfeldplatz. „Das spielerische Element war mir heute weniger wichtig als das Zweikampf-Element und das Ergebnis“, sagt Martin Schmidt. Die Stimmen zum Spiel.

Große Erleichterung beim Strafstoß-Schützen Yunus Malli und dessen Kollegen. Mit dem hart erarbeiteten 2:0-Sieg gegen den Fc Ingolstadt haben die 05er ihren Negativtrend gestoppt. Foto: Ekkie Veyhelmann„Alles in allem war das ein verdienter Sieg“, sagte Rouven Schröder nach diesem 2:0-Erfolg im Heimspiel gegen den FC Ingolstadt, mit dem der FSV Mainz 05 diese bisher so unbefriedigend und kompliziert verlaufene Englische Woche beendete. Nach den beiden Niederlagen auf Schalke und in DFB-Pokal in Fürth stoppten die 05-Profis ihren Negativtrend und die Gefahr, in eine erste Ergebniskrise hineinzurutschen. „Ich muss der Mannschaft ein Kompliment machen“, betonte der Sportdirektor. „Wir haben nach dem Mittwoch einige Dinge besprochen. Vor dem Spiel war eine gewisse Anspannung da. Das Team hat es sehr ruhig und sehr seriös gespielt, ist ruhig geblieben, hat die Angriffe vorbereitet und gewartet, dass die Chance auch kommt. Es war nicht einfach gegen diese gestaffelte Abwehr. Wir haben zu Null gespielt. Das war eine richtig gute Antwort auf die Vorkommnisse in der Woche. Nicht überschwänglich, aber verdient und ein gutes Zeichen nach dem Spiel in Fürth. Es war ein sehr konzentriertes Defensivverhalten von uns. Bis auf den Distanz-Schuss, der auf die Latte ging und eine einzige falsche Abstimmung in der zweiten Halbzeit war die Mannschaft sehr konsequent und wenig zugelassen. Es hat sich gut angefühlt“, erklärte Schröder. „Es war ein gewisser Druck zu spüren, was normal ist. Die Mannschaft ist gut damit umgegangen. Wenn jeder einen Sieg erwartet, ist es trotzdem noch lange nicht passiert. Von daher kann ich der Mannschaft heute nur ein Kompliment aussprechen.“

Levin Öztunali, der nach der Vorarbeit von Jhon Cordoba nur noch den Fuß hinhalten musste, um mit dem 2:0 alles klar zu machen, sagte erleichtert: „Wir sind alle froh, dass wir diese drei Punkte heute mitgenommen haben. Das gibt uns wieder ein gutes Gefühl, dass wir doch viel richtig machen. Diesmal haben wir zu Null gespielt, das ist gut für die Abwehr und die ganze Mannschaft.“

Und auch dem 05-Chef war nach dem Abpfiff die Erleichterung anzumerken. „Das war mehr als wichtig, denn es war der erwartet schwere Gegner. Die Defensivarbeit stand im Vordergrund. Für das gesamte Wohlbefinden war es wichtig, heute diese drei Punkte einzusammeln. Jetzt fahren wir mit einem anderen Gefühl nach Anderlecht und dann nach Leipzig. Die Fans haben heute die Mannschaft gepusht und getragen. Das hat sehr geholfen.“

Yunus Malli, der mit seinem souverän verwandelten Elfmeter die Führung erzielte, erklärte nachher: „Wir mussten das Pokalspiel abhaken und eine Reaktion zeigen. Ich bin froh, dass uns das gelungen ist und auch froh, dass ich diese Sicherheit im Moment habe beim Elfmeter. Wir haben uns vorher intern zusammengesetzt und über die Situation geredet, dass das in Fürth Scheiße war, dass wir nach einer Führung weiter konzentriert bleiben und weiter Druck machen müssen, um das zweite Tor nachzulegen. Das Pokal-Aus war sehr unnötig, aber wir mussten die Ruhe bewahren. In der Bundesliga sind wir im Soll. Das ist gut.“

