Zwei Transfers über Kreuz

Christian Karn. Mainz.
Der eine kam schneller als gedacht, dafür wird der FSV Mainz 05 auf den anderen wohl noch eine Weile warten müssen: Marin Sverko trainierte nach seinem vorgezogenen Wechsel bereits mit den 05-Profis, spielt aber für die Partie gegen den 1. FC Köln keine Rolle, sondern wird aber den Umweg über die U23 gehen. Der Transfer von Gervane Kastaneer steht dagegen auf der Kippe. Notfalls würden die 05er den Niederländer im Sommer ablösefrei holen, "er ist sowieso keiner, bei dem ich sage: Oh, schade, dass er nicht kommt", erklärt 05-Trainer Martin Schmidt.

Seit Mittwoch bereiten sich die Profis des FSV Mainz 05 unmittelbar auf das Spiel gegen den 1. FC Köln vor. Zum ersten Mal trainierte dabei auch Marin Sverko mit seiner neuen Mannschaft. Der Linksverteidiger, den die 05er ursprünglich erst für den Sommer verpflichtet hatten, kam ja bekanntlich doch schon jetzt vom Karlsruher SC an den Bruchweg, absolvierte aber noch nicht das volle Programm.

"Marin hat nach seiner Muskelverletzung vom Dezember beim KSC schon ein oder zwei Mal mit hundert Prozent trainert", erklärt 05-Trainer Martin Schmidt, "aber er hat noch Bewegungsrückstand. Wir werden ihn über eine oder zwei Wochen mit dosiertem Training aufbauen, dann wird er ins Teamtraining kommen." Schmidt sieht Sverko durchaus von Anfang an als Teil seiner Mannschaft: "Er wird bei uns trainieren, er ist ein Kaderspieler bei uns." Man müsse aber sehen, wie weit sein Leistungsstand und sein kurzfristiges Potenzial sind. Der 18-Jährige, der erst zweimal in der 2. Bundesliga gespielt hat, würde tendenziell erst einmal in der U23 spielen. "Marin ist ein junger Kerl", sagt Schmidt, "er kann noch in der U19 spielen." Schmidt zog den Vergleich mit Karim Onisiwo, der im vergangenen Winter kam, in der ersten Hälfte der Rückrunde nichts mit dem Kader zu tun hatte, zum Saisonende hin über mehr oder weniger lange Einwechslungen auf einmal Stammspieler war: "Ich bin froh, dass er wie Karim ein halbes Jahr früher gekommen ist. In dem halben Jahr können wir ihn athletisch und körperlich vorbereiten, dann haben wir im Sommer einen anderen Spieler auf dem Platz. Das war es uns wert, ihn auszulösen." Anzunehmen ist natürlich, dass der KSC seine Ablöseforderung ein bisschen heruntergeschraubt hat.

Die 05er reden mittlerweile offen davon, Gervane Kastaneer von ADO Den Haag (Mitte) holen zu wollen. Vorerst sieht es jedoch so aus, als würde das erst im Sommer gelingen - aber die Transferperiode ist noch lang."Sie wussten: Im Sommer bekommen sie gar nichts für ihn", erläutert Schmidt. "Und willst Du einen Spieler haben, der woanders schon unterschrieben hat? Der ist ab März oder April mit dem Kopf nicht mehr da. Der will sich nicht verletzen. Als Trainer nimmt man dann lieber einen Jungen, der noch hintendran ist." Gegenbeispiele gibt es natürlich: Hätte Jürgen Klopp beispielsweise 2004 lieber Fatmir Pupalovic aufgestellt, hätte Michael Thurk, der längst den Vertrag in Cottbus unterschrieben hatte, die 05er nicht auf Kosten seines neuen Klubs in die Bundesliga schießen können.

Der Fall Kastaneer läuft derweil in die umgekehrte Richtung - vorübergehend? ADO Den Haag will den Stürmer offenbar doch nicht hergeben. "Kastaneer wäre aber auch so einer wie Karim", wiegelt Schmidt ab. "Wir können einen Offensiven fürs nächste Jahr holen, wir können ihn auch jetzt schon reinnehmen, damit er einen Vorsprung hat. Wenn es jetzt nicht klappt, warten wir bis Sommer und geben ihm dann einen Vertrag ohne Ablöse. Er ist sowieso keiner, bei dem ich sage: Oh, schade, dass er nicht kommt. Er ist ein Perspektivspieler, wir würden ihn über die U23 heranführen. Ich muss ja an Yoshi, Karim und Jhon" - Muto, Onisiwo und Córdoba - "keinen weiteren Spieler dranhängen und er wäre nicht der Ersatz für den Jhon gewesen in den beiden Spielen, in denen er gesperrt ist." Gervane Kastaneer, wie Aaron Seydel 1996 geboren, habe einen guten Körper, habe Kraft, aber man müsse bei ihm noch vieles schulen, sagte Schmidt. "Und man muss Den Haag fragen: Wollt Ihr noch ein paar Euro?" Es dürfte die letzte Gelegenheit sein - und vielleicht werden die Holländer am Ende genauso handeln wie der KSC.

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