Die erste Hälfte sei eine typische 0:0-Halbzeit gewesen fasste der 05-Trainer später zusammen. „Bei beiden Mannschaften war zunächst der Gedanke da, ja nicht in Konter laufen und kein Gegentor kriegen, versuchen, viel zu kontrollieren. Das war am Anfang etwas taktisch. Wir fanden nicht so in unsere Umschaltungen. Im Spielaufbau hat man gesehen, dass wir nicht gerade mit der breitesten Brust von Fürth her kamen. Wir wollten mit aller Gewalt verhindern, dass wir am Schluss wieder mit leeren Händen dastehen. Deshalb haben wir gesagt, dass wir Dominanz im Zentrum haben und die zweiten Bälle holen müssen. Die Doppelsechs musste heute funktionieren, deshalb haben wir mit Serdar und Gbamin unsere stärksten Zweikämpfer dorthin gestellt. Wir haben unser Spiel stark darauf ausgelegt, dadurch hat die Offensive etwas gefehlt“, erklärte Martin Schmidt. „In der Pause haben wir klar angesprochen, dass da noch mehr drin liegt, weil wir Kräfte gespart haben. Wir wollten das Tor erzielen und die Null halten. Das ist mit dem Elfer etwas glücklich zustande gekommen, aber es war der Dosenöffner. Unser Mut ist danach gewachsen und war größer als die Angst zu verlieren. Wir haben das zweite Tor nachgelegt. Das war der Schlüssel. Was wir zuletzt nicht geschafft haben, noch einen Konter zu Ende zu führen und den Deckel drauf zu machen, ist diesmal gelungen", so Schmidt.

"Es ist ein freudiger Tag für uns alle hier. Wir haben die Schalke-Niederlage mit einem Heimsieg zurechtgebogen. Das war sehr wichtig. Wir haben intern eine Maßgabe im Team: Zwei Niederlagen sind eine zu viel, aber drei gibt es nicht. Deshalb ein Riesenkompliment an die Mannschaft und das ganze Umfeld, das mitgeholfen hat, dieses Spiel in Ruhe anzugehen und den Fokus auf die drei Punkte zu legen. Das spielerische Element war mir heute weniger wichtig als das Zweikampf-Element und das Ergebnis. Wir haben den DFB-Pokal verbockt, das hat uns das Gefühl gegeben, wir haben was falsch gemacht. Das Gefühl war auch richtig, aber es ist nicht so, dass es bei uns jetzt um alles oder nichts ging. Das Team hat gezeigt, dass es mit Ernsthaftigkeit rangehen kann. Letztes Jahr haben wir gegen Ingolstadt zweimal verloren und sind mit den Mitteln, die sie anwenden, überhaupt nicht zurechtgekommen. Heute haben wir uns gesagt, wir müssen mit ähnlichen Mitteln arbeiten. Deshalb war es heute ein gutes Paket aus allem. Niederlagen bringen auch immer einen Lernprozess mit sich. Wenn du zweimal verlierst, richtet sich der Fokus wieder stärker aufs Verteidigen. Wir haben ein wichtiges Spiel fürs Selbstbewusstsein abgeliefert. Wir wachsen zusammen, werden größer und im Laufe der Saison solider“, sagte der Mainzer Trainer.   

„Die erste Halbzeit spiegelte das Ergebnis wider“, empfand auch Markus Kauczinski, der Trainer des FC Ingolstadt. „Wir hatten die Chance durch Lukas Hinterseer, Mainz hatte auch zwei Möglichkeiten und gefährliche Standards. Man hatte aber das Gefühl, es ist ein typischen 0:0-Spiel. In den entscheidenden Momenten fehlen uns dann aber immer mal ein Meter und die letzte Konsequenz im Strafraum. So kommt es zum Elfmeter gegen uns, dann liegen wir zurück und spielen uns nicht mehr die klare Situation und die klare Möglichkeit heraus. Das war dann sehr zerfahren und umkämpft. Die Mainzer haben sich sehr gut die zweiten Bälle geholt. Wir hatten Probleme unser Spiel aufzuziehen. In Unterzahl war’s dann für uns gelaufen.“

